Umsetzung begleiten

In dieser Phase bestimmen Recherche, Analyse und Auswertung die Arbeit der Schüler/innen an ihrer VWA. Die Betreuungsperson berät bei der Literatursuche und unterstützt bei Auswahl und Einsatz geeigneter Arbeitstechniken und Methoden. Sie gibt Feedback zur Arbeitsweise und zu Zwischenergebnissen.

Das Wort „Methode“ bezeichnet ein „planmäßiges Vorgehen“ oder auch ein „auf einem Regelsystem
aufbauendes Verfahren, das zur Erlangung von [wissenschaftlichen] Erkenntnissen oder praktischen
Ergebnissen dient“.  Der Begriff leitet sich vom griechisch-spätlateinischen Wort méthodos
ab und bezeichnet den „Weg oder Gang einer Untersuchung“, ein „nach festen Regeln oder
Grundsätzen geordnetes Verfahren“, den „Weg zu etwas hin“. Eine Methode ist also ein geplanter, systematischer Weg zu einem bestimmten Ziel.

Eine Methode ist ...

  • die Art und Weise etwas zu tun,
  • eine Arbeitsweise, die gewissen Regeln/Arbeitsschritten folgt,
  • eine Herangehensweise, Forschungsthemen zu untersuchen bzw. eine Fragestellung zu beantworten.

Relevant ist dabei die Brauchbarkeit der Methode zur Beantwortung der Fragestellung.

Im Kontext der VWA bedeutet das, …

  • die Vorgehensweise zur Umsetzung des VWA-Projekts vorzubereiten,
  • diese zu planen,
  • Regeln und Grundsätze für die Vorgehensweise zu beachten und
  • das Vorgehen immer wieder daraufhin zu überprüfen, ob es zielgerichtet der Beantwortung der Fragestellung dient.

Von der Fragestellung zur Datenauswertung
Das Erstellen einer VWA ist ein Projekt, das sich – mit vielen Zwischenschritten – über einen relativ großen Zeitraum erstreckt: von der Themenwahl über die Entwicklung einer Fragestellung zum Methodeneinsatz und der Datenauswertung bis zum Verfassen der schriftlichen Arbeit. Zu beachten ist IMMER der prozesshafte Charakter des Projekts, in dem ein Schritt den nächsten bestimmt:
 

FragestellungDas Interesse des Schülers/der Schülerin an einem Thema resultiert in einer Fragestellung.
MethodenauswahlInteresse und Fragestellung bedingen die Arbeitsweisen (Methoden), mit denen in den kleinen Projekten der Schüler/innen gearbeitet wird. Welche Arbeitsweisen (Methoden) ausgewählt werden, ist von der jeweiligen Fragestellung abhängig.
Vorbereitung des Methodeneinsatzes

Haben sich die Schüler/innen für (eine) bestimmte Methode(n) entschieden, so muss die Umsetzung derselben vorbereitet werden.

Beispiel: Für die Durchführung eines Interviews muss unter Umständen ein Interviewleitfaden erstellt werden, technische Geräte müssen besorgt werden, um das Interview dokumentieren zu können.

Methodeneinsatz (=Datenproduktion)

Bei der Anwendung von Methoden kommt Wissen über diese Prozesse zur Anwendung, weshalb es wichtig ist, sich auf diesen „Methodeneinsatz“ vorzubereiten.

Beispiel: Beim Einsatz einer Interviewtechnik ist es wichtig, über bestimmte Fragetechniken (z.B. offene/geschlossene Fragen) und ihre möglichen Effekte im Interviewverlauf  Bescheid zu wissen.

Datendokumentation

Die Anwendung jeder Methode erzeugt unterschiedliches Datenmaterial.
Beispiel: Die Durchführung eines Interviews „erzeugt“ Aufnahmen auf einem Aufnahmegerät, eine Beobachtung erzeugt (Feld-)Notizen oder evtl. Fotographien.
Das Datenmaterial muss also sinnvoll dokumentiert und sortiert werden. Jede Methode, die Daten erzeugt, benötigt eine wohlüberlegte Dokumentations- und Sortiermethode.
Beispiel: Interviews werden elektronisch aufgezeichnet und müssen danach transkribiert werden, um die Inhalte sinnvoll ordnen zu können.

DatenauswertungDaran anschließend werden die Datenmaterialien (Interviewtranskriptionen, Feldnotizen, Beobachtungsprotokolle, etc.) ausgewertet. Es werden darin jene Informationen herausgefiltert, die für die Verwendung in der schriftlichen Arbeit verwertet werden können.
SchreibprozessErst daran anschließend kann über die Ergebnisse dieses Prozesses und die Beantwortung der Fragestellung geschrieben werden.


Datendokumentation sowie Dateninterpretation und –analyse sind ebenfalls eigene Arbeitsweisen, die auch als solche benannt werden sollten. Die Erhebungsmethode bedingt sowohl die geeignete Dokumentationsmethode als auch die Interpretationsmethode.


Für all diese Arbeitsschritte sollte ausreichend Zeit eingeplant werden. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, die leitende Fragestellung für VWA sehr konkret zu formulieren und damit ein überschaubares und machbares Projekt in Angriff zu nehmen, damit für alle Schritte des Prozesses genügend Zeit bleibt.

Von entscheidender Bedeutung ist es, dass schon bei der Erstellung des Erwartungshorizontes die Arbeitsweisen (Methoden) festgelegt werden und mit der Fragestellung eine sinnvolle Klammer bilden.

In einer (vor)wissenschaftlichen Arbeit muss der/die Verfasser/in darlegen, woher die Informationen, Daten, Theorien, Argumente, Beweise stammen, auf die sie/er sich bezieht und die der eigenen Argumentation zugrunde liegen. Diese Quellen müssen nachvollziehbar und überprüfbar sein.

Man unterscheidet drei Arten von Quellen:

Primärquellen bilden den Forschungsgegenstand einer wissenschaftlichen Arbeit, z.B. statistische Daten (etwa einer physikalischen Versuchsreihe), Archivmaterial, Alltagsgegenstände, Briefe und Tagebuchaufzeichnungen oder Werke der Literatur (etwa das Drama „Faust“ von Goethe).

Sekundärquellen sind wissenschaftliche Arbeiten über einen Forschungsgegenstand (etwa eine Arbeit über das Verhalten von Graugänsen oder über das Frauenbild in Goethes „Faust“).

Tertiärquellen erschließen Primär-, Sekundär- und auch Tertiärquellen, wie bspw. Lehrbuch, Lexikon, Nachschlagewerk, Literaturbericht. Lehrbücher fassen z.B. die Lehrmeinung zu einer Fachdisziplin zusammen, Nachschlagewerke geben einen Überblick über die jeweiligen Stichwörter, Überblicksartikel geben den aktuellen Wissensstand in einem Forschungsgebiet wieder. Auch bei jenen VWA, in welchen das Hauptaugenmerk auf empirisches Arbeiten (z.B. auf eigene Beobachtungen oder Versuche) oder auf eigene Analysen von Primärquellen (z.B. Originaldokumente) gelegt wird, muss mit wissenschaftlicher Literatur zum Thema gearbeitet werden, um die eigenen Untersuchungen in einen inhaltlichen Rahmen zu stellen und die Ergebnisse mit der wissenschaftlichen Literatur in Beziehung zu setzen.

1. Einstiegssuche

Eingangs verschafft man sich einen Überblick über das Thema. Erste Informationsquellen sind Lexika, Nachschlagewerke (Buch und Internet) und Lehrbücher, populärwissenschaftliche Zeitschriften … So kann man das Themenfeld gut überschauen und erhält in Literaturverzeichnissen Hinweise auf wichtige Literatur.

2. Suche in Freihandbibliotheken (Bibliotheken mit frei zugänglicher Aufstellung von Medien)
In Schulbibliotheken oder städtischen Büchereien kann oft mit wenig Aufwand auf Fachliteratur zum gewählten Thema zugegriffen werden.

3. Gezielte Suche in Bibliothekskatalogen und mittels Suchmaschinen:

Meist wird aber notwendig sein, gezielt nach Literatur zu suchen. Voraussetzung dafür ist, nach einer genauen Analyse zielführende Suchbegriffe festzulegen, mittels derer recherchiert wird.  Dazu dienen Online-Verzeichnisse:

Literatur bewerten

Die erste Entscheidung über in Frage kommende Literatur kann bereits bei der Recherche im Internet oder in den fachspezifischen Datenbanken getroffen werden, indem folgende Fragen gestellt werden:

Wer ist der Autor/die Autorin?
Haben die Autor/inn/en eine wissenschaftliche Ausbildung (akademische Titel)? Arbeiten die Autor/inn/en in einer wissenschaftlichen Institution wie Universitäten oder Forschungsinstituten?
Werden sie bzw. ihre Werke in anderen (guten) Werken zitiert? Hintergrundinformationen zum Autor/zur Autorin, die man  über eine Internetsuchmaschine wie beispielsweise Google erhält, können hilfreich sein.

In welchem Verlag erscheint die Publikation?
Ist der Verlag bekannt für hochwertige bzw. wissenschaftliche Publikationen? Zur Beantwortung dieser Frage reicht eine kurze Internetrecherche, die Nachfrage bei der Betreuungsperson oder der Schulbibliothekarin/dem Schulbibliothekar.

Die Frage nach AutorIn und Verlag ist speziell im Rahmen der VWA besonders wichtig, da hier auch populärwissenschaftliche Literatur verwendet werden darf. In qualitativ hochwertigen populärwissenschaftlichen Zeitschriften (etwa Spektrum der Wissenschaft, GEO Epoche/Wissen/Kompakt, National Geographic, Psychologie heute) sind Artikel namentlich gezeichnet, sodass Informationen über den Autor/die Autorin eingeholt werden können. Populärwissenschaftliche Fachzeitschriften erscheinen (fast) ausschließlich in renommierten Verlagen.

Wie aktuell ist die Publikation?
Grundsätzlich sollte man möglichst aktuelle Literatur verwenden, da in ihr der aktuelle Forschungsstand abgebildet ist. Gleichzeitig gibt es oft auch „Klassiker“, auf die man beim Lesen der Literatur sehr bald stößt.

Ist diese Publikation für mich überhaupt relevant?
Klappentext und Inhaltsverzeichnis geben eine grobe Auskunft über die Inhalte eines Buches. Bei neueren Büchern kann man häufig bereits im Internet die Einleitung, das Inhaltsverzeichnis oder einzelne Kapitel einsehen, z.B. auf den Seiten des Verlages, bei Google books, Amazon etc.

Gibt es Literaturverweise und eine Literaturverzeichnis?
Wissenschaftliche Quellen müssen belegt und somit nachvollziehbar sein. Sie enthalten Zitierungen im Text (mit Fußnoten) sowie ein Literaturverzeichnis mit vollständigen Angaben. Auch Bildmaterial, Grafiken und Tabellen müssen mit Quellennachweisen versehen sein.  Jede zitierte Literatur muss öffentlich zugänglich sein.

Sachlichkeit/Objektivität
Formal erkennt man wissenschaftliche Literatur an der Verwendung von Fachsprache und sachlichen Formulierungen. Die inhaltliche Prüfung der Seriosität ist oft schwieriger. Man kann dazu folgenden Fragen nachgehen: Welchen Standpunkt vertritt der Autor/die Autorin? Ist die Publikation im Auftrag einer Firma oder einer Organisation entstanden, die eine bestimmte Philosophie verfolgt? Ist der Artikel in einem Magazin mit spezieller redaktioneller Ausrichtung veröffentlicht?

Literatur zu Recherche und Bewertung:
Niedermair, Klaus: Quellen recherchieren und dokumentieren. In:  Hug, Theo/Miedermair, Klaus (Hg.): Wissenschaftliches Arbeiten. Handreichung. https://www.uibk.ac.at/medien-kommunikation/studium/wissenschaftliches-arbeiten/biwi_handreichung-wiss-arbeiten_3aufl.pdf [Zugriff: 16.7.2019]
Universitätsbibliothek Ruhr Universität Bochum: Kritische Evaluation von Literatur. O.J. http://www.ub.ruhr-uni-bochum.de/digibib/Seminar/Literaturevaluation.html [Zugriff: 16.7.2019)
Boeglin, Martha(2012): 2. Auflage. Wissenschaftlich arbeiten Schritt für Schritt. Gelassen und effektiv studieren. Wilhelm Fink –München.

Internetquellen bewerten

Im World Wide Web steht eine Vielzahl von Informationen in Form verschiedener Ressourcen (Websites, Online-Artikel, weiterführende Links, Bilder, Fotos, Filme, Newsgroup-Eintragungen, Chatrooms, etc.) zur Verfügung. Aufgrund der Vielfalt und der divergierenden Qualität der verfügbaren Informationen ist es wichtig, quellenkritisch zu recherchieren und die zur Verfügung gestellten Inhalte zu prüfen und nicht kritiklos als korrekt anzunehmen. Das bedeutet zu hinterfragen, wer zu welchem Zweck was wann über welche Institution im Internet veröffentlicht hat.

Anmerkung: Quellenkritik ist natürlich auch bei Printpublikationen notwendig. In Büchern und Printmedien überprüfen jedoch Verlage die Inhalte ihrer Publikationen, die Seriosität eines Verlages bietet also eine gewisse Garantie für die Qualität von Zeitschriftenartikeln und Buchinhalten. Dies ist im Online-Bereich in einem viel geringeren Ausmaß der Fall.
Um die geforderte Quellenkritik im Internet zu strukturieren, wurden die sogenannten CARS-Kriterien formuliert, die helfen, eine Website quellenkritisch zu untersuchen. Diese werden wie folgt auf Informationen im Internet angewandt:

  • Credibility – Glaubwürdigkeit einer Online-Ressource
    Um die Inhalte einer im Internet aufzufindenden Information zu prüfen, kann/soll auf der Website oder in den Online-Dokumenten nach einer Autor/nn/en-Angabe gesucht werden. Ist diese vorhanden, so kann die Vertrauenswürdigkeit der Person (hinsichtlich Bildung, Organisationszugehörigkeit und beruflicher Position) überprüft werden. Auch Institutionen können Autor/inn/en sein (z.B. die Umweltorganisation Greenpeace). Je umfangreicher die Informationen zu den Internetressourcen und zu den Autor/inn/en, desto vertrauenswürdiger die Quelle. Sind Autor/inn/en auf einer Website genannt, so sind diese auch beim Zitieren der Quellen zu nennen.
     
  • Accuracy – Genauigkeit der Informationen
    Um die Genauigkeit einer Information im Internet zu prüfen, kann nach der genauen Datumsangabe hinsichtlich der Aktualisierung der Information gesucht werden. Auch sollte das Ausmaß und eine gewisse Vollständigkeit der berücksichtigten Quellen sowie Zielpublikum und Zweck der Veröffentlichung beachtet werden. Es ist wichtig, aktuelle und gültige Informationen aus dem WWW zu beziehen. Dies wird von vielen Websites nicht gewährleistet. Deshalb ist hier Achtsamkeit angeraten.
     
  • Reasonableness – Angemessenheit und Vernünftigkeit
    Da es allen Menschen, die Zugang zu den entsprechenden technischen Hilfsmitteln besitzen, möglich ist, Informationen ins WWW zu stellen, sind auch die Texte von sehr unterschiedlicher Qualität und Seriosität. In diesem Sinne sind Informationen aus dem Internet auf ihre Ausgewogenheit, Objektivität und Fairness der Argumentation sowie auf Widerspruchsfreiheit der Information hin zu prüfen.
     
  • Support – Belege und Unterstützung
    Eine vertrauenswürdige Online-Ressource verweist auf Belege (bibliographische Angaben, weiterführende Hinweise). Ein weiteres wichtiges Merkmal ist eine vorhandene Kontaktinformation (meist Email-Adresse) zu jenen Personen, die die entsprechende Website betreut (sog. Webmaster). Diese Personen können angeschrieben werden, wenn es Fragen zu den Ressourcen gibt, die z.B. für eine VWA verwendet werden sollen. Sie gewährleisten Transparenz und Verantwortung in Bezug auf die online gestellten Informationen.

Achtung: Sehr oft werden Fehlinformationen ins Netz gestellt, die im Erscheinungsbild ganz bewusst seriösen Informationen nachempfunden sind!

Hilfreiche Links zur Bewertung von Onlinequellen:
Verein Safer Internet. „Wahr oder falsch im Internet?  Informationskompetenz in der digitalen Welt“. https://www.saferinternet.at/services/broschuerenservice/?categories=17 [Zugriff: 20.5.2019].

Handschack, Sandra/ Müller, Sandra/ Randt, Linda, Rietdorf, Claudia: Handbuch zur Recherche. Tipps und Tricks zur Informationssuche in konventionellen Informationsmitteln und im Internet. Fachhochschule Hannover, 2006. https://files.infokompetenz.de/Recherchehandbuch.pdf [Zugriff: 20.5.2019].

Spengler-Amesberger, Elke/ Wozelka, Rainer: Checkliste Internetquellen. https://eeducation.at/fileadmin/etapas_upload/Internetquellen_Checkliste_1434659499.pdf [Zugriff: 20.5.2019].

Im Rahmen eines Projekts des Bundeszentrums LITERACY:AHS in Kooperation mit der Digitalen Bibliothek der Arbeiterkammer steht ab sofort allen LehrerInnen und SchülerInnen an AHS bundesweit ein breit gefächertes Angebot von derzeit etwa 250 E-Books zur VWA kostenlos zur Verfügung.

  • Die Medien können von einer unbeschränkten Anzahl an LeserInnen gleichzeitig genutzt werden.
  • Sie können am PC, am iPad sowie auf den gängigen E-Book-Readern (mit Ausnahme von Kindle) verwendet werden.
  • Es können bis zu acht Medien für einen Zeitraum von 14 Tagen entlehnt/heruntergeladen werden.

Neben dieser Sammlung zur VWA steht nach der Anmeldung zusätzlich das gesamte Angebot der Digitalen Bibliothek der Arbeiterkammer zur Verfügung. Diese Bücher unterliegen entweder der sogenannten A-Lizenz, die immer nur eine Nutzung erlaubt, oder wie bei der Spezialbibliothek zur VWA ebenfalls der uneingeschränkten B-Lizenz-Nutzung.

Sammlung VWA
https://www.arbeiterkammer.at/service/digitalebibliothek/eBooks_fuer_SchuelerInnen.html

Registrierung
Anmeldeformular unter Lesekarte | Arbeiterkammer Wien (bzw. nach Aufruf von ak.ciando.com den Button bei Anmelden anklicken).
➜ LOGIN und PASSWORT notieren!

  • Mit der Registrierung wird ein 14-tägiger Testzugang eingerichtet. Die Modalitäten für die permanente Freischaltung sind bundeslandspezifisch und werden in einem Begrüßungsmail unmittelbar nach der Registrierung zugeschickt.
  • Bei Nutzern der Sammlung VWA im Rahmen der Betreuung oder Erstellung einer vor-wissenschaftlichen Arbeit sind keine weiteren Schritte erforderlich.
  • Die AK-Bibliothek überprüft die Nutzungsberechtigung und schaltet die Nutzung anschließend automatisch bis zum 30. September des folgenden Jahres frei.
  • Sollte die vorwissenschaftliche Arbeit zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen sein, verlängert sich die Berechtigung automatisch um ein weiteres Jahr.

Voraussetzungen
Für das Lesen am PC kann man zwischen zwei Optionen wählen: Entweder man liest das Buch online am Bildschirm oder man lädt es auf den eigenen PC herunter. Um ein E-Book herunterladen zu können, muss der kostenlose E-Bookreader Adobe Digital Editions installiert sein. Die Möglichkeit zum Download dieses Readers wird beim Verleihvorgang angezeigt.

Der genderATlas für die Schule ist ein Projekt der Universität Wien, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung. Das Projekt basiert auf dem genderATlas, einer Plattform zur Visualisierung und Bereitstellung von Daten, Indikatoren und Informationen zu den lebensweltlichen Realitäten von Frauen und Männern in Österreich, einem vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie teilgeförderten Projekt der Forschungsgruppe Kartographie (TU Wien), dem Institut für Geographie und Regionalforschung (Uni Wien) und der ÖIR Projekthaus GmbH.

Der genderATlas für die Schule will forschendes Lernen und empirisches Arbeiten fördern. Für die Nutzung in Schulen und durch Schülerinnen und Schüler wurden neun Beiträge so aufbereitet, dass eigenständiges Forschen angeregt und ermöglicht wird.

Der genderATlas für die Schule bietet einerseits Zahlenmaterial, andererseits methodische Anregungen und Anleitungen für Schülerinnen und Schüler auch in Zusammenhang mit der VWA: Vorgestellt werden die Methoden Kritische Recherche, Spurensuche, qualitative Interviews, Kurzbefragung, Online-Befragung, Medienanalyse, Arbeiten mit Statistiken, Datenaufbereitung für Kartendarstellungen, Erstellung von Flächenkarten mit MyMap, Arbeiten mit Diagrammen sowie Punktkarten und Analysen mit ArcGIS Online.

Zusätzlich bietet der genderATlas Hinweise zu weiterführender Literatur und Links zu verwandten Themen.

Zur Nutzung des genderATlas speziell für die VWA bietet die Seite ein Tutorial.

Einordnung der Methode in die empirische Forschung

Die quantitative Befragung ist eine Form der empirischen Forschung. Darunter wird die systematische (d.h. strukturierte und nachvollziehbare) Erhebung, Auswertung und Interpretation von Daten unter Anwendung von wissenschaftlichen Methoden verstanden. Diese Vorgehensweise ermöglicht Aussagen über die Wirklichkeit, in der wir leben (Hug und Poscheschnik 2015).

Jegliche Form der empirischen Forschung ist in einem Forschungsprozess eingebettet. Ausgehend von einem gewählten Forschungsgebiet erfolgt die Suche nach relevanter Literatur. Die genauere Auseinandersetzung mit der Literatur schafft die Basis für die Entscheidung für ein umgrenzteres Forschungsthema und die Identifikation einer bzw. einiger Forschungsfragen. Die weiteren Schritte des Forschungsprozesses (Bortz und Döring, 2002), die im Rahmen einer VWA zu setzen sind, umfassen:

  • Entwickeln eines Plans für die Untersuchung: Die Wahl der Forschungsmethode sollte sich immer nach dem Ziel der Forschung, dem Forschungsgegenstand sowie der Forschungsfrage richten. Wichtig für die VWA: Die Wahl der Arbeitsweise sollte sich immer nach der zu untersuchenden Themenstellung sowie der Fragestellung richten.
  • Sammeln von Daten, Ziehen einer Stichprobe (Auswahl an Personen oder Objekten, die stellvertretend für eine zu untersuchende Gesamtheit Auskunft gibt)
  • Auswerten der Daten
  • Berichten der Ergebnisse

Diese werden in weiterer Folge genauer beschrieben.

Entwickeln eines Plans für die Untersuchung

Das Ziel der quantitativen Datenerhebung ist es, einen Ausschnitt aus der Wirklichkeit zu quantifizieren. Unter die quantitativen Methoden der Datenerhebung fallen Befragen, Beobachten sowie die Durchführung von physiologischen Messungen, wie beispielsweise Elektrokardiogramm(Bortz und Döring, 2002). Die weiteren Ausführungen beziehen sich ausschließlich auf Befragungen mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens.

Die quantitative Befragung ist nach Schätzungen die in den empirischen Sozialwissenschaften am häufigsten eingesetzte Methode. Im Rahmen dieser Befragung werden Teilnehmende gebeten, einen von Forscher*innen entwickelten Fragebogen auszufüllen, bei dem die Antwortkategorien auf die Fragen bereits vorgegeben sind.

Bei der Planung einer Untersuchung sind folgende Punkte festzulegen:

  • Entscheidung über das Design der Befragung: Soll es eine Querschnittbefragung (Teilnehmer*innen werden nur einmal befragt) oder eine Längsschnittbefragung (Teilnehmer*innen werden mehrmals befragt) sein?
  • Erhebungsmethode: Soll die Erhebung über einen Papier-Bleistift-Fragebogen, Face-to-Face, über Telefon oder über einen Online-Fragebogen erfolgen?
  • Operationalisierung der relevanten Begriffe: Alle in der Befragung relevanten Begriffe müssen definiert und operationalisiert werden. Das bedeutet, dass ausgehend von der Literatur ausführliche Definitionen für die zu erhebenden Untersuchungsgegenstände vorliegen sollten (z.B.: Definition für körperliche Aktivität) und eine klare Vorstellung bestehen sollte, wie diese in Form eines Fragebogens erfasst werden können.

Entwickeln des Fragebogens

Im Folgenden wird die Entwicklung eines Fragebogens im Überblick beschrieben. Weitere Hinweise dazu finden Sie in der am Ende des Dokuments angegebenen Literatur.

Schritt 1: Festlegen der Inhalte des Fragebogens:

In einem ersten Brainstorming (eventuell auch mit mehreren Personen) sollen die relevanten Themen stichwortartig festgehalten werden. Diese Liste soll auch durch Inhalte aus der Literatur ergänzt werden und insbesondere die gängigen Definitionen der Untersuchungsgegenstände berücksichtigen. Im Laufe der Entwicklung des Fragebogens soll immer wieder anhand der Liste überprüft werden, ob bereits zu allen aufgelisteten Themen Fragen identifiziert werden konnten oder formuliert wurden.

Schritt 2: Recherche von bereits entwickelten Fragebögen

In einem weiteren Schritt empfiehlt es sich, im Internet nach bereits publizierten Fragebögen zum ausgewählten Thema zu recherchieren. In vielen Fällen gibt es bereits entwickelte Fragebögen zum gewählten Thema und eventuell müssen lediglich einige Zusatzfragen von den Schüler*innen entwickelt werden:

Schritt 3: Entwickeln von Items

Falls keine relevanten bereits publizierten Instrumente identifiziert werden können, ist das Entwickeln eines eigenen Fragebogens erforderlich. Die Erstellung eines eigenen Fragebogens ist sehr aufwändig, erfordert Genauigkeit und Liebe zum Detail. Bei der Entwicklung einzelner Items (einzelne Fragen im Fragebogen) sind unter anderem folgende Hinweise zu berücksichtigen (Kallus, 2016):

  • Enthält jedes Item nur eine Aussage? Wenn Items mehrere Aspekte beinhalten (z.B.: Ich gehe gerne in die Schule und freue mich auf meine Mitschüler*innen), können sie nicht eindeutig beantwortet werden.
  • Ist das Sprachniveau für die Zielgruppe der Befragung passend? Die Items sollten leicht verständlich und einfach formuliert sein.
  • Sind die Antwortkategorien passend für die Aussage? Zu dem Satz „Meistens gehe ich gerne schwimmen“ sind die Antwortkategorien von 1 „nie“ bis 5 „häufig“ nicht stimmend.
  • Sind die Aussagen neutral formuliert? Suggestivfragen und besonders wertende Fragen sollten vermieden werden.
  • Doppelte Verneinungen stiften Verwirrung und sollten in Aussagen vermieden werden (z. B.: „Es ist nicht gut, wenn ich kein Obst und Gemüse esse“).

Die Mehrheit der Fragen in einem Fragebogen verwenden ein geschlossenes Fragenformat, das bedeutet, dass sowohl die Fragen bzw. Aussagen als auch die Antwortkategorien vorgegeben werden. Es kann zwischen folgenden Fragetypen unterschieden werden (DATAtab, 2021):

 

Fragen mit Mehrfachantworten:

Aus welchem Grund bzw. aus welchen Gründen verreisen Sie im Urlaub?

  • zur Erholung
  • um Neues kennenzulernen
  • um Sprachkenntnisse zu vertiefen
  • zur sportlichen Betätigung
  • um das Leben zu genießen
 

Ranking-Frage

Welche der folgenden Probleme stellen für Sie die wichtigsten dar? Bitte reihen Sie diese von „1“ „am wichtigsten“ zu „6“ „am unwichtigsten“.

  • Wirtschaftskrise
  • Lebensmittelverschwendung
  • Krieg
  • Umweltzerstörung
  • Depression
  • Armut
 

Fragen mit
Einfachantworten

An wie vielen Tagen in der letzten Woche haben Sie sich so intensiv bewegt, dass Sie ins Schwitzen gekommen sind?

  • nie
  • einmal
  • zweimal
  • dreimal
  • viermal
  • fünfmal
  • sechsmal
  • siebenmal
 

 

Fragen mit Einfachantworten eignen sich, um den Grad der Zustimmung oder Ablehnung zu messen („1“ „stimme völlig zu“, „2“ „stimme eher zu“, „3“ „stimme teilweise zu“, „4“ „stimme eher nicht zu“, „5“ „stimme überhaupt nicht zu“). Alternativ können auch andere Antwortkategorien verwendet werden:

  • stimme zu, stimme eher zu, lehne eher ab, lehne gänzlich ab
  • trifft zu, trifft eher zu, trifft eher nicht zu, trifft nicht zu
  • wichtig, eher wichtig, eher unwichtig, unwichtig

Bei einem offenen Antwortformat können die Teilnehmer*innen ihre Antworten frei ergänzen. Dies bedeutet, dass die Antworten von den Forscher*innen (Schüler*innen im Rahmen der vorwissenschaftlichen Arbeit) im Anschluss kategorisiert werden müssen. Das bedeutet, dass in einem ersten Schritt alle Antworten der Teilnehmer*innen durchgelesen werden, dann werden ähnliche Aussagen bzw. Nennungen zu Gruppen zusammengefasst und mit einer Überkategorie bezeichnet. Am besten werden diese Einträge in einem Excel-Dokument bearbeitet, um später auch die Aussagen quantifizieren zu können.

Wichtig ist weiters zu überlegen, welche soziodemographischen Kategorien erhoben werden sollen. Üblich sind Alter, Geschlecht, höchste abgeschlossene Ausbildung. Ein Blick in den Fragenkatalog der Statistik Austria (Link siehe „Publizierte Fragebögen als Anregung“) lohnt sich, um geeignete Formulierungen für Fragen und Antwortkategorien zu identifizieren. Es sollten jeweils nur die soziodemographischen Variablen abgefragt werden, die für die Beschreibung der Stichprobe oder für Gruppenauswertungen relevant sind.

Schritt 4: Testen und Überarbeiten des Fragebogens

Auch im Rahmen einer VWA empfiehlt es sich, Rückmeldungen zum Fragebogen von Personen einzuholen, die im Idealfall mit der Fragebogenentwicklung vertraut sind und kritisch die Fragen und Antwortkategorien durcharbeiten. Besonders hilfreich ist es auch, einige Personen der Zielgruppe vorab zu bitten, den Fragebogen auszufüllen und dabei „laut zu denken“, welche Gedanken ihnen bei der Beantwortung des Fragebogens durch den Kopf gehen. Auf diese Art und Weise kann man erkennen, ob einzelne Items wie beabsichtigt verstanden werden (Schnell, 2016). Diese Rückmeldungen sollten anschließend bei der Überarbeitung des Fragebogens berücksichtigt werden.

Üblicherweise wird der Fragebogen in einem weiteren Schritt an einer ersten kleinen Stichprobe unter Realbedingungen getestet. Die erhobenen Daten sollen dazu dienen, eine erste Itemanalyse durchzuführen, um schwierig zu beantwortende Items zu identifizieren. Auf diesen Schritt kann im Rahmen einer VWA verzichtet werden. Im Rahmen der Diskussion der Methoden sollte darauf hingewiesen werden, dass Reliabilität und Validität des Fragebogens nicht bestimmt wurden.

Schritt 5: Verfassen eines Informationsschreibens zur Anleitung für das Ausfüllen des Fragebogens

Eine Einleitung zum Fragebogen ist auch im Rahmen einer VWA erforderlich und sollte folgende Punkte beinhalten:

  • Thema und Ziel der Befragung
  • Kontaktdaten der Forscher*innen bzw. Schüler*innen
  • Verwendungszweck der Ergebnisse
  • Veröffentlichung der Ergebnisse (wenn geplant)
  • Gewährleistung der Anonymität der Daten (inkl. Hinweis, dass die Daten aggregiert ausgewertet werden, d. h.: die Daten sind nicht mehr auf die einzelne Person zurückführbar) sowie Einhalten der Regelungen des Datenschutzes
  • Vorgehensweise bei der Befragung (Rücksendedatum und Hinweise zur Rücksendung, falls es sich um einen Papier-Bleistift-Fragebogen handelt, wie sollen Fragen beantwortet werden [ankreuzen, anklicken], Reduktion der sozialen Erwünschtheit [„es gibt keine richtigen oder falschen Antworten“], Dauer der Teilnahme an der Befragung)

Sammeln von Daten, Ziehen einer Stichprobe

Das Ziel einer Befragung ist es, Aussagen über eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu treffen. Diese Bevölkerungsgruppe stellt die Grundgesamtheit oder auch Population dar. Beispielsweise wird in Österreich und einigen anderen Ländern die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten von österreichischen Schüler*innen der 5., 7., 9. und 11. Schulstufe untersucht. Würden nun alle Schüler*innen der 5. und 7. Schulstufe an der Befragung teilnehmen, würde es sich um eine Vollerhebung handeln. Da dies oft nicht erforderlich ist und mit einem großen Aufwand verbunden ist, werden häufig Stichproben gezogen. Eine Auswahl aus der Grundgesamtheit bildet eine Stichprobe.

Von einer repräsentativen Stichprobe wird dann gesprochen, wenn die gezogene Stichprobe ein Abbild der Grundgesamtheit darstellt. Dies ermöglicht innerhalb bestimmter Schwankungsbreiten die Ergebnisse über Merkmale und Zusammenhänge in der Stichprobe auf die Grundgesamtheit in der Bevölkerung zu schließen. Um zu einer repräsentativen Stichprobe zu gelangen, ist es notwendig, eine Zufallsstichprobe zu ziehen. Dies bedeutet, dass alle Personen der Grundgesamtheit die gleiche Chance haben müssen, in die Stichprobe aufgenommen zu werden. Wenn eine willkürliche Auswahl der Teilnehmer*innen für die Stichprobe erfolgt, wird von einer Anfallsstichprobe gesprochen.

Die Stichprobengröße ist oft abhängig von den verfügbaren Ressourcen. Mit zunehmender Größe der Stichprobe werden die Befragungsergebnisse genauer.

Aufgrund der verfügbaren zeitlichen Ressourcen wird im Rahmen einer VWA oft nur eine Anfallsstichprobe rekrutiert werden. Wenn beispielsweise nur eine 7. Klasse einer AHS aus dem Umkreis der Schülerin bzw. des Schülers, die bzw. der die VWA schreibt, befragt wird, handelt es sich um eine Anfallsstichprobe. Es ist in der Diskussion notwendig, darauf hinzuweisen, dass die Ergebnisse daher nur für die Stichprobe, die befragt wurde (Schüler*innen einer Klasse der 7. Schulstufe einer AHS), jedoch nicht für die allgemeine Bevölkerung (alle Schüler*innen der 7. Schulstufe von allen AHS in Österreich) gelten.

Kontrolle des Rücklaufs

Es empfiehlt sich aus zweierlei Gründen zu dokumentieren, wie viele Fragebögen an welche Teilnehmer*innen versendet wurden. Erstens können so nach ca. zwei Wochen Erinnerungen versandt oder nachtelefoniert werden, um die Teilnahmeraten zu steigern. Zweitens ist die Zahl der eingeladenen Personen auch notwendig zu wissen, um die Teilnahmerate (Anzahl der Teilnehmenden an der Untersuchung/Anzahl der Personen in der Zielgruppe *100) zu berechnen.

Eingabe der Daten

Falls eine Papier-Bleistift-Befragung durchgeführt wurde, müssen die Daten in ein Datenverarbeitungsprogramm (z.B.: Excel) eingegeben werden. Dieser Schritt entfällt, falls die Daten online erhoben werden.

Auf einem nicht ausgefüllten Fragebogen sollen zuerst Kürzel für die einzelnen Fragen (beispielsweise Frage_1) eingetragen werden, so dass jeder Frage im Fragebogen ein Kürzel zugeordnet wird. In einem Tabellenblatt werden anschließend in den Spalten die Kürzel eingetragen. Pro Teilnehmer*in an der Befragung wird eine eigene Zeile angelegt. Die Fragebögen sollten mit einer laufenden Nummer versehen werden, die in der ersten Spalte der Tabelle eingetragen werden, um so nachvollziehen zu können, in welcher Zeile welche Teilnehmer*innen eingetragen wurden (siehe als Beispiel Tabelle 1).

Tabelle 1: Beispiel für eine Dateneingabemaske

Auswerten der Daten

Mit welchen statistischen Methoden die Auswertung erfolgen soll, sollte bereits im Rahmen der Entwicklung des Fragebogens überlegt werden (Erstellen eines Auswertungsplans). Dies hilft dabei, sich zu überlegen, in welcher Form die Fragen gestellt werden müssen oder ob noch weitere Fragen notwendig sind.

Der erste Schritt der Auswertung ist die Datenkontrolle. Handelt es sich um korrekte, plausible Antworten? Können alle Datensätze der jeweiligen Teilnehmer*innen verwendet werden? Gibt es bei manchen Items besonders viele fehlende Werte?

Der zweite Schritt besteht in der Beschreibung der Stichprobe mittels Häufigkeiten und Mittelwerten. Falls verfügbar können auch Vergleiche zur Grundgesamtheit gezogen werden, um eventuell Abweichungen von dieser hervorheben zu können (Einschränkungen in der Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse und Interpretation).

Der dritte Schritt fokussiert auf die Beantwortung der Fragestellung. Hier können Mittelwerte und Häufigkeiten, Zusammenhänge zwischen einzelnen Variablen und eventuell Unterschiede zwischen einzelnen Gruppen relevant sein.

Berichten der Methodik und Ergebnisse

Im Methodenteil der VWA sollte die Entwicklung des Fragebogens beschrieben werden bzw. auch die verwendeten bereits publizierten Fragebögen genannt werden. Zentral sind auch die Nennung der Grundgesamtheit sowie die Verwendung der statistischen Verfahren bei der Auswertung der Ergebnisse.

Im Ergebnisteil sollen die Charakteristika der Stichprobe beschrieben werden und auch die Rücklaufquote für die Befragung genannt werden.

Die Ergebnisse zur Beantwortung der Fragestellung der VWA sollen ebenfalls im Ergebnisteil beschrieben werden.

Die Ergebnisse selbst können in Form von Tabellen oder aber auch von Abbildungen dargestellt werden. Sowohl Tabellen als auch Abbildungen benötigen einen aussagekräftigen Titel, den Hinweis auf die Stichprobengröße und die Benennung der Kategorien (Schreibportal, 2021). Darüber hinaus sollten die wichtigsten Ergebnisse beschrieben werden.

Sowohl Balkendiagramme (Abbildung 1) als auch Säulendiagramme (Abbildung 2) können für die Darstellung der Ergebnisse verwendet werden. Bei Ergebnissen von quantitativen Befragungen ist es notwendig, jeweils die Stichprobengröße (wird mit „n“ abgekürzt“), auf der die Daten in der Abbildung beruhen, zu nennen.

Abbildung 1: Beispielabbildung für ein Balkendiagramm, n=127

Abbildung 2: Beispielabbildung für ein Säulendiagramm

Gütekriterien eines Messinstruments (quantitative Erhebung)

An die quantitative empirische Forschung und in deren Rahmen angewandten Erhebungsmethoden (auch genannt Messinstrumente) werden spezifische Anforderungen gestellt, um die Qualität des Forschungsprozesses sicher zu stellen. Diese lassen sich nach Bortz und Döring (2002) folgendermaßen beschreiben:

Objektivität: Gelten die Forschungsergebnisse unabhängig von der forschenden Person? Die Antworten der Teilnehmenden einer Befragung, aber auch die Auswertung und die Interpretation der Ergebnisse sollen von der forschenden Person unbeeinflusst bleiben.

Reliabilität: Die Reliabilität eines Messinstruments gibt den Grad der Genauigkeit wieder, mit der ein Merkmal gemessen wird. Dies bedeutet auch, dass eine wiederholte Studie unter gleichen Bedingungen zu denselben Ergebnissen kommen sollte.

Validität: Die Validität spiegelt wider, wie gut ein Messinstrument auch tatsächlich das misst, was es zu messen vorgibt. Beschreiben die Inhalte der Messitems (einzelne Fragen) den untersuchten Gegenstand?

 

Publizierte Fragebögen als Anregung

Europäische Schüler*innenstudie zu Alkohol und anderen Drogen: https://www.ift.de/fileadmin/user_upload/forschungsbereiche/Epidemiologie_und_Diagnostik/ESPAD_Schuelerfragebogen_2019_Ansicht.pdf [08.06.2021]

Gesundheit und Gesundheitsverhalten von österreichischen Schülerinnen und Schülern (die Fragebögen sind in den Itemboxen angeführt). https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Kinder--und-Jugendgesundheit/HBSC.html [08.06.2021]

Mikrozensusbefragung der Statistik Austria: https://www.statistik.at/web_de/frageboegen/private_haushalte/mikrozensus/index.html [20.06.2021)

Tools zum Aufsetzen von Online-Befragungen

Um mehr Personen einfach und kostengünstig erreichen zu können, empfiehlt sich die Durchführung einer Online-Befragung. Hierfür können Gratisversionen (oftmals verbunden mit Einschränkungen hinsichtlich der Anzahl der Fragen oder der Teilnehmer*innen) verwendet werden. Beispiele für Gratisversionen sind:

https://www.google.com/intl/de_at/forms/about/ [08.06.2021].

https://www.lamapoll.de/Lizenz/Studenten [08.06.2021].

https://www.survio.com/de/ [08.06.2021].

https://www.2ask.com [08.06.2021]. (30 Tage Trial)

 

Verwendete Literatur

Bortz, J. und Döring, N. (2002). Forschungsmethoden und Evaluation: für Human- und Sozialwissenschaftler. 3. Aufl., Berlin: Springer.

DATATab. Fragebogendesign. URL: https://datatab.at/tutorial/fragebogendesign [08.05.2021].

Diekmann, A. (2016). Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. 10. Aufl., Hamburg: Rowohlt.

Hug, T. und Poscheschnik, G. (2015). Empirisch forschen. Die Planung und Umsetzung von Projekten im Studium. 2. Aufl., Konstanz: Huter & Roth.

Kallus, W. (2016). Erstellung von Fragebogen. 2. Aufl., Stuttgart: UTB.

Schnell, C. (2016). „Lautes Denken“ als qualitative Methode zur Untersuchung der Validität von Testitems. Erkenntnisse einer Studie zur Diagnose des ökonomischen Fachwissens von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I. Zeitschrift für ökonomische Bildung, Heft 5, S. 26-49. URL: https://www.zfoeb.de/2016_5/2016-5_schnell_lautes_denken.pdf) [08.05.2021].

Schreibportal, Universität Leipzig (2021). Tabellen und Abbildungen. URL: https://home.uni-leipzig.de/schreibportal/tabellen-grafiken/ [08.05.2021].

Warum ein Interview führen?

Wenn wir die Stimmen von Menschen hören, die über persönliche Erfahrungen berichten, wird Geschichte lebendig. Das ist die große Qualität von Interviews. Sie können die historischen Arbeiten bereichern und ergänzen. Zu beachten ist dabei, dass die Erzählungen und Erinnerungen der Interviewten persönlich gefärbt, manchmal „verfärbt“ sind. Sie erzählen nicht die Geschichte, sondern ihre Geschichte.

Ein Interview zu planen, zu führen und auszuwerten ist sehr zeitaufwändig. Deshalb ist es wichtig, sich vorab folgende Frage zu stellen:

  • Warum möchte ich ein Interview führen?
  • Was sind meine Ziele?
  • Inwiefern soll das Interview in die Arbeit einfließen?
  • Was erfahre ich durch das Interview, das ich durch andere Quellen nicht erfahre?

Wie werden Interviews vorbereitet?

1. Auswahl von Interviewperson(en)

Bei der Auswahl von Interviewperson(en) sollten folgende Fragen berücksichtigt werden:

  • Wie viele Interviews möchte ich führen?
  • Soll es vor allem um die Lebensgeschichte eines Menschen gehen, die in der Arbeit dargestellt wird? Oder möchte ich mehrere Menschen zu einem Thema befragen, um zu aussagekräftigen Schlüssen zu gelangen?
  • Wie komme ich zu Menschen, die zu „meinem“ Thema über persönliche Erfahrungen berichten können? (Über Bekannte? Über einen Aufruf in einer Zeitung?, …)

2. Vorgespräch mit Interviewperson(en)

Das Vorgespräch ist von aus zwei Gründen von großer Bedeutung: Einerseits erfährt die Interviewperson das genaue Thema der Arbeit und welches Ziel der/die Interviewerin mit dem Interview verfolgt, andererseits wird sie darüber informiert, was von ihr erwartet wird.

Inhalte des Vorgesprächs sind dementsprechend:

  • Die Interviewperson(en) werden gebeten, dass sie sich ausreichend Zeit für das Gespräch nehmen.
  • Sie werden gefragt, welche Fragen sie zum Interview haben, was sie gerne wissen möchten.
  • Es wird gemeinsam geklärt, wo das Interview genau stattfinden wird.
  • Sie werden darüber informiert, dass das Gespräch aufgezeichnet wird.
  • Sie werden darüber informiert, dass sie eine „Rechtevereinbarung“ unterschreiben werden, die die Verwendung des Interviews regelt. Sie haben hier auch die Möglichkeit, Passagen des Gespräches, die nicht veröffentlicht werden sollen, auszunehmen.

3. Inhaltliche Vorbereitung zum Thema des Interviews

Wie jedes Interview darf auch das Zeitzeugeninterview nicht dazu dienen, Dinge zu erfragen, die in der Literatur gut abgebildet sind. Zur inhaltlichen Vorbereitung gehört also das Einlesen in den spezifischen Themenbereich.

Darüber hinaus sollte geklärt werden, ob man in Archiven (Stadt-, Landes-, Gemeindearchiv, Pfarrarchiv, …) historische Dokumente oder Fotos zum Thema einsehen kann.

4. Leitfaden vorbereiten

Auch beim Zeitzeuginneninterview sind die allgemein gültigen Kriterien für einen Interviewleitfaden zu beachten:

  • Es ist wichtig, auf offene Fragen zu achten, die das Erzählen fördern, also z.B. „Welche Erinnerungen haben Sie an das Ereignis xx“ statt „Erinnern Sie sich noch an das Ereignis xx“, wo nur mit „Ja“ oder „Nein“ geantwortet wird.
  • Themencluster bilden, z.B. Kindheit, Beruf, Familie, Hobbies, historisches Thema, etc., und die Fragen dann inhaltlich entsprechend gruppieren.
  • Als Einstieg sollten Fragen gestellt werden, die eher positive Erinnerungen hervorrufen (z.B. nach schönen Kindheitserinnerungen, oder nach dem beruflichen Lebensweg, …) erst später solche, die auf das Erzählen von schwierigen Erfahrungen abzielen.
  • Je konkreter die Frage, desto kürzer und prägnanter die Antwort. Je offener die Frage, desto mehr lädt sie zum Erzählen ein. Welche Frageform gewählt wird, hängt vom Ziel des Interviews ab.

5. Überlegungen zum Setting des Interviews

Wichtig ist bei der Ortswahl darauf zu achten, dass dort über einen längeren Zeitraum ungestört und in Ruhe gesprochen werden kann. Dann sollte geklärt werden, ob noch jemand beim Interview dabei sein wird (z.B. Ehepartner/in, Kind, …)

Ein Vorteil könnte sein, dass die Anwesenheit einer vertrauten Person dem/der Interviewten Sicherheit gibt und so die Gesprächsatmosphäre gefördert werden kann.

Nachteil: Es wird eventuell nicht alles erzählt, um die Anwesenden zu schützen. Ein weiterer Nachteil könnte sein, dass sich diese ins Gespräch einmischen und somit den Erzählfluss stören.

6. Technische Vorbereitung

Bei der Festlegung sind mehrere Fragen zu klären:

  • In welcher Tonqualität soll das Interview aufgezeichnet werden? Ist es nur für mich und meine Arbeit wichtig? Oder könnte es später an ein Archiv übergeben werden? Soll es auch über die Arbeit hinausgehend Verwendung finden (z.B. jemandem Ausschnitte daraus vorspielen, …)
  • Mit welchem Gerät wird das Interview aufgezeichnet? Bin ich mit dem Gerät ausreichend vertraut? Habe ich das Aufnehmen ausprobiert?
  • Gibt es am Interviewort Möglichkeiten zum Aufladen des Aufnahmegerätes, falls Bedarf besteht?

 

Wie werden Interviews durchgeführt?

1. Einstimmen

Vor Beginn des Interviews werden noch einmal die Rahmenbedingungen (er-/ge)klärt: geschätzte Dauer, was tun bei Unterbrechungen (z.B. Telefon läutet). Die Interviewperson wird darauf hingewiesen, dass er/sie das Gespräch jederzeit pausieren und auch abbrechen kann (wenn es z.B. um ein sehr emotionales Thema geht, wenn er/sie müde wird, …). Oft beginnen die Interviewpersonen beim „Warmplaudern“ schon damit, über ihre Erfahrungen zu berichten. Den Erzählenden hier zu stoppen und zu bitten, auf die Aufnahme zu warten, erzeugt eine künstliche Gesprächssituation und bremst den Erzählfluss. Deshalb ist es besser, das in dieser Phase Erzählte danach in einem Gedächtnisprotokoll zu erfassen.

2. Beginn

Zu Beginn der Aufnahme nennt der/die Interviewer/in das Datum, den Interviewort, den Namen der Interviewperson und den eigenen Namen. Erst danach wird die Eröffnungsfrage gestellt.

3. Dauer, Pausen

Die Dauer von Interviews variiert prinzipiell stark und hängt u.a. sehr vom Erzählstil der Interviewperson ab. Lebensgeschichtliche Interviews dauern erfahrungsgemäß wesentlich länger (mind. 1,5 Stunden, nach oben offen) als thematische Interviews, bei denen es um ein bestimmtes historisches Ereignis oder Thema geht.

4. Während des Interviews

Je wohler sich der/die Erzählende fühlt, desto mehr wird er/sie bereit sein, sich auf das Interview einzulassen. Der/die Interviewer/in sollte also

  • dem Erzählenden körpersprachlich Aufmerksamkeit und Interesse signalisieren (Zuwenden, Augenkontakt, Mimik, …),
  • den Erzählfluss unterstützen: Gesprächspausen aushalten, Zeit geben, offene Fragen stellen, ausreden lassen,
  • bei eigenen Ermüdungserscheinungen eine Pause vereinbaren,
  • auf Anzeichen beim Interviewpartner achten, die eine Pause erfordern,
  • zum Abschluss die Frage stellen, ob der/die Interviewte noch etwas sagen möchte, ob etwas offen geblieben ist…

5. Rechte

Es sollte eine Rechtevereinbarung vorbereitet werden,  die der/die Interviewte nach dem Interview unterschreibt. Sie beinhaltet zumindest die folgenden Punkte: 

 

Ich bin damit einverstanden,

  • dass das Interview digital aufgezeichnet wird.

   O ja  O nein

  • dass das Interview transkribiert wird.

   O ja  O nein

  • dass ausgewählte Passagen des transkribierten Interviews in der VWA zitiert werden.

   O ja  O nein

  • dass das transkribierte Interview der VWA beigelegt wird.

   O ja  O nein

Unter den oben angeführten Bedingungen erkläre ich mich bereit, das Interview zu geben.

 

Vor- und Nachname (Druckschrift): ………………………………………………………………………

Ort und Datum: ………………………………………………………………………

Unterschrift: ………………………………………………………………………….

 

Zu klären ist auch klären, ob der/die Interviewte die Gesprächspassagen, die dann in der Arbeit verwendet werden sollen, vorher noch einmal sehen und dazu seine Einwilligung geben möchte. Außerdem: Darf der volle Name genannt werden? Oder sollen die Aussagen anonymisiert wiedergegeben werden?

6. Ausklingen lassen/Abschied

Oft reden die Interviewpersonen nach dem offiziellen Ende des Interviews noch weiter, weil ihnen noch weitere Episoden einfallen, etc. Hier gilt das gleiche wie oben („Einstimmen“).

Bei sehr emotionalen Themen ist es wichtig, die Interviewperson in die Gegenwart „zurückzuholen“, z.B. mit ihm/ihr über die Pläne der kommenden Tage zu sprechen, …

Darüber informieren, wie es nun mit dem Interview weiter geht. Klären, ob die Interviewperson eine Kopie der Aufnahme haben möchte.

7. Im Anschluss

Nach dem Interview sollte in jedem Fall ein Gesprächsprotokoll verfasst werden, um Erzähltes, das nicht aufgezeichnet wurde, zu sichern. Auch die eigenen Eindrücke sollen hier Platz finden: Wie ging es mir beim Gespräch?

Beim Transkribieren des Interviews sollten in diesem Fall – des Zeitzeugeninterviews - auch Räusperer, Pausen, Wiederholungen, Seufzer, grammatikalische Fehler etc. aufzuschreiben, da sie oft sehr aussagestark sind und die Gefühlslage des/der Interviewten verdeutlichen.

Für die VWA müssen zumindest diejenigen Passagen sorgfältig transkribiert werden, die auch tatsächlich für die Arbeit verwendet (also zitiert) werden.

8. Auswertung des Interviews

Grundsätzlich gibt es unzählige Auswertungsmethoden für Interviews, die in den letzten Jahrzehnten von Wissenschafter/innen entwickelt wurden. Viele davon sind zeitaufwändig zu erlernen und würden den Rahmen einer vorwissenschaftlichen Arbeit weit sprengen. 

Im Rahmen einer VWA ist zu überlegen: Soll das Gespräch als Ganzes oder nur in Teilen verschriftlicht (transkribiert) werden? Dabei sind folgende Fragen von Bedeutung:

  • Dienen die Aussagen vor allem zur Veranschaulichung von historischen Fakten? Dann geht es vor allem darum, aus dem Interview treffende Gesprächspassagen herauszufiltern.
  • Geht es vor allem um die Darstellung einer einzelnen Lebensgeschichte (und hier liegt die wahrscheinlich größte Qualität solcher Interviews), kann den Erinnerungen und Erzählungen dieses Menschen in der Arbeit viel Raum gegeben werden. Gerade in diesem Fall ist es wichtig, die Darstellung nicht nur mit biographischen Dokumenten anzureichern (wie Fotos, Briefe, etc.), sondern sie auch mit historischen Quellen abzugleichen. 
  • In der Geschichtswissenschaft geht es oft auch darum, durch das Interview bisher unbekannte historische Fakten zu erheben. Dann braucht es einen Abgleich mit anderen Quellen zu einem dargestellten Ereignis (z.B. Zeitungsartikel, …). Denn durch das Erinnern und Erzählen werden die historischen Fakten oft verzerrt. Das ist ein ganz normaler, „menschlicher“ Vorgang.

9. Wie wird ein Interview in die Arbeit eingebaut?

In einer historischen VWA kommen vor allem zwei Auswertungsarten vor:

  • Das Interview zur Illustration von historischen Fakten:

So könnte zum Beispiel eine Fragestellung lauten: Wie erlebten jüdische Bürger/innen den Anschluss in Wien? Wenn man dazu selbst noch Zeitzeug/inn/en befragen kann, baut man jeweils inhaltlich passende Aussagen aus dem Interview in die entsprechenden Kapitel der Arbeit ein. So könnte es ein Kapitel zur Ausgrenzung in der Schule geben oder eines zum wirtschaftlichen Druck, der auf Jüdinnen und Juden ausgeübt wurde. Dazu passende Passagen aus den Interviews können in die inhaltlichen Kapitel eingefügt werden. Selbstverständlich können dafür auch videografierte Interviews verwendet werden, wie sie zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust zum Beispiel auf der Website von _erinnern.at_ verfügbar sind.

  • Die Darstellung einer Lebensgeschichte in einem historischen Kontext

Hier geht es darum, den historischen Rahmen darzustellen, in den sich eine Lebensgeschichte einfügt. Will man beispielsweise die Geschichte eines Großelternteils erzählen, das in den 70er Jahren als „Gastarbeiter/in“ nach Österreich kam, ist es wichtig, die wirtschaftliche und politische Situation im Herkunftsland als auch in Österreich darzustellen und auf die Rahmenbedingungen einzugehen, die zur Einwanderung führten und unter denen die sogenannten Gastarbeiter/innen hier lebten. Die Lebensgeschichte der befragten Interviewperson kann dann in diesem Kontext beschrieben werden. In der Arbeit wird abschließend aufgezeigt, in welchen Bereichen sich die die individuellen Erfahrungen mit der Geschichtsschreibung decken und ob es Punkte gibt, die sehr unterschiedlich dargestellt werden. Möglicherweise können für Erinnerungen, die von der gängigen Geschichtsschreibung abweichen, auch Gründe aus der Lebensgeschichte angeführt werden. 

In beiden Fällen können zwei Methoden (auch abwechselnd) angewendet werden:

  • Biographisches und Erzählpassagen zusammenfassend wiedergeben und sich auf Passagen aus dem Transkript beziehen und die Passage als indirektes Zitat belegen.
  • Aus dem Interview zitieren. Jedes Zitat belegen (z.B.: aus Interview mit XX, geführt am XX, von XX, Zeitangabe oder Seite Transkript).

 

Das Interview ist eine mündliche Befragung in Form eines Gesprächs. Die/der Interviewer/in stellt Fragen, und die interviewte Person spricht über ihre Erfahrungen und ihre Sichtweise zu einem bestimmten Thema.1 Im Gegensatz zu einem Fragebogen, in dem sowohl die Fragen als auch die Antwortkategorien vorgegeben sind, werden bei einem Interview die Antworten frei gegeben, da ausschließlich offene Fragen gestellt werden.

Wofür werden Interviews eingesetzt?

Interviews werden eingesetzt, um herauszufinden, was Menschen über ein bestimmtes Thema denken (welche Erfahrungen, Konzepte, Deutungsmuster lassen sich finden) oder um Lebensentwürfe, Orientierungen, Normen, etc. zu untersuchen.

Wann ist es sinnvoll, ein Interview durchzuführen?

Jedes methodische Vorgehen im Rahmen der Erstellung der VWA dient ausschließlich dazu, die Fragestellung bzw. die aus ihr abgeleiteten Leitfragen zu beantworten.

Ob ein Interview die „richtige“ oder adäquate Methode ist, hängt also von der Fragestellung ab.2 Ist man an der „Innenperspektive“ von Betroffenen oder der „Fachmeinung“ von Expert/inn/en interessiert, bietet sich das Interview an. So kann man mehr über individuelle Sichtweisen, persönliche Erfahrungen, Meinungen, Motive und Expertisen der Interviewpartner/innen erfahren. Will man hingegen etwas über das tatsächliche Verhalten und Handeln von anderen erforschen, ist es naheliegend, eine Beobachtung durchzuführen).

Das Interview ist nur dann sinnvoll, wenn

  • die notwendigen Informationen für die Beantwortung der Frage in der Literatur lückenhaft/unvollständig sind und man sie daher um eine neue Perspektive/einen neuen Aspekt ergänzen möchte,
  • allgemein/ abstrakt vorhanden sind und man diese um spezifischere/genauere Informationen ergänzen möchte,
  • auf theoretischer Ebene vorhanden sind und man an Handlungen Umsetzung, Einstellungen und Einschätzungen von Fachexpert/inn/en in der Praxis interessiert ist,
  • so komplex sind, dass man auf die Einschätzung von Expert/inn/en zurückgreifen muss:
  • vorhanden sind, man diese allerdings hinterfragen möchte.

Ein Interview ist sinnlos, wenn

  • es NICHT zur Beantwortung der Frage dient (auch wenn es zum Thema passt).
  • Dinge erfragt werden, die in der Literatur gut abgebildet sind (Zum Beispiel ein Expert/inn/eninterview mit einer medizinischen Fachkraft - Arzt/Ärztin, Physiotherapeut/in, etc… - zu einem bestimmten Krankheitsbild).

Was ist ein Leitfadeninterview?

Leitfadeninterview ist ein Sammelbegriff für halbstandardisierte Interviewarten, die eingesetzt werden, um die Sichtweisen von Personen zu vergleichen.3 Daher sollte bereits zu Beginn relevante Bereiche des Themas (aus Theorien, anderen Studien, aber auch Alltagswissen) bekannt sein. Diese Bereiche werden Themenaspekte genannt. So könnten bspw. für das Thema „Schülervertretung“ zu Beginn die Themenaspekte Kandidatur zur Schülervertretung/Werdegang, Themen und Tätigkeiten von Schülervertretungen, Herausforderungen für die Arbeit von Schülervertretungen, etc. herausgearbeitet werden.

Wie werden Leitfadeninterviews durchgeführt?

Zu jedem Themenaspekt werden Fragen formuliert und in einem Interviewleitfaden festgehalten.

Dieser dient als Orientierung für das Interview. Dabei ist es wichtig, flexibel mit dem Leitfaden umzugehen. Während des Interviews können Fragen gegebenenfalls umformuliert, ergänzt oder umgestellt werden. Allerdings müssen in allen Interviews auch alle Fragen gestellt werden. Dadurch werden bei allen Interviews dieselben Themenaspekte behandelt und die Interviews vergleichbar. Es gibt auch die Möglichkeit Ad-hoc-Fragen zu stellen, d.h. spontan nachzufragen, wenn spezifische Inhalte angesprochen werden, die nicht Teil des Leitfadens, aber für das Thema relevant sind. Die Führung von Leitfadeninterviews erfordert daher hohe Konzentration bei den InterviewerInnen.

Unabhängig vom Thema erfordert die Durchführung eines Leitfadeninterviews folgende Schritte:

  1. Erstellung eines Leitfadens für das Interview
  2. Durchführung des Interviews 
  3. Analyse der Interviews
  4. Einbau des Interviews in die VWA

 

1. Erstellung eines Leitfadens für das Interview

Der Leitfaden besteht aus einer Einleitung, offen formulierten Fragen und einem Beiblatt, in dem nach dem Interview Wichtiges (Ort, Zeit, Personen, Raum, etc.) festgehalten wird. Der Leitfadenaufbau ist systematisch und folgt dem Prinzip „vom Allgemeinen zum Spezifischen“.

Formulierung von Fragen

Allgemein gilt für die Formulierung der Fragen:

  • Die Fragen müssen offen formuliert werden. Sie dürfen keinen Hinweis auf die Art der Beantwortung oder gar Antwortvorgaben beinhalten. Sie werden in einer einfachen, klaren Sprache formuliert und an die Ausdrucksweise der Interviewten angepasst.

Folgende Fragen dürfen in Leitfadeninterviews nicht gestellt werden:

  • Geschlossene bzw. Aufzählungsfragen, Suggestivfragen, zu starke Wertungen, ritualisierte Alltagsfragen („Wie zufrieden bist du mit..“) und zu persönliche Fragen.

Aufbau eines Leitfadens

Ein ausgewogener Leitfaden umfasst etwa fünf bis sieben Aspekte des Themas, die jeweils ein bis zwei offene Fragen beinhalten. Insgesamt sollten nicht weniger als zwölf und nicht mehr als 15 wichtige, inhaltlich sehr unterschiedliche Fragen zu sehr verschiedenen Seiten des Themas/ Gegenstandes gestellt werden. Hilfreich kann es sein, gegensätzliche Fragen auszuwählen („Was ist positiv …?“, „Was ist … negativ?“,  „Wie war es früher …?“, „Wie ist es heute?“

Die Fragen werden schriftlich festgehalten. Die/der Interviewer/in sollte die Fragen allerdings im Kopf haben, um im Interview freier sprechen und konzentriert zuhören zu können.

Eigentlicher Aufbau

  • Einleitende Frage(n): Der Leitfaden beginnt mit einer erzählgenerativen Frage (einfache, zum Beschreiben und Erzählen einladende Frage): Diese führt die interviewte Person zum Thema hin und dient zum „Aufwärmen“. Erzählgenerative Fragen können die Qualität der entstehenden Daten sehr positiv und, wenn sie misslungen sind, sehr negativ beeinflussen und sollten daher sorgfältig ausgewählt werden.
  • Hauptfragen:
  • Von einfachen/leichten zu komplexen Fragen: Zu Beginn werden einfachere Fragen wie Beschreibungen und Bewertungen unproblematischer Sachverhalte gestellt, welche die/der Befragte kennt. Komplexere Fragen (Fragen nach moralisch oder sonst wie heiklen Aspekten, Fragen nach Möglichkeiten und Alternativen) folgen gegen Ende des Interviews.
  • Ad-hoc-Fragen: Diese sind nicht geplant und werden spontan im Laufe des Interviews gestellt (z.B. „Kannst du mir das näher erklären?“), wenn neue Aspekte eines Themas auftauchen oder um bei Unklarheiten nachzufragen.
  • Abschlussfrage: Jedes Interview sollte mit einer Abschlussfrage beendet werden. Dadurch weiß die/der Befragte, dass das Interview damit beendet ist („Meine letzte Frage lautet: Was möchtest du noch zum Thema xy sagen, was wir bisher noch nicht angesprochen haben?“).
  • Demographische Daten: Wenn diese nötig sind, werden diese am Schluss der Befragung abgefragt („Nun habe ich nur noch ein paar Fragen zur Statistik.“).
  • Beiblatt für Rahmenbedingungen: Nach dem Interview werden hier kurz die interviewte Person und die Situation beschrieben und Kommentare und Vermutungen schriftlich festgehalten.

Der Interviewleitfaden sollte in einem Probeinterview ausprobiert und entsprechend der Erfahrungen verändert und angepasst werden.

 

2. Durchführung eines Leitfadeninterviews

Qualitative Stichprobe festlegen und Interviewpartner/innen suchen

Je nach Thema und Forschungsinteresse werden mögliche Interviewpartner/innen ausgewählt und Kontakt zu den Personen aufgenommen.

In der Wissenschaft haben sich für mittelgroße Forschungsprojekte 12 bis 15 Interviews als ausreichend herausgestellt – ab dann führen weitere Interviews kaum mehr zu neuen Erkenntnissen (Der Fachbegriff dazu ist theoretische Sättigung).

So viele Interviews werden für die VWA nicht zu leisten sein. Da es sich bei der vorwissenschaftlichen Arbeit nicht um eine wissenschaftliche Arbeit im eigentlichen Sinn handelt, ist hier auch keine wissenschaftlich relevante Stichprobe nötig. Wenn die Interviewstudie möglichst unterschiedliche Personen beinhaltet, können aus strukturierter und fundierter Auseinandersetzung mit den Aussagen aus drei bis vier Interviews wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden.

Vorbereitung des Interviews

Überlegungen hinsichtlich Räumlichkeiten, Aufnahme des Interviews und inhaltliche Vorbereitungen müssen vorab getroffen werden.

Bei der Kontaktaufnahme per Email oder mündlich sollte den potentiellen Interviewpartnern neben Informationen über die eigene Person auch kurz der Kontext der VWA erläutert werden und auf die Dauer des Interviews hingewiesen werden.

Auf Wunsch können die Fragen auch vorab zur Ansicht geschickt werden.

Der Ort ist mit Bedacht zu wählen. Der/die Befragte sollte sich wohlfühlen können, das ganze Interview nicht gestört werden. Nur dann wird er/sie sich offen äußern.

Welcher technischen Geräte man sich auch bedient: Vor dem Interview noch einmal die Funktionstüchtigkeit und den Akku prüfen!

Gesprächsführung

Die interviewten Personen werden sich bemühen, ausführlich und aufrichtig zu antworten, wenn sie bemerken, dass die Atmosphäre freundlich ist, sie Vertrauen haben können und ihre Mitteilungen wertgeschätzt werden.  Die Durchführung eines Interviews verlangt daher v.a. hohe Konzentration und aktives Zuhören. Die interviewende Person gibt keine Bewertung, Beurteilung oder Kommentar über das Gesagte.

Das Interview beginnt mit einer Einleitung. Diese sollte die Vorstellung der Person, die Art der Untersuchung, Zusicherung der Anonymität (Vertraulichkeit) und Konsequenzlosigkeit der Angaben und Auskunft darüber, wie mit den Daten verfahren wird, beinhalten.

Die Einleitung benennt deutlich das Thema und führt dadurch hin zur ersten Frage, die zum Erzählen anregen soll. Im Gesprächsverlauf sollten die Interviewten frei sprechen können und nicht unterbrochen werden. Wenn etwas unklar ist, kann nachgefragt werden. Der/die Interviewer/in bewertet und kommentiert nicht.

Die Reihenfolge der Fragen kann je nach Interviewsituation verändert werden.

 

3. Analyse qualitativer Leitfadeninterviews

Allgemeines Ziel der Analyse qualitativer Daten ist es, die Bedeutung der Materialien zu verstehen.

Vorbereitung des Datenmaterials – Transkription

Für die Analyse der Daten werden die Aufnahmen transkribiert (schriftlich festgehalten). Dafür muss entschieden werden, ob eine vollständige oder eine selektive Transkription durchgeführt wird.4 Die selektive Transkription stellt allerdings bereits eine Interpretation des Materials dar. Die Passagen sollten entsprechend sorgfältig ausgewählt werden.

Inhaltsanalyse

Ziel der Inhaltsanalyse ist die Erfassung von Themenaspekten unter ausgewählten Perspektiven. Die inhaltlich-strukturierende Inhaltsanalyse eignet sich daher zum Vergleich von Texten bzw. Interviewaussagen. Sie erfasst unterschiedliche Inhalte nach Themenaspekten, die Textdaten werden systematisch kategorisiert und zusammengefasst werden. Leitfadengestützte Interviews können wie folgt analysiert werden:5

  1. Kategorien auf Basis des Leitfadens erstellen und in das Kategoriensystem einfügen.

Zu Beginn wird ein Kategoriensystem erstellt (siehe Tabelle). Eine Kategorie ist eine möglichst kurze Beschreibung des Textinhalts, falls möglich nur ein Begriff. Für die Analyse werden dazu aus den Themenaspekten und Fragen des Leitfadens Kategorien und Unterkategorien gebildet. Später werden auf Basis der Analyse Beschreibungen, Ankerbeispiele (besonders aussagekräftige Interviewpassagen) und Belegstellen für gefundene Textstellen (z.B. Zeilennummern und Interviewnummer) eingefügt. 

Hauptkategorie

Ausprägung/
Unterkategorie

Definition/
Beschreibung

Ankerbeispiel

Belegstelle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Relevante Interviewpassagen auswählen und kennzeichnenbzw.bei selektiver Transkription transkribieren. - Die Interviewpassagen in Bedeutungseinheiten unterteilen.  Eine Bedeutungseinheit kann bspw. eine Frage des Leitfadens sein oder aber auch ein Teil einer Antwort, wenn diese mehr Bedeutungen beinhaltet. - Die Bedeutungseinheiten paraphrasieren. D.h. die Aussagen werden in möglichst kurze Sätze übertragen, die eine neutrale, gemeinsame Sprache haben. Dadurch werden die Inhalte einerseits reduziert und zum anderen vergleichbar.

  • Die Paraphrasen werden den Kategorien des Kategoriensystems zugeordnet (deduktives Kategorisieren). Ist dies nicht möglich, wird eine neue Kategorie erstellt und in das System integriert (induktives Kategorisieren).
  • Anschließend wird zu jeder (Unter)Kategorie eine Kernaussage (=Beschreibung) formuliert. (Hier kann es hilfreich sein, die Originaltextstellen an die Kernaussage anzuhängen, damit diese während der weiteren Analyse zur Verfügung stehen).
  • Die Kategorien werden nochmals überprüft: Ist das Kategoriensystem valide, d.h. konnte das gesamte Datenmaterial in das Kategoriensystem eingeordnet werden? Ist das Kategoriensystem disjunkt, d.h. gibt es eine klare Trennung zwischen den Kategorien oder überschneiden sich Inhalte? Falls nicht, neue Kategorien einführen und/oder (Unter-)Kategorien zusammenfassen.
  • Das Kategoriensystem wird so angeordnet, dass zwischen allen Kategorien ein Gesamtzusammenhang konstruiert wird. Dazu eine zentrale Schlüsselkategorie auswählen, um die alle anderen Kategorien herumgruppiert werden (z.B. nach Rahmenbedingungen, Ursachen, Folgen, Handlungsstrategien von Personen).  Diesen Gesamtzusammenhang in einer einheitlichen Sprache ausformulieren – dies bildet die gefundene Struktur des untersuchten Sachverhalts und den Kern der Analyse.
  • DerErgebnisbericht wird abschließend entlang des formulierten Gesamtzusammenhangs ausgearbeitet. Dabei können Hauptkategorien als Kapitelüberschriften verwendet werden, die Beschreibungen als Fließtext, die Ankerbeispiele als Zitate und die Belegstellen als Anhaltspunkt für die Analyse.

 

4. Einbau eines Interviews in die VWA

Wie und wo muss das Interview in der VWA eingebaut sein?

Die verwendete empirische Forschungsmethode muss im Hauptteil der Arbeit vorgestellt werden.

Im Anschluss werden der konkrete Forschungsprozess beschrieben und die Daten ausgewertet, interpretiert und analysiert. Dies ist wichtig, da die Nachvollziehbarkeit und das systematische Vorgehen Grundprinzipien der Wissenschaft sind.6

Die Kapitel Methode und Ergebnispräsentation/ Ergebnisanalyse sind als eigenständige Kapitel oder Unterkapitel im Hauptteil anzuführen.  Konkret kann das im Aufbau der VWA wie folgt aussehen:

  • Methode Interview
    • Beschreibung der verwendeten Methode und der Vorgehensweise (Forschungsprozess/ Datengewinnung) durch Beantwortung folgender oder ähnlicher Fragen: Wer hat die Interviews durchgeführt? Wo und wann wurden die Interviews durchgeführt? Wie wurden die Interviewpartner/innen ausgewählt? Wie viele Interviews wurden geführt? Wie sind diese verlaufen und wie wurden sie festgehalten?
    • Darstellung des Leitfadens und der (theoretischen) Überlegungen, weshalb die konkreten Fragen beziehungsweise Kategorien ausgewählt wurden.
       
  • Ergebnispräsentation/ Ergebnisanalyse
    • Beschreibung des Prozesses der Datenaufarbeitung/ Datenanalyse. Wie wurden die Daten strukturiert, kategorisiert und geordnet?
    • Beschreibung der zentralen Aussagen aus den Interviews mit wörtlichen Zitaten aus den Transkripten und Protokollen als Beleg.

1 W., Schreier, M. & Echterhoff, G.:  Forschungsmethoden in Psychologie und Sozialwissenschaften für Bachelor. 2. Auflage.Berlin, Heidelberg: Springer, 2013, S. 224.

2 Mayring, Philipp: Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. 11.,aktualisierte und überarbeitete Aufl., Weinheim und Basel: Beltz, 2010. S.17 ff.

3 vgl. Hussy et al., 2013, S. 225.

4 Hussy et al., 2013, S. 246.

5 vgl. Mayring, P.:Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. 11. Auflage. Weinheim, Basel: Beltz, 2002.  Schreier, Margrit: Varianten qualitativer Inhaltsanalyse: Ein Wegweiser im Dickicht der Begrifflichkeiten.2013.  [59 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 15(1), Art. 18,
http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/2043/3636 [Zugriff:23.3.2017]

6 Gläser, Jochen/Laudel, Grit: Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse. 4. Aufl., Wiesbaden: Springer Fachmedien.2010. S.30.

Allgemeines

Beobachtungen stellen eine von vielen Möglichkeiten zur Datenerhebung und Sammlung von Fakten in einem nicht kommunikativen Prozess dar. Voraussetzung ist, dass sie zielgerichtet in Hinblick auf die Forschungsfrage(n), systematisch, objektiv und nachvollziehbar vorgenommen werden.

Beobachtungen können sowohl der

  • qualitativen (auf Basis verschriftlichte bzw. audiovisueller Daten) als auch der
  • quantitativen Forschung (Erfassung numerischer Daten) zugeordnet werden.

Sie werden besonders häufig in der Sozialforschung angewendet, spielen aber auch in den Naturwissenschaften eine große Rolle. Sie sind immer dann sinnvoll, wenn es um Sachverhalte geht, die in Befragungen nicht oder nur unzureichend erhoben werden können.

Beobachtungen können unter Einsatz aller Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Tasten, Schmecken) bzw. unter Gebrauch technischer Hilfsmittel (Video-/Audioaufzeichnungen etc.) protokolliert und ausgewertet werden.

Beobachtungsgegenstand können Vorgänge (menschliche Handlungen, sprachliche Äußerungen, ...), Ereignisse (Prüfungen, Schulveranstaltungen, ...), soziale Merkmale (Brauchtum, Kleidung, ...) und Verhaltensweisen (nonverbale Reaktionen, ...) von Lebewesen, aber auch Objekten sein. Situationen, in denen Beobachtungen vorgenommen werden, können für den Forschungszweck sowohl speziell arrangiert werden (z. B. im Labor) und somit künstlicher Art sein als auch in natürlicher Umgebung stattfinden (Feldbeobachtung).

Arten von Beobachtungen:

Unstrukturiert, teil- oder vollstrukturiert

  • Zur ersten Orientierung werden Beobachtungen häufig unstrukturiert, mit geringen Vorgaben und wenigen Einschränkungen vorgenommen. Die Beobachter/innen nehmen wahr, was ihnen wichtig erscheint und halten das Beobachtete dann zumeist schriftlich fest.
  • Beobachtungen können aber auch teil- bzw. vollstrukturiert ablaufen, als zumeist quantitative Methoden, unter Einsatz eines festen, erprobten, detaillierten Beobachtungsschemas, Merkmal- oder Kategoriensystems und wenigen Freiheitsgraden für die Beobachter/innen.

    Kriterien eines Kategoriensystems:
    • Die Anzahl der Kategorien sollte einerseits klein genug sein, um Beobachter/innen nicht zu überfordern, andererseits aber auch groß genug, um die im Mittelpunkt des Interesses stehenden Handlungen/Verhaltensweisen differenziert genug erfassen zu können.
    • einzelnen Kategorien müssen deutlich voneinander abgegrenzt sein. Eine bestimmte Verhaltensweise darf nicht mehreren Kategorien zugeordnet werden können.
    • Verschiedene Beobachter/innen sollten unter gleichen Voraussetzungen/Bedingungen zu möglichst gleichen Ergebnissen kommen.

Teilnehmend oder nicht teilnehmend
Je nach Grad der Einbindung der Forscher/innen wird zwischen völliger Teilnahme, teilnehmender Beobachtung, beobachtender Teilnahme und nicht teilnehmender Beobachtung unterschieden.

Die Art der Teilnahme kann aktiv oder passiv sein. Bei aktiver Teilnahme machen die Beobachter/innen mit, nehmen am Geschehen teil, sind integriert. Bei passiver Teilnahme sind sie zwar anwesend, verhalten sich aber distanziert und zeichnen nur auf, protokollieren.
Bei der nicht teilnehmenden Beobachtung sind die Forscher/innen persönlich nicht anwesend, haben keinen direkten Kontakt mit dem Geschehen.

Die entsprechende Situation wird beispielsweise via Medien erfasst.

Direkt oder indirekt
Die Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Beobachtung nimmt Bezug auf die Sicht der Beobachteten, der Proband/innen. Nehmen diese die Forscher/innen wahr, sind diese präsent, so liegt eine direkte Beobachtung liegt vor. Tun sie das nicht und erfolgen die Beobachtungen mittels technischer Hilfsmittel (beispielsweise durch Audio-/Videoaufzeichnungen), so handelt es sich um indirekte Beobachtung.

Offen oder verdeckt
In offenen Formen der Beobachtungen geben sich die forschenden Personen als solche zu erkennen, in verdeckten tun sie das nicht. Bei offenen Formen ist zu bedenken, dass sich Beobachtete in Anwesenheit der Forscher/innen anderes verhalten (Hawthorne-Effekt , Rosenthal-/Versuchsleiter(erwartungs)effekt ). Verdeckte Beobachtungen führen unter Umständen zu moralischen/persönlichen Konflikten.

Aufgrund von Veränderungen der Gestaltung und des Ablaufes kann es zu Mischformen des Beobachtungsprotokolls kommen. Z.B.: Eine Lehrperson beobachtet die Klasse während einer Testsituation. Aus der Sicht der Lehrperson: nicht teilnehmend/offen; aus der Sicht der Sicht der Schüler: teilnehmend/offen.

Planungsphase

In der Planungsphase systematischer Beobachtungen ist festzulegen, was genau von wem, wann und wo beobachtet wird. Zu definieren sind dabei

  • die zu beobachtenden Verhaltensmerkmale („Was soll beobachtet werden: das allgemeine Handeln/Verhalten bestimmter Lebewesen oder nur bestimmte Handlungszüge/Verhaltensweisen?)
  • die Situationsmerkmale (In welchen Situationen sollen die Verhaltensmerkmale beobachtet werden?)
  • die Zeitstichproben (Wie viele Beobachtungen sollen vorgenommen werden und wie groß sollen die Intervalle zwischen den Beobachtungen sein?)
  • die Mess- bzw. Registrierungsprozeduren (Wie detailliert soll die Registrierung/Protokollierung erfolgen, was soll festgehalten werden? Soll nur festgestellt werden, ob ein bestimmtes Phänomen auftritt oder auch wie häufig es in einem bestimmten Zeitraum auftritt? Sollen auch Ausprägungen von Merkmalen, wie Zeitdauer/Intensität eines bestimmten Verhaltens erhoben werden? Wie erfolgt die Dokumentation? Mittels Notizbuch, Protokollbögen, technischer Hilfsmittel?)

Problemkreise/Fehlerquellen

  • Mangelnde Objektivität der Beobachter/innen
    • Die Beobachter/innen haben ein bestimmtes Forschungsziel vor Augen und sehen mehr oder weniger unbewusst nur das, was sie sehen wollen, sie sind voreingenommen
    • Die Datenerfassung und Auswertung erfolgt durch nur eine Person, ist somit in einem mehr oder weniger geringen Maß subjektiv.
    • Die Forscher/innen werden bei der teilnehmenden Beobachtung unter Umständen ihrer Doppelfunktion als Gruppenmitglieder und BeobachterInnen nicht gerecht, kommen in Konfliktsituationen bzw. können Situationen erst nachträglich aus dem Gedächtnis verschriftlichen, was zu Ungenauigkeiten führen kann.
  • Reaktivität der Beobachter/innen
    Personen, die unter Beobachtung stehen, verhalten sich zumindest in der Anfangsphase der Beobachtung weniger natürlich (weniger spontan und zwanglos). Es besteht daher die Gefahr, dass von den Beobachter/innen ein verfälschtes Verhalten registriert wird, was den Wert der Untersuchung beeinträchtigt.

Teilnehmende Beobachtung

Unter „teilnehmendem Beobachten“ versteht man das aktive und bewusste Teilnehmen an einer Aktivität (Event, Fest, Konzert oder Ähnlichem) und das gleichzeitige aufmerksame (strukturierte) Beobachten eben dieser sozialen Handlungen. Dieses teilnehmende Beobachten kann sehr unterschiedlich gestaltet werden und orientiert sich an der Art der beobachteten Aktivität. Die Qualität der teilnehmenden Beobachtung hängt von verschiedenen Parametern ab, die in der nachstehenden Tabelle dargestellt werden:
 

Natürlichkeit des FeldesFeldLabor
Beobachtungsmodusunstrukturiertstrukturiert
Transparenzoffenverdeckt
Mitgliedschaft der Beobachterin/des Beobachtersvolleperiphere
Partizipationsgradaktiv teilnehmendpassiv teilnehmend


Natürlichkeit des Feldes:
Beobachtet ein/e Schüler/in z.B. das Verhalten von Kindern bei einem bestimmten Spiel, so kann diese Aktivität wie in einem Labor „inszeniert“ werden. Es ist aber auch möglich, ein solches Verhalten „im Feld“, also in der Alltagsrealität teilnehmend zu beobachten.

Beobachtungsmodus:
Teilnehmendes Beobachten kann strukturiert und unstrukturiert erfolgen.

  • Strukturiertes Beobachten heißt, nach bestimmten Aspekten einer Aktivität zu suchen, sich auf ein bestimmtes Element zu konzentrieren (z.B. die Kleidung verschiedener Akteur/inn/en bei einem hinduistischen Ritual).
  • Unstrukturiertes Beobachten ist z.B. dann sinnvoll, wenn man an einer Aktivität zum ersten Mal beobachtend teilnimmt, nur wenige Vorkenntnisse dazu besitzt und im Vorfeld noch nicht entscheiden möchte/kann, welchem Aspekt man sein Augenmerk schenken möchte (z.B. Teilnahme an einer politischen Veranstaltung, bei deren Beobachtung viele Faktoren wichtig sind und deren Verlauf nicht absehbar ist).

Transparenz:
„Teilnehmendes Beobachten“ kann offen oder (in seltenen Fällen) verdeckt durchgeführt werden.

  • Offen ist eine Beobachtung dann, wenn die/der Forscher/in den Menschen im Feld offen legt, dass eine Beobachtung einer Aktivität (zu Forschungszwecken) durchgeführt wird.
  • Von verdecktem Beobachten spricht man, wenn dem Feld nicht mitgeteilt wird, dass man beobachtend Daten erhebt. Letzteres ist gut zu überdenken, da bei einer späteren Offenlegung Menschen evtl. brüskiert werden bzw. damit nicht einverstanden sind.

Mitgliedschaft der Beobachterin/des Beobachters und Partizipationsgrad:
Inwieweit die teilnehmende Beobachterin/der teilnehmende Beobachter in die Aktivität, die beobachtet wird, involviert ist, spielt eine große Rolle für die Forschungsarbeit. Man kann zwischen voller, aktiver und peripherer Mitgliedschaft unterscheiden.

  • Periphere Mitgliedschaft: Ich bin Besucherin einer röm.-kath. Kirche und beobachte eine mir fremde Familie, die die Taufe eines Familienmitglieds feiert. Ich hole bei den Familienmitgliedern die Erlaubnis ein, das Ritual zu beobachten und mache mir als Außenstehende (während oder nach der Feier) Notizen.
  • Aktive Mitgliedschaft: Eines meiner Familienmitglieder (z.B. Cousin) wird getauft. Ich bin eingeladen, bin Teil des Feldes und kann aktiv teilnehmend die Taufe beobachten. Notizen kann ich mir evtl. erst nach der Taufe machen. Als Teilnehmer/in ist es mir möglich, einige Fotos zu machen.
  • Volle Mitgliedschaft: Ich habe mich entschlossen, mein eigenes Kind römisch-katholisch taufen zu lassen. Ich stehe mit meinem Kind im Zentrum des Rituals. Im Anschluss daran mache ich mir Notizen zur Dokumentation der Vorgänge.

Ähnlich verhält es sich mit den Attributen hinsichtlich des Partizipationsgrades. Hier werden aktiv und passiv teilnehmende Beobachtungen unterschieden.
Diese hier beschriebenen qualitativen Merkmale der angewendeten teilnehmenden Beobachtung sind in der vorwissenschaftlichen Arbeit offenzulegen. So wird gezeigt, warum, wie und unter welchen Rahmenbedingungen man gearbeitet hat.

Wichtige vorbereitende Fragen  für die Umsetzung einer teilnehmenden Beobachtung:

  • Warum möchte ich etwas beobachten? Was erwarte ich mir davon? Warum hilft mir die teilnehmende Beobachtung bei der Beantwortung meiner Fragestellung?
  • Was möchte ich beobachten? (Nicht alle Aspekte einer Aktivität müssen für die Beantwortung einer bestimmten Fragestellung relevant sein!)
  • Wen muss ich darüber informieren, dass ich etwas beobachten will? Überschreite ich rechtliche Grenzen? 
  • Welchen Zeitpunkt wähle ich für die teilnehmende Beobachtung? Wann ist eine solche passend/zielführend?

Die Dokumentation einer teilnehmenden Beobachtung:
Beobachtet man eine Aktivität oder nimmt man z.B. an einer gesellschaftlichen Veranstaltung, einem religiösen Ritual oder einem familiären Fest teil, so muss/soll das Erlebte und teilnehmend Beobachtete dokumentiert werden:

  • Man dokumentiert jene Aspekte, Vorkommnisse, Gegebenheiten, die besonders aufgefallen sind, die interessant waren, die mit der Beantwortung der eigenen Fragestellung zu tun haben. Was der jungen Forscherin/dem jungen Forscher interessant erscheint, was besonders spannend ist, das ist auch wichtig. Empirisches Erleben bringt einen Zugewinn an Wissen und Erfahrung!
  • Was wie dokumentiert wird, hängt von der beobachteten Aktivität ab. (Z.B. macht es einen Unterschied, ob man bei einem Fußballspiel im Stadion etwas beobachtet oder bei einer christlichen Taufe anwesend ist.)
  • Mögliche Dokumentationsmethoden für eine teilnehmende Beobachtung sind: Forschungstagebuch oder Gedankenprotokoll (im Nachhinein!), Notizbuch (währenddessen, wenn der Situation angemessen!), Fotografieren (währenddessen, wenn erlaubt!), Filmaufnahmen (währenddessen, wenn erlaubt!), Audioaufnahmen (währenddessen, wenn erlaubt!).

Die Auswertung der (festgehaltenen) Daten:
Forschungstagebücher oder Beobachtungsprotokolle werden nach dem „Forschen“ ausgewertet. Die wichtigen Aspekte der Aufzeichnungen, die dir helfen, einen Sachverhalt zu beschreiben und deine Fragestellung zu beantworten, werden identifiziert und im Anschluss für die schriftliche Arbeit verwendet!
 

Mischform teilstrukturierte, direkte, teilnehmende Beobachtung Anwendungsbeispiel aus der Ethologie

Protokollbogen einer Tierbeobachtung für erfahrene, geübte Beobachter/innen (etwa im Rahmen der VWA)

Thema: Rassenspezifische Unterschiede im Verhalten von Stubenkatzen
 

Erfassung der Häufigkeit bestimmter Verhaltensweisen von Stubenkatzen
Protokollbogen Nr.:Name des Beobachters/der Beobachterin:
Tierart/Rasse:Beobachtetes Individuum:Alter des Tieres:
Gruppengröße:Gruppenmitglieder/Beziehungen:
Beobachtungszeitraum:Datum der Beobachtung:Beginn der Beobachtung:
 Wetter:Ende der Beobachtung:

Laden Sie hier ein Formular zur Bestimmung der Zeitdauer von beobachteten Verhaltenselementen herunter.

Dieses Dokument bezieht sich auf visuelles Material, das im Zuge der Arbeit an einer VWA zu Zwecken der Dokumentation oder Analyse verwendet wird.

Es beschäftigt sich nicht mit Film und Fotos, die als „praktische“ bzw. „grafische Arbeiten“ in die VWA einbezogen werden können und selbst thematische Grundlage einer VWA sind.

Visuelles Material (Fotos, Filme) kann auf unterschiedliche Weise für eine vorwissenschaftliche Arbeit eine Rolle spielen:

  • Fotos und Filme können dazu verwendet werden, einzelne Schritte eines Prozesses abzubilden (z.B. Fotodokumentation über die Zubereitung einer Speise).
  • In Kombination mit einer Teilnehmenden Beobachtung oder einer Gruppendiskussion (siehe Interview) können Fotos oder auch filmische Dokumente helfen, Erlebtes und Erfahrenes zu dokumentieren.
  • Bei einer Filmanalyse oder der Befassung eines Schülers/einer Schülerin mit den Werken eines bestimmten Fotografen ist das visuelle Material zentrales Element der VWA.

Wichtige vorbereitende  Fragen für den Einsatz visueller Arbeitsweisen:

  • Warum soll visuelles Material verwendet werden? Ist eindeutig geklärt, was damit geschehen soll und warum diese Methode geeignet erscheint, die Fragestellung zu beantworten?
  • Welche technischen Hilfsmittel brauche ich, um die visuelle Methode umzusetzen? (Fotoapparat, Videokamera, technische Ausstattung etc.)
  • Was will ich fotografieren?
  • Wer/was soll abgebildet werden? Habe ich das Einverständnis aller Betroffenen eingeholt?
  • Wann kann ich was am besten abbilden? Hier ist auf das Zeitmanagement zu achten.
  • Muss ich mich mit ethischen Fragen im Kontext meiner Forschung beschäftigen? Fotoapparate, Handys und Videokameras werden von Menschen oft als störend empfunden – hier ist Sensibilität für die Situation gefragt. Technische Geräte dürfen/sollen Abläufe und Aktivitäten nicht stören.
  • Kenntnisse über technische Geräte können NICHT während der Forschungstätigkeit erlangt werden.

Dokumentation von visuellen Daten:

  • Die Ablage der Fotos am PC sollte systematisch organisiert werden, die Aufnahmedaten und –orte müssen dokumentiert werden.

Auswertung und Verwendung von visuellen Daten:

  • Werden Fotos oder Filme analysiert, so ist zu entscheiden, welche Aspekte eines Fotos bzw. welche Element eines Filmes Beachtung finden sollen. Diese Entscheidung kann nur im Zusammenhang mit dem zu bearbeitenden Thema und der eigenen Fragestellung getroffen werden.
  • Die in der VWA verwendeten Fotos und Abbildungen müssen in unmittelbarem, inhaltlichem Zusammenhang mit dem Text stehen. Sie müssen in den Text der VWA eingebunden werden, ihr Inhalt und die Bedeutung für die schriftliche Arbeit muss dargelegt werden. Fotos ohne Bezug zum geschriebenen Text sind in einer VWA nicht zulässig.
  • Werden eigene Fotos bzw. Fotos anderer in der VWA verwendet, so muss immer auf den Fotografen/die Fotografin des Fotos hingewiesen werden.  Zitation in der Bildbeschreibung und im Abbildungsverzeichnis (siehe Bildrechte).

Bei einer Einzelfallanalyse wird ein einzelner „Fall“ untersucht. Ein Fall kann eine Person, eine Personengruppe (z. B.: Familie, Schulklasse, …) eine Organisation (z.B. ein Unternehmen, eine bestimmte Schule, …), eine Situation (Pausen, Woche vor der Matura, eine Aufsehen erregende Gerichtsverhandlung, ...) oder ein Prozess (z. B.: Eingewöhnungsphase im Kindergarten, Aufnahme im Krankenhaus, …) sein.1 Dieser Einzelfall wird durch gezielte Beobachtung systematisch beschrieben, die erhobenen Daten werden reflektiert und nach Gesetzmäßigkeiten sinnhaft interpretiert. Methoden dazu sind z. B.: Messung, teilnehmende Beobachtung, Interviews, Befragungen, die Antworten zur Fragestellung/Forschungsfrage liefern.2

Die einzelnen Methoden werden häufig kombiniert. Grundsätzlich werden für die Forschungsfrage die effizientesten Methoden ausgewählt.

Durch die starke Eingrenzung kann der Fall ganz genau mit vielen Details beobachtet und dargestellt werden.3 Ziel ist dabei, etwas an dem Fall besser zu verstehen. Man kann individuelle Zusammenhänge, Ursachen und Auffassungen beziehungsweise individuelle Prozesse und Entwicklungen genauer betrachten.

Ist ein Einzelfall zu wenig?

Der Einzelfall ist nicht zu wenig, allerdings auch nicht weniger Arbeit. Die Begrenzung auf einen Fall ist dann sinnvoll, wenn individuelle Perspektiven (z. B.: Wie nimmt ein Jugendlicher eine Stresssituation wie die bevorstehende Matura wahr), komplexe Phänomene wie Deutungsmuster (z. B.: Wie wird ein außergewöhnliches Ereignis wie eine Gerichtsverhandlung mit prominenten Angeklagten in der Tagespresse rezensiert und interpretiert), Handlungsmuster (z. B.: Wie gehen Kinder mit einer unbekannten Situation wie dem ersten Schultag um), individuelle Entwicklungsverläufe (z. B.: Was verändert sich für einen Jugendlichen, wenn er anfängt, jeden Tag Sport zu machen) oder Prozesse (z. B.: Wie läuft die Vorbereitung für ein Schuljahr im Ausland ab) von Interesse sind. Im Gegensatz zu einer quantitativen Umfrage, die über große Stichproben Erkenntnisse über die Allgemeinheit gewinnen will, wird in der Einzelfallstudie durch die Erfassung vieler Details versucht tiefgreifende Erkenntnisse über den einen Fall zu bekommen.4 Das heißt, dass in der Einzelfallanalyse auch viele Daten erhoben werden, allerdings nur von einem Fall.

Für eine VWA kann ein Fall ausgewählt und beschrieben werden. Man kann aber auch zwei oder drei Fälle auswählen und einen Fallvergleich vornehmen.

Vorgehen, Dokumentation und Auswertung

Ausgangspunkt der VWA ist die Fragestellung und ihre Beantwortung. Nur wenn man weiß, was man untersuchen möchte, kann man sinnvolle Entscheidungen zu Vorgehen und Methode treffen. Wesentlich ist, dass die Einzelfallanalyse in einen theoretischen Rahmen eingebettet wird. Dazu gehören Begriffsklärungen und die Anbindung an Literatur.
Folgend sind die wichtigsten Entscheidungsschritte aufgelistet:

1. Fragestellung
Formulierung der Fragestellung: Was soll herausgefunden werden, was also mit der Fallanalyse bezweckt werden?

2. Fallauswahl
Nun muss ein Fall ausgewählt werden. Es kann sich um einen typischen oder außergewöhnlichen Fall handeln (je nach Fragestellung). Das heißt, es ist zu entscheiden, WORÜBER man mehr wissen und WAS man untersuchen möchte.

3. Fallabgrenzung
Wenn man weiß, WAS man untersuchen möchte, muss überlegt werden, wie dieser Fall abzugrenzen ist. Handelt es sich z.B. um eine Person, gilt es festzulegen welchen Aspekt man in welchem Kontext untersuchen möchte. Handelt es sich um eine Situation oder Prozess, muss man sich Gedanken machen, was die Situation/den Prozess ausmacht, wann Start und Endpunkt sind, wer beteiligt ist, etc.

4. Methodenauswahl und Methodenmix
Prinzipiell stehen alle Methoden der empirischen Sozialforschung zu Verfügung. Je nach Fragestellung kann man messen, beobachten, interviewen, Dokumente analysieren und auch verschiedene Methoden mixen.

5. Dokumentation
Unabhängig von der Methodenauswahl müssen alle Methoden und Vorgehensweisen systematisch und nachvollziehbar dokumentiert werden. Das heißt durch nummerierte Transkripte, Aufzeichnungen, Notizen, Videomaterial etc. Diese können, wenn Umfang und Datenschutz es gestatten, im Anhang der VWA veröffentlicht werden. Umfangreiche Transkripte finden sich üblicherweise nicht im Anhang.

In denjenigen Teilen der VWA, in denen mit Literatur gearbeitet wurde, muss die verwendete Literatur klar ausgewiesen und die Literaturauswahl begründet werden.
Die Methode und die Vorgehensweise werden im Hauptteil der Arbeit beschrieben.

6. Auswertung
Die Ergebnisse müssen in einem eigenen Kapitel präsentiert und analysiert werden. Die Auswertung der Daten erfolgt gemäß der verwendeten Forschungsmethode. Insgesamt geht es darum, die erhobenen Daten zu interpretieren. Dabei sind immer genaue Verweise auf das Datenmaterial anzugeben (z. B.: „Tagebuchmessung 3, S. 7„ oder „Interview 1, S. 5, Zeile 7”).

 

Beispiel: Wie geht ein Jugendlicher mit einer Stresssituation - am Beispiel der Matura - um?

Ad 1 und 2) Zu dem Fall gehören der Jugendliche, die Matura und alles aus seinem Umfeld, das unterstützend oder stressend sein könnte. Eine Abgrenzung kann daher erst erfolgen, wenn man erste Informationen zum Fall hat (z. B.: durch Literaturrecherche zu „Umgang mit Stress” oder/und ein Interview).

Ad 3) Da das Interesse in dem individuellen Umgang und der subjektiven Einschätzung des Jugendlichen liegt, bietet es sich an, ein oder mehrere Interviews zu verschiedenen Zeitpunkten mit dem Jugendlichen und eine Beobachtung durchzuführen (z. B. der Jugendliche vor, zwischen und nach der Matura). Eine Dokumentenanalyse der Zeugnisse, Beurteilungen und Einschätzungen von Lehrer/innen könnten den Fall ergänzen. Als weitere Datenerhebung könnte der Jugendliche ein Tagebuch führen, in dem er anhand einfacher Messskalen seinen Stresslevel, seine Befindlichkeit oder Ähnliches in Verbindung mit der Matura misst und dokumentiert.

Ad 4) Das Interview muss aufgenommen und zentrale Aussagen müssen transkribiert werden. Die Beobachtungen müssen in Form von Protokollen festgehalten werden. Die Dokumente müssen gesammelt und nummeriert werden. Das Tagebuch kann anhand von statistischen Methoden ausgewertet werden, wenn quantitative Skalen verwendet wurden. Diese Dokumentation ist wichtig, da in der Arbeit systematisch auf die Daten verwiesen werden muss (das heißt mit Angabe zu Art der Daten und genaue Seite; z. B.: „Interviewtranskript 2, Seite 4, Zeile 15”).

Ad 5) Ergebnisse in diesem Fall sind, welche konkreten Handlungen dieser Jugendliche setzt, um mit der Matura umzugehen. Dabei kann auf alle erhoben Daten verwiesen werden (z. B.: Aussagen aus Interviews, notierten Beobachtungen, Auszüge aus Dokumenten, …).

Führt man die unterschiedlichen Ergebnisse zusammen, können folgende Fragen hilfreich sein:

  • Versteht man unter Berücksichtigung aller Daten die Einschätzungen, Perspektiven und Handlungsweisen der beteiligten Personen des Falles (im oberen Beispiel wären dies die Gedanken des Jugendlichen)?
  • Welche Gründe und Ursachen lassen sich in den Daten für das Sosein5 des untersuchten Falles finden (im oberen Beispiel das Sosein des Jugendlichen)?
  • Warum sind die Gegebenheiten (in oberem Beispiel wären dies die Handlungen und Gefühle des Jugendlichen) genau so und nicht anders? Welche Hinweise finden sich dazu in den Daten?
  • Wie stehen die Informationen in Beziehung zueinander? Gibt es z. B. Widersprüche oder Irritationen zwischen den untersuchten Quellen?

1 Hering, Linda/Schmidt, Robert J. : Einzelfallanalyse. In Baur, Nina/Blasius, Jörg (Hrsg.): Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung. Wiesbaden: Springer, 2014, S. 529.
2 ebda., S. 529.
3 Mayring, Philipp: Einführung in die Qualitative Sozialforschung. Weinheim: Beltz Studium, 2002, S. 41.
4 Bude, H. Fallrekonstruktion. In: Bohnsack, Ralf/Marotzki, Winfried/Meuser, Michael (Hrsg.): Hauptbegriffe Qualitativer Sozialforschung. Opladen: Leske+Budrich, 2003, S. 60.
5 Bude, H. (2003): Fallrekonstruktion. In: Bohnsack, R.; Marotzki, W. und Meuser, M. (Hrsg.): Hauptbegriffe Qualitativer Sozialforschung. Opladen: Leske+Budrich, S. 60.

Allgemeiner Teil

Experimente spielen in der Wissenschaft eine große Rolle¹. Mittels Experimenten wird gewissermaßen „die Natur befragt“, um Antworten auf ein „Warum?“, „Wodurch?“, „Wie?“ zu erhalten, neue Sachverhalte zu erforschen (Daten zu erheben) und angenommene Kausalzusammenhänge hinsichtlich ihres Wahrheitsgehaltes zu überprüfen.

Experimente bestehen einerseits in systematischen Beobachtungen und andererseits in aktivem, planmäßigem Verändern bestimmter Variablen unter Ausschaltung bzw. zumindest Kontrolle eventueller Störfaktoren.

In Bezug auf die Einflussnahme werden verschiedene Variablen unterschieden, und zwar:

  • Unabhängige, verursachende Variablen (UV): Sie werden im Experiment von den Forscher/innen manipuliert und sind Gegenstand der Untersuchung.
  • Abhängige Variablen (AV): Sie werden im Experiment beobachtet/untersucht und sind von den unabhängigen Variablen abhängig.
  • Störvariablen (SV): Sie werden im Experiment kontrolliert und haben, wie die unabhängige Variable, ebenfalls Einfluss auf die abhängige Variable. Sie stören deshalb, machen Schlussfolgerungen von der unabhängigen zur abhängigen Variablen missverständlich. Beispiele für mögliche Störfaktoren: Alter, Geschlecht von untersuchten Personen, Vorwissen zum Thema, Tageszeit, Geräuschpegel …

Haben Forscher/innen also z. B. eine bestimmte (Arbeits)Hypothese entwickelt, so können sie diese unter Umständen mit einem entsprechenden Experiment überprüfen, in welchem sie die verursachende Variable (UV) gezielt ändern und die Auswirkung(en) dieses Vorganges in Hinblick auf die abhängigen Variablen (AV) untersuchen.

Um brauchbare Ergebnisse zu erhalten, darf in ein und demselben Experiment maximal eine unabhängige Variable auftreten. Abhängige Variable darf es mehrere geben, da die Veränderung der unabhängigen Variablen unter Umständen verschiedene Auswirkungen haben kann.

Beispiel 1: Wie beeinflusst die Temperatur das Lösungsverhalten von Kohlenstoffdioxid in Wasser?
Unabhängige Variable (wird variiert): Temperatur
Abhängige Variable (wird beobachtet/gemessen): Lösungsverhalten von Kohlenstoffdioxid
Störvariable: Luftdruck, pH-Wert der Lösung …

Beispiel 2: Wie beeinflusst Alkoholgenuss das Reaktionsvermögen?
Unabhängige Variable (wird variiert): konsumierte Alkoholmenge
Abhängige Variable (wird beobachtet/gemessen): Reaktionsvermögen
Störvariable: Alter, Geschlecht, Tagesverfassung

Je nach Forschungsumgebung werden Laborexperimente (in speziellen, von Forschenden erstellten, künstlichen Umgebungen mit hoher Kontrollmöglichkeit) und Feldexperimente (in natürlichen Umgebungen mit relativ geringen Kontrollmöglichkeiten) unterschieden.

Je nach Art der Zuordnung von Versuchspersonen/Testmaterialien zu Versuchsbedingungen liegen randomisierte Experimente oder Quasi-Experimente vor. Im ersten Fall erfolgt die Zuweisung in Test- und Kontrollgruppen durch Zufall, im zweiten Fall hingegen planmäßig.

Beispielsweise ist es in klinischen Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit/Verträglichkeit bestimmter Medikamenteninhaltsstoffe üblich, Patient/inn/en auf zwei oder mehrere Gruppen aufzuteilen und die Gruppen miteinander zu vergleichen, um personenbezogene Störvariable möglichst auszuschalten. Eine Gruppe erhält das Medikament, die andere Gruppe bekommt ein Placebo. In einer randomisierten Studie würde nun die Zuweisung der Patienten in eine der beiden Gruppen nach einem Zufallsprinzip erfolgen, in einem Experiment hingegen nach bestimmten Kriterien (einem gewissen Alter, bestimmten Geschlecht, …).

Experimente werden – wie andere Forschungsmethoden auch – danach beurteilt, wie valide, reliabel, objektiv und überprüfbar sie sind.

  • Ein Experiment gilt als valide (gültig, tauglich), wenn es in einem hohen Grad auch das misst, was gemessen werden soll.
    • Von interner Validität wird gesprochen, wenn die gemessene Veränderung der abhängigen Variablen ausschließlich auf Veränderung der unabhängigen Variablen beruht und Störfaktoren möglichst konstant gehalten bzw. ausgeschlossen werden konnten.
    • Eine hohe externe Validität ist gegeben, wenn sich der beobachtete, kausale Zusammenhang verallgemeinern lässt. Feldexperimente haben im Allgemeinen eine höhere externe Validität als Laborexperimente, da sie in natürlichen Umgebungen stattfinden und sich die ermittelten Ursache-Wirkungs-Beziehungen besser verallgemeinern lassen. Werden die Untersuchungen zu den Auswirkungen von Alkoholgenuss auf das Reaktionsvermögen somit in natürlichen Umgebungen vorgenommen, etwa im Stammlokal der Untersuchten, so sind die Ergebnisse realitätsnäher, lassen sich über die Stichprobe hinaus besser verallgemeinern/übertragen, haben eine hohe externe Validität. Aber wurde auch wirklich nur das gemessen, was gemessen werden soll?
  • Ein Experiment gilt als reliabel (zuverlässig), wenn es unter gleichen Bedingungen zu gleichen Resultaten führt.
  • Es ist objektiv, wenn unter gleichen Bedingungen auch unabhängig von den jeweiligen Experimentierenden gleiche Resultate erhalten werden.

Experimente können, auch abhängig davon, ob es sich um natur- oder geisteswissenschaftliche Experimente handelt, sehr unterschiedlich sein. In allen Fällen werden sie aber von den folgenden Faktoren bestimmt:

  • den Forscher/innen,
  • den Versuchspersonen bzw. den Versuchsobjekten,
  • der Versuchsanordnung und
  • der Durchführung.

Ablaufphasen

Experimente verlaufen im Allgemeinen in drei Phasen: der Planungs-, Durchführungs- und Auswertungsphase.

  • Die Planungsphase ist für den weiteren Verlauf des Experiments bestimmend und daher sehr wichtig. Sie besteht im Klären der folgenden Fragen und Erstellen eines detaillierten Versuchsplans:
    • Welches Ziel soll mit dem Experiment verfolgt werden? Was genau soll mithilfe des Experiments im jeweiligen wissenschaftlichen Gebiet geklärt werden?
    • Wie und womit soll die Hypothese überprüft werden? Was genau soll gemessen, welche Daten sollen erfasst werden? Mit welcher Versuchsanordnung sollen die abhängigen Variablen erfasst werden? Welche Geräte und Materialien werden gebraucht?


      Beispiel aus dem naturwissenschaftlichen Bereich:
       Fragestellung: Welches Lösungsverhalten zeigt Kohlenstoffdioxid in Wasser in Abhängigkeit von der Temperatur bzw. präziser formuliert: Löst sich Kohlenstoffdioxid bei 30° Celsius Wassertemperatur schlechter in Wasser als bei 15° Celsius?
      Arbeitshypothese (Vermutung nach Aktivierung von Vorwissen): Kohlenstoffdioxid löst sich mit steigender Temperatur zunehmend schlechter in Wasser.

    • Soll nur eine oder sollen nacheinander mehrere unabhängige Variablen verändert werden? In welchen und wie vielen Stufen sollen sie variiert werden?
    • Welche Störvariablen  treten auf (ev. Umwelteinflüsse …), wie können sie ausgeschaltet, minimiert, konstant gehalten, parallelisiert bzw. randomisiert werden?
    • Welche Fehler könnten auftreten?
    • Welcher Zeitrahmen steht zur Verfügung?
    • Bei Gruppenarbeit: Wie ist die Aufgabenverteilung zu gestalten?
    • Bei soziologischen/psychologischen Experimenten ist zudem zu klären: Welche Personengruppe(n) soll(en) untersucht werden (die Gesamtheit der Zielgruppe oder nur Stichproben)? Welche Personen sollen der Experimentalgruppe zugeordnet werden und welche der Kontrollgruppe? Durch welches Verfahren soll die Zuteilung der Personen erfolgen (per Zufall oder planmäßig)?
  • In der Durchführungsphase gilt es den Versuchsplan umzusetzen. Dazu müssen bei naturwissenschaftlichen Experimenten Chemikalien und Laborgeräte bereitgestellt, Apparaturen standfest aufgebaut und die Experimente unter Beachtung aller Sicherheitsvorkehrungen ausgeführt werden.

Alle Schritte sind penibel zu protokollieren. Schließlich sollten die Experimente anhand der Aufzeichnungen zu einem anderen Zeitpunkt/von einer anderen Person wiederholt werden können bzw. können die Unterlagen bei einer eventuellen Fehlersuche hilfreich sein.

Naturwissenschaftliche Protokolle beinhalten üblicherweise die folgenden Punkte:

  • Überschrift/Titel des Experiments
  • Aufgaben- bzw. Fragestellung, Einleitung
  • Chemikalien/Laborgeräte
  • Durchführung
  • Ergebnisse
  • Diskussion der Ergebnisse
  • Verwendete Literatur

In der Auswertungsphase sind die erhaltenen Daten gemäß dem Versuchsplan – und unter Umständen statistisch – zu erfassen, zu interpretieren, zu bewerten sowie zu diskutieren. Letzteres auch etwa in der Art: Sind Fehler aufgetreten? Wenn ja, in welcher Größenordnung? Wie zuverlässig sind die Messergebnisse? Ist das Experiment unter Umständen zu wiederholen?

Mit dem Experiment können angenommene Kausalzusammenhänge bestätigt oder gar widerlegt und Gesetzmäßigkeiten erkannt werden. In der Wissenschaft können gewonnene Erkenntnisse als Grundlage für neue Modelle und schließlich Theorien dienen.

Mögliche Fehlerquellen

Mögliche Fehlerquellen/Probleme:
Bei wissenschaftlichen Messungen/Experimenten werden grundsätzlich drei Arten von Fehlern unter-schieden:

  • Grobe Fehler aufgrund schlechter/falscher Planung, Schlamperei (Verwechslung von Proben, Unwissen, unvollständigen Aufzeichnungen etc.)  Sie liefern mehr oder weniger falsche Ergebnisse.
  • Systematische Fehler aufgrund von z.B.  falsch geeichten Messinstrumenten, Waagen etc., schlecht geschulten Experimentierenden. Diese Experimente liefern entweder konstant zu hohe oder zu niedrige Werte. Das bedeutet, die Resultate werden in eine Richtung verschoben.
  • Zufällige (statistische) Fehler aufgrund von Schwankungen äußerer Bedingungen wie z.B. Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, ungenauem Ablesen von Skalen, Toleranzen beim Pipettieren (Ablesen/Einstellen eines Meniskus) etc. Sie liefern bei mehrmaliger Wiederholung unterschiedliche Ergebnisse (Messwerte streuen um einen Mittelwert) und können durch wiederholte Messungen verringert werden.

Bei Experimenten unter Beteiligung von Personen (soziologische/psychologische Experimente, medizinische Studien und dergleichen) sind für aussagekräftige Resultate eine ganze Reihe möglicher Fehlerquellen zu beachten und zu berücksichtigen². Einige sind in der Folge aufgelistet:

  • Mangelnde Motivation bzw. Übermotivation von Versuchspersonen,
  • Versuchsleiter/in sieht/beobachtet nur, was sie/er sehen will (Rosenthaleffekt),
  • Einfluss persönlicher Eigenschaften, Einstellungen und Meinungen von Versuchspersonen auf das Verhalten anderer (Attributierungsfehler),
  • Einflüsse der Vorher-Messung auf die Nachher-Messung (Vorher-Messung ändert möglicher-weise die Einstellung der Versuchspersonen, macht sie erfahrener),
  • Verwendung unterschiedlicher Messinstrumente, unterschiedliche Testauswertung durch verschiedene Personen (Instrumenteneffekte),
  • Einseitige Selektion (Interessenten/Nichtinteressenten),
  • Gehäuft Aussteiger (Versuchspersonen, die das Experiment vorzeitig abbrechen) aus nur einer Versuchsgruppe, z.B. der Experimentalgruppe,
  • Wirkung der Zuteilung zu Experimental- oder Kontrollgruppe (Freude bei den einen bzw. Enttäuschung bei den anderen Versuchspersonen).

¹ Vgl. Reich, Kersten Reich: Unterrichtsmethoden im konstruktiven und systemischen Methodenpool. Experiment.  http://methodenpool.uni-koeln.de/experiment/frameset_experiment.html [Zugriff: 19.08.2019].
² Schwedt, Georg: Grundlagen der quantitativen Analyse. Fehlerbetrachtung. 6. Auflage. Weinheim: Wiley-VCH-Verlag, 2009, S. 5ff.

Die Untersuchung historischer Filme ist eine sehr geeignete Aufgabenstellung für eine VWA, da sie gut eingrenzbar ist und zugleich die Möglichkeit bietet, substanzielles inhaltliches Wissen und außerordentlich relevante methodische Fertigkeiten zu zeigen. Folgende Aspekte sind dabei zu beachten:

  • Der anhaltende Geschichtsboom seit den 80er-Jahren wurde und wird ganz zentral durch filmische Geschichtsdarstellungen getragen (z. B. „Holocaust“ [1987], „Schindlers Liste“ [1993], „Soldat James Ryan“ [1998], „Gladiator“ [2000])
  • Filme mit historischen Bezügen lassen sich auf zwei Arten untersuchen: Entweder sie werden als filmische Quellen (z. B. Aufnahmen von Familienfeiern als Quelle für Alltagsgeschichte) verwendet oder als filmische Geschichtsdarstellungen (Dokumentationen oder Spielfilme). Allerdings können auch filmische Geschichtsdarstellungen zu Quellen werden, wenn dies die Fragestellung verlangt (z. B. US-amerikanische Antikenfilme der 60er- und 70er-Jahre als Metapher des Kalten Kriegs).
  • Filmische Geschichtsdarstellungen sind immer Rekonstruktionen. Selbst eine genau recherchierte Dokumentation kann niemals alle Fakten kennen. Sie zeigt daher nie, wie es „wirklich gewesen ist“, sondern muss mutmaßen, Leerstellen ausblenden oder Details glaubwürdig hinzufügen. Wie jede andere historische Darstellung ist sie notwendigerweise eine Auswahl, die durch die zeitgenössische Perspektive jener Menschen beeinflusst wird, die sie produzieren. Es gibt im Medium des Films, wie in allen anderen Medien auch, keine objektive Darstellung historischer Verläufe. Entscheidend für die Interpretation ist der zeitgebundene Kontext, in dem die filmische Darstellung entstanden ist.
  • Historische Spielfilme aber auch Dokumentationen haben immer eine bestimmte Wirkabsicht. Sie wollen etwas Bestimmtes beim Zuseher/bei der Zuseherin erreichen, etwa Emotionen, bestimmte Geschichtsbilder erwirken oder Meinungen beeinflussen. Dies trifft auch dann zu, wenn keine bewussten manipulativen Absichten zugrunde liegen. Filme lassen sich hinsichtlich ihrer inhaltlichen (Was?) und ihrer ästhetischen Umsetzung (Wie?) analysieren. Interessant ist, wie beide Seiten aufeinander bezogen sind, mit welchen Gestaltungsmitteln also welche Inhalte dargestellt werden.
  • Um filmische Darstellungen von rekonstruierter Geschichte analysieren zu können, kann man die analytische Sprache der Filmanalyse verwenden. Mit ihr ist es möglich, Szenen kleinteilig zu analysieren, Elemente zu benennen und so Wirkeffekte und -absichten herauszuarbeiten.

Wie kann man Filme analysieren?

Kontext und Grobanalyse

  • Eckdaten: Titel, Regisseur, Produzent, Drehbuchautor, Erscheinungsjahr, SchauspielerInnen, gewonnene Preise, beteiligte Länder etc.
  • Genre: Dokumentarfilm (faktisch, Faktentreue) oder Spielfilm (fiktional); heute gibt es vielfach Mischformen (z. B. Doku-Drama, Spielfilmszene in Doku, sog. Docutainment)
  • Handlungsanalyse (Plot): Handlungsverlaufskurve zeichnen (Wendepunkte, Exposition etc.), Analyse im Rahmen von Modellen wie der Heldenreise, 5-Akt-Schema oder dem Schema von Syd Field, Zeit- und Raumgestaltung, Erzählperspektive, Plot und Story vergleichen,
  • Dramaturgie: Spannungsverlauf, Einsatz filmischer Mittel zur Rezeptionslenkung und Spannungserzeugung, erzählerische Umsetzung (Diskurs vs. Plot)
  • Inhaltsanalyse: historisches Thema oder Person
  • Figurencharakteristik und -konstellation: Steckbriefe, Beziehungsnetzwerk der Figuren, Gegenüberstellung von Figureneigenschaften

Detailanalyse
Bei der Szenenanalyse wird ein kurzer Ausschnitt aus dem Film verwendet, der im Detail analysiert wird.

  • Bild:
    • Kameraperspektive: Vogel- bis Froschperspektive
    • Kameraeinstellung: Panorama, Totale, Halbtotale, Halbnah, Amerikanisch, Nah, Groß, Detail, Over-the-Shoulder-Shot, Point-of-View-Shot
    • Kamerabewegung: Kameraschwenk und Kamerafahrt
    • Schnitt: harter Schnitt, weicher Schnitt, Jump-Cut, Match-Cut, Parallelmontage, Schuss-Gegenschuss-Verfahren
    • Montage: Vermischung unterschiedlicher Darstellungen, Genres (fiktionale und nonfiktionale Szenen) oder Szenen
  • Ton und Musik: Lautstärke, Geschwindigkeit, Rhythmus, verwendete Instrumente, musikalische Motivik und Leitthemen, Verbindung von Szene und Musik, Sprache, Kommentare
  • Licht: Einsatz von Beleuchtung, Farbgebung, Kontraste, Symboliken
  • Ausstattung
  • Spezialeffekte
  • Dokumentarische Formen: Bildmaterial, Zeitzeugeninterviews, Archivmaterial etc.

Zur Analyse lässt sich ein sogenanntes Sequenzprotokoll erstellen. Selbst die Analyse sehr kurzer Sequenzen ist mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden, dies trifft besonders auf den modernen Spielfilm aufgrund der raschen Schnittfolge zu. Daher sind solche Analysen nur für Schlüsselszenen zu empfehlen. Ein Beispiel für ein solches Sequenzprotokoll könnte etwa so aussehen:

Einstellung (#)DauerKameraperspektive, -einstellung und -bewegungWas sieht man?Was hört man?

Wie lässt sich die Analyse weiterverwenden?

Die Filmanalyse ist das Handwerkszeug zur Zerlegung audiovisueller Darstellungen. Sie ist aber kein Selbstzweck, sondern stellt die Grundlage dar, auf deren Basis das filmische Material entsprechend einer spezifischen Forschungsfrage bearbeitet wird. Das Ziel ist es, filmästhetische Umsetzung und Inhalte auf einen bestimmten Kontext zu beziehen. Beispiele dafür können etwa sein:

  • Filmästhetische/-historische Fragestellungen: Inwiefern lässt sich bei dem audiovisuellen Material von einem bestimmten Stil/Genre, einer bestimmten künstlerischen Innovation etc. sprechen? Sind die filmästhetischen Mittel für den filmgeschichtlichen Kontext, das Genre, den Regisseur/die Regisseurin (un-)typisch? Lässt die filmästhetische Umsetzung Rückschlüsse auf den wirtschaftlichen (Miss-)Erfolg, die Rezeption oder die Publikumserwartung zu?
  • Soziologische Fragestellungen: Welches gesellschaftliche Thema, welcher Sachverhalt, welche Problemlage, welcher Konflikt werden dargestellt? Welche Zuschreibungen (Sympathie, Opfer/Täter, Stereotypen, Vorurteile etc.) inszeniert der Film? Inwiefern entwirft der Film Lösungen? Mit welchen filmästhetischen Mitteln werden wissenschaftliche Theorien vereinfacht und populär dargestellt?
  • Politische Fragestellungen: Welche politische Gesamtaussage hat der Film im Entstehungskontext? Welche Faktoren mit politischen Implikationen (Fördergeber, Auftraggeber, politische Ansichten des Regisseurs etc.) haben den Film beeinflusst? Welche filmästhetische Mittel werden genutzt, um eine bestimmte politische Wirkung implizit oder explizit zu erzielen (v. a. etwa Symboliken)? Inwiefern werden in dem Film ideologische Einflüsse sichtbar?
  • Historische Fragestellungen: Wie werden historische Prozesse hinsichtlich einer bestimmten Gesamtaussage oder Wirkabsicht dargestellt und abgeändert? Welche filmästhetischen Mittel werden eingesetzt, um historische Ereignisse zu dramatisieren? Welche Authentifizierungsstrategien werden verwendet, damit die filmische Darstellung sich als glaubhaft präsentiert? Welche Geschichtsbilder werden aus welchen Gründen präsentiert?

Literatur:
Ammerer, Heinrich: Filmanalyse. Arbeitsblätter für einen kompetenzorientierten Geschichtsunterricht. Schwalbach/Ts., 2016.Beicken, Peter: Wie interpretiert man einen Film? Stuttgart, 2004.
Fischer, Thomas / Schuhbauer, Thomas: Geschichte in Film und Fernsehen. Theorie – Praxis – Berufsfelder. Wien u. a., 2016.
Ganguly, Martin: Filmanalyse. Stuttgart, 2011.
Kleinhans, Bernd: Filme im Geschichtsunterricht – Formate, Methoden, Ziele. St. Ingbert, 2016.

Literarische Texte – im engeren Sinn epische, dramatische und lyrische Texte – sind fiktional, sie sind intertextuell und sie sind mehrdeutig. „Was Leser/innen wahrnehmen, ist nicht die Bedeutung, sondern es sind Zeichen. Bedeutung erhalten diese Zeichen, indem ihnen die Leser/innen Bedeutung zuschreiben, und zwar eine oder mehrere mögliche Bedeutungen.“1 Die Interpretation literarischer Texte ist nicht beliebig, sondern hängt vom Text selbst, seinen Entstehungsbedingungen, und vom Wissen, von den Haltungen, von der Lesesozialisation der Leser/innen ab. Beliebig wird die Deutung, wenn sie nicht mehr am Text belegbar ist. Eine plausible und gültige Deutung wird nachvollziehbar argumentiert und am Text belegt. Um die Bedeutungen eines Textes zu erschließen, bieten sich unterschiedliche methodische Zugänge an. Entscheidend für die Wahl der jeweiligen Methode sind Erkenntnisinteresse und -ziel. Was will der/die Interpret/in vom Text wissen? Eine Methode bezeichnet den eingeschlagenen Weg oder die Untersuchungsweise, die der Beantwortung einer wissenschaftlichen Frage dient. 2

Eine Auswahl literaturwissenschaftlicher Methoden im Überblick:3

Gruppe 1: Methoden, welche die thematischen und ästhetischen Dimensionen eines Textes freilegen. Hier steht der Text im Zentrum.

  • Hermeneutik
  • Strukturalismus
  • Werkimmanenz
  • Intertextualität
  • komparatistische/vergleichende Methode
  • literarische Übersetzung

Gruppe 2: Methoden, welche die gesellschaftliche Relevanz eines Textes ergründen. Hier steht der historische, soziale, kulturelle Kontext im Zentrum.

  • sozial- und kulturgeschichtliche Ansätze
  • feministische Literaturtheorie
  • Gender Studies

Gruppe 3: Methoden, welche die humanwissenschaftliche Bedeutung eines Textes feststellen. Hier stehen Autor/in und Leser/innen im Zentrum.

  • Rezeptionsästhetik

Meist wird eine bewusste, zielgerichtete Verschränkung verschiedener methodischer Herangehensweisen praktiziert.

Verankerung im Lehrplan Deutsch der AHS Oberstufe:

Die literarische Bildung stellt neben der mündlichen, der schriftlichen und der Textkompetenz, sowie der medialen Bildung und der Sprachreflexion einen wesentlichen Bereich im Deutschlehrplan der AHS-Oberstufe dar. Sie „hat den Schülerinnen und Schülern möglichst vielfältige rezeptive, analytische, produktive und kreative Zugänge zu ästhetischen Texten aller Medienformate und unterschiedlicher Kulturen zu bieten. Die Schülerinnen und Schüler sollen […] lernen, […] eine eigenständige Interpretation sowie ästhetisches und kritisches Urteilsvermögen zu entwickeln und unterschiedliche Rezeptionshaltungen zu reflektieren. Die Analyse von Besonderheiten ästhetischer Texte und ihrer Entstehungsbedingungen sowie die Einordnung von Texten in den kulturellen und historischen Kontext sind anzustreben.“4 Unter den konkreten Bildungs- und Lehraufgaben werden hier genannt: unterschiedliche Ansätze der Textanalyse erproben und anwenden; Interpretationen auf Basis von Textbeschreibung, Kontexten und Sekundärliteratur vornehmen; verstehen, auf welche Weise Texten Bedeutung zugeschrieben wird: über unterschiedliche Ansätze der Textinterpretation verfügen.5

 

1 Der Text im Fokus 

1.1. Hermeneutik

Welchen Sinn hat ein Text?

Auf welche Arten/Auf wie viele Arten kann ich einen Text verstehen?

Welche Vorverständnisse, welche Verstehensklischees, welches Weltwissen prägen den/die Leser/in?

Die Hermeneutik als Lehre des Verstehens stellt die theoretische Basis jeglicher Interpretation dar. Ursprünglich war das Ziel der Hermeneutik, den vom Autor gemeinten Sinn eines Textes zu erschließen. Diese Herangehensweise wurde jedoch erweitert angesichts der Erkenntnis, dass „der Sinn eines Textes seinen Autor“6 immer übertreffe. Die literarische Hermeneutik geht heute vom Vorverständnis des Lesers/der Leserin aus. Das Lesen eines Textes wirft aufgrund seiner Mehrdeutigkeit Fragen auf. Man sammelt Informationen, beispielsweise über die Entstehung des Textes, die historische Epoche, die sozioökonomischen Rahmenbedingungen des Autors/der Autorin. Meist ändert sich dadurch der Blick auf den Text. Nach abermaligem Lesen entstehen neue Fragen und man sucht abermals Informationen, um den Text besser zu verstehen. So entsteht ein Kreislauf, also ein Verstehens- und Auslegungsprozess, in dem der/die Leser/in den Text immer besser und differenzierter versteht und in der Folge interpretiert. Dieser Prozess wird hermeneutischer Zirkel, zutreffender eigentlich hermeneutische Spirale, genannt, „das Wechselspiel zwischen den beiden Horizonten des Textes und des Lesers, die sich gegenseitig verändern“.7

1.2. Strukturalismus

  • Wie ist der Text aufgebaut?
  • Wann, wo, wie oft werden bestimmte Zeichen/Wörter eingesetzt?
  • Wie ist die Sprache eines Textes?
  • In welchen Beziehungen stehen die Wörter eines Textes zueinander?

Im Gegensatz zur Hermeneutik geht es nicht um die Frage nach dem Sinn eines Textes, sondern um dessen formale Grundstruktur, wobei ein Text als ein von seinem (Entstehungs-)Kontext unabhängiges, geschlossenes System von Zeichen gesehen wird. Untersucht werden Sprache – Wörter, aus denen der Text besteht, und ihre Häufung, Satzbau, Rhetorik – sowie Struktur und Aufbau des Textes, um daraus Schlüsse für die Interpretation ziehen zu können. Dies kann beispielsweise der Bestimmung der Gattungszugehörigkeit eines Textes dienen. Bei hybriden Texten kann anhand der strukturalistischen Methode festgestellt werden, aus welchen Gattungen bestimmte sprachliche oder Erzählmuster stammen.

Beispiel:

Inwieweit folgt der Jugendroman „Tschick“ (Wolfgang Herrndorf, 2010) dem erzählerischen Muster der Heldenreise, wie sie von Joseph Campbell und in weiterer Folge Christopher Vogler auf der Grundlage von antiken Mythen herausgearbeitet und beschrieben wurde? Wo weicht der Roman von dem Schema ab? Was bedeutet das für die Interpretation des Romans?

1.3. Werkimmanenz

  • Welche Themen, Stoffe und Motive werden im Text verarbeitet?
  • Wie werden Räume und Zeitstrukturen dargestellt?
  • Wie werden Figuren charakterisiert?
  • Welche sprachlichen bzw. rhetorischen Mittel kommen im Text vor?

Diese literaturwissenschaftliche Methode bezweckt die Texterschließung „aus sich selbst“, ausgehend von der Annahme, Form, Inhalt und Sprache bilden eine Einheit. Ihre zentrale Maxime lautet, „dass wir begreifen, was uns ergreift“8, was uns emotional berührt oder verstört. Für die Analyse und Interpretation werden keine weiteren Materialien oder Quellen herangezogen. Die Analyse von Sprache, Form, Komposition und Struktur steht im Vordergrund, beispielsweise können bei erzählenden Texten Erzählperspektive, Figurenkonstellation, Zeitstrukturen, Raumdarstellungen, Verhältnis von Titel und Text, Themen, Stoffe und Motive analysiert werden. Die werk- oder textimmanente Methode dient auch zur Klärung der Frage, welcher Gattung ein Text zuzuordnen ist.

Beispiel:

In der Kurzgeschichte „Im Spiegel“ (Margret Steenfatt, 1984) kommt in der ersten Hälfte des Textes zehnmal der Begriff „nichts“ vor. Wie kann man diesen Begriff zu den im Text verhandelten Themen bzw. zur Hauptfigur in Beziehung setzen? Wie verhält sich der Leitbegriff zum Titel der Kurzgeschichte?

1.4. Intertextualität

  • Wie greifen unterschiedliche Texte ineinander?
  • Wie bereichern unterschiedliche Texte einander?
  • Welche Bücher liest der/die Protagonist/in eines Romans und welche Rückschlüsse lässt dies zu auf deren/dessen Charakterisierung?

Intertextualität meint ein Bezugssystem, in dem alle Texte miteinander verbunden sind. Intertextuelle Ansätze untersuchen das Verhältnis eines Textes zu anderen Texten. Dabei ist unerheblich, ob dies vom Autor/von der Autorin intendiert ist oder nicht. Intertextuelle Verfahren sind offene oder „kryptische“ Zitate und Verweise auf andere Texte (dazu zählen auch Bilder, Filme, Musikstücke, Kunstwerke…), Montage, Parodie, Travestie oder Anspielungen. Intertextuelle Bezüge entstehen auch über Themen, Stoffe und Motive. Intertextuelle Analyseverfahren können neue Textschichten und Dimensionen, neue Bedeutungen, also die Komplexität und Vielschichtigkeit eines Textes offenlegen.9

Beispiel:

In Isabel Abedis Jugendroman „Isola“ (2007) wird an einem Wendepunkt der Handlung der komplette Liedtext des Songs „God is a DJ“ zitiert. Welche Bedeutung hat der zitierte Text für die Figuren, für die Handlung, für die im Roman verhandelten Themen?

1.5. komparatistische/vergleichende Methode

  • Wie werden Themen, Stoffe und Motive in unterschiedlichen Texten konkretisiert?

Texte können in unterschiedlicher Weise verglichen werden. Im eigentlichen Sinn versteht man unter Komparatistik die Wissenschaft von den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Literatur verschiedener Kulturen.

Beispiel:

Die Jugendromane „Superhero“ (Anthony McCarten, 2005), „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (John Green, 2012) und „Bevor ich sterbe“ (Jenny Downham, 2007) zählen zur Subgattung Sick-Lit, in allen drei Romanen geht es um todkranke Jugendliche. Die Romane können dahingehend untersucht werden, welche Strategien die Erkrankten haben, um mit der Krankheit umgehen zu können.

1.6. literarische Übersetzung10

Übersetzung im engeren Sinn meint die Wiedergabe eines Textes in einer anderen Sprache, interlinguale Übersetzung. In einem weiteren Sinn kann Übersetzung auch die Übertragung eines Textes in ein anderes Medium – intermediale Übersetzung – bedeuten, beispielsweise die Verfilmung eines Romans, oder die Übersetzung von Texten innerhalb derselben Sprache – intralinguale Übersetzung –, beispielsweise die Übertragung eines mittelhochdeutschen Textes in die Standardsprache. Schließlich kann es auch zu interkulturellen Übersetzungen kommen, wenn es zur Begegnung zweier Kulturen kommt, und das beim Lesepublikum der Zielsprache zu Verständnisproblemen führen könnte. Aufgrund ihrer Vieldeutigkeit (Polyvalenz) stehen Übersetzer/innen in ihrer Tätigkeit vor folgenden Fragen:

Wenn nicht alle formalen Eigenschaften eines Textes und alle seine Bedeutungen übersetzt werden können, welche sind wichtiger? Was muss geopfert werden? Was muss gerettet werden? Man spricht in diesem Zusammenhang von Übersetzungsverlust bzw. Übersetzungsgewinn.

  • Welche Lösungen können für ein bestimmtes Übersetzungsproblem gefunden werden?

Literarische Übersetzung ist somit eine kreative Tätigkeit, es entstehen zwei gleichberechtigte Versionen desselben Textes, in der Ausgangssprache und in der Zielsprache. Die Übersetzung ist daher auch eine Form der Interpretation, weil sie bestimmte Bedeutungen des Ausgangstextes erst sichtbar macht.

Beispiel für interkulturelle Übersetzung (Begriffsklärung):

In „Harry Potter and the Philosopher’s Stone“ (Joanne K. Rowling, 1997) vermutet einer der Protagonisten „Perhaps people have been celebrating Bonfire Night early“. Für das jugendliche deutschsprachige Publikum, das mit Bonfire Night vermutlich nichts anfangen kann, wurde dieser Satz in „Harry Potter und der Stein der Weisen“ mit „Vielleicht haben die Leute zu früh Silvester gefeiert“ übersetzt.

 

2 Der Kontext im Fokus

2.1. sozial- und kulturgeschichtliche Ansätze

  • Wie beeinflussen soziale und kulturelle Entwicklungen literarische Texte und wie wirken literarische Texte auf die Gesellschaft?
  • Welche Funktionen haben literarische Texte innerhalb ihres gesellschaftlichen und historischen Entstehungsumfeldes?
  • Welche Informationen gibt es über den Autor/die Autorin?
  • Welche ideologischen Hintergründe gibt es für die Entstehung des Textes?
  • Welche geschichtlichen und gesellschaftlichen Faktoren spielen für die Entstehung eines Textes eine Rolle?
  • Auf welche historischen Umstände spielt der Text an?

Diese Ansätze entstanden infolge der 1968er Unruhen und in Abgrenzung zur werkimmanenten Methode und fragen nach den gesellschaftspolitischen und soziokulturellen Bezügen von Literatur. Sie basieren auf der Annahme, dass literarische Texte zwar fiktional sind, aber immer auf die gesellschaftliche Realität bzw. die außertextliche Wirklichkeit verweisen, sowohl was die Thematik (Stoffe, Motive, Figuren…) als auch Form und Stil (Genre, Erzähltechnik, Schreibformen, ästhetische Verfahrensweisen…) betrifft. Sozialgeschichte der Literatur fragt nach dem Milieu, der Herkunft und Sozialisation der Autor/inn/en. Sie geht der Frage nach, inwieweit die Lebensgeschichte des Autors/der Autorin für die Deutung eines Textes relevant ist. In diesem Zusammenhang ist auch von der biografischen Methode die Rede. Sie untersucht aber auch die Instanzen der Vermittlung von Literatur und fragt nach der literarischen Kommunikation insgesamt (Literaturbetrieb und -vertrieb, Verlagswesen, Zeitschriften, Leihbüchereien, Bibliotheken…). Die Analyse, Beschreibung und Interpretation von Literatur erfolgt im Kontext ihrer gesellschaftlichen Entstehungszusammenhänge. Diese Vorgehensweise wird auch textgenetische Methode genannt.

Beispiel:

Die Romane „Ich knall euch ab!“ („Give a Boy a Gun“, Morton Rhue, 2000), „Der Tag X – Die Zeit läuft“ („The Brimstone Journals“, 2001) oder „19 Minuten“ („Nineteen Minutes, Jodi Picoult, 2007) thematisieren Schulamokläufe, nachdem 1999 in Littleton (Colorado, USA) zwei Schüler an der Columbine High School zwölf Mitschüler, einen Lehrer und sich selbst erschossen haben. 2002 veröffentlicht Michael Moore seine oscar-preisgekrönte Dokumentation „Bowling for Columbine“. Hier kann man fragen, wie die Romane das Thema Schulamokläufe darstellen bzw. welche Positionen die Romane in der öffentlichen Debatte um die Verantwortung einnehmen.

2.2. feministische Literaturtheorie

  • Wann, wo, unter welchen Umständen konnten und können Frauen als Autorinnen tätig werden?
  • Über welchen Themen schreiben Frauen?
  • Wie schreiben Frauen? Schreiben Frauen anders?
  • Welche Frauenbilder werden in von Männern verfasster Literatur entworfen?

Die feministische Literaturtheorie entsteht auch im Zusammenhang mit den Studentenunruhen der 1968er Jahre im Umkreis der Frauenbewegung. Drei Arbeitsbereiche seien hier genannt: Erstens sollte mit der systematischen und historischen Erforschung der von Frauen verfassten Literatur eine Frauenliteraturgeschichte entstehen, ein Gegenkanon, also eine Erweiterung des männlich dominierten literarischen Kanons. Schreibende Frauen sollten sichtbar gemacht werden. Zweitens ging es um die Analyse der von Frauen verfassten Literatur, ausgehend von der Fragestellung, ob es eine spezifisch weibliche Ästhetik, ein genuin weibliches Schreiben gebe. Die Analyse umfasste sowohl thematisch-inhaltliche Aspekte als auch formal-stilistische Komponenten. Drittens wurden die in der Literatur entworfenen Frauenbilder untersucht, Stichwort „imaginierte Weiblichkeit“. Die Überlegung, dass Frauen als Autorinnen im Lauf der Geschichte kaum in Erscheinung treten, aber in Literatur und Kunst als Bild, Motiv und Figur überrepräsentiert sind, führte zu dem Vorhaben, diese imaginierten Frauenbilder und (männlichen) Projektionen aus einer dezidiert weiblichen Perspektive zu untersuchen und zu beschreiben. Die Frauenbildforschung zeigte, „dass die Modellierung weiblicher Figuren vielfach nach patriarchalisch-männlichen Normen funktioniert und literarische Texte mithin auch die damit festgeschriebenen gesellschaftlichen Rollenbilder bekräftigen.“11

Beispiel:

Welche Frauenbilder werden in klassischen Dramen der Weltliteratur entworfen? Wie werden Ophelia („Hamlet“, William Shakespeare, 1609), Gretchen („Faust“, Johann Wolfgang von Goethe, 1832) und Marie („Woyzeck, 1837) dargestellt?  Werden durch die Darstellung geschlechtertypische Rollenklischees stabilisiert, revidiert oder sogar dekonstruiert? Stimmen die Frauenbilder in den Dramen mit den historischen Frauenbildern überein?

2.3. Gender Studies

  • Wie ist das Verhältnis/die Ordnung zwischen den Geschlechtern in der Gesellschaft/in einer Gruppe?
  • Welche gesellschaftlichen, historischen und soziokulturellen Bedingungen gibt es für die vorherrschenden Geschlechterbeziehungen?
  • Wie werden kulturelle Entwürfe von Weiblichkeit und Männlichkeit in der Literatur konstituiert, stabilisiert und revidiert?

Auf der Grundlage der feministischen Literaturtheorien entstehen die Gender Studies. „Gender (lat. generare: erzeugen, generieren) ist im Unterschied zum biologischen Geschlecht (sexus) die kulturell oder diskursiv erzeugte Auffassung oder Vorstellung davon, was die gesellschaftlichen Rollen der Geschlechter seien.“12 Gender-Forschung umfasst auch die Untersuchung von Männlichkeitsbildern, -phantasien und -vorstellungen. Sie fragt nach den Geschlechterbeziehungen bzw. der Geschlechterordnung in der Gesellschaft oder in gesellschaftlichen Gruppen. Dabei werden sozio-kulturelle Aspekte berücksichtigt, aber auch Alltags- und Populärkultur. Ausgehend von den Gender Studies entstehen die Postcolonial Studies und die Queer-Studies, die Kategorien wie Ethnie, Rasse, Klasse, sexuelle Identität und sexuelle Orientierung einschließen. Die Analyseverfahren der Gender-Studies sind interdisziplinär und vielfältig, die fächerübergreifenden Fragestellungen integrieren Diskurse aus den Bereichen Religion, Recht, Politik, Medizin, Pädagogik und Philosophie. Dementsprechend kommen in den Gender Studies – je nach Fragestellung – unterschiedlichste Methoden zur Anwendung.

Beispiel:

Ausgehend von der Darstellung der männlichen und weiblichen Protagonisten in Grimms Märchen „Rapunzel“ (1812), dem Disney-Animationsfilm „Rapunzel – Neu verföhnt“ (Tangled, 2010) und „Rapunzels erste Liebe“ (In: Wer fürchtet sich vorm lila Lachs? Elisabeth Steinkellner, Michael Roher, 2013) kann man fragen, wie traditionelle Rollenklischees hinsichtlich Aussehen, Sprech- und Verhaltensweisen etc. verfestigt oder aufgebrochen werden.

 

3 Autor/in und Leser/innen im Fokus

3.1. Rezeptionsästhetik

  • Was bewirkt der Leser/die Leserin beim Text?
  • Was bewirkt der Text bei der Leserin/dem Leser?
  • Wie wurde ein Text im Lauf der Geschichte gelesen?
  • Wie hat sich die Rolle des Lesers im Lauf der Geschichte gewandelt?
  • Wie könnte eine historische Leserin ein Werk verstanden haben?
  • Wie formen Texte und Gattungen Wahrnehmungsstrukturen des Publikums?

Diese Theorie rückt die konstruktive Tätigkeit der Leser/innen bei der Interpretation in den Mittelpunkt. Literaturgeschichtlich betrachtet geht es darum, einen Text im Spiegel seiner Wirkungsgeschichte darzustellen. Die Potenziale eines Textes entfalten sich erst im Lauf seiner Rezeptionsgeschichte und werden dadurch bestimmt, wie ein Text gelesen wird. Aspekte wie Zensur, Erfolg und Misserfolg, Bestseller etc. können hier untersucht werden. Zentral ist hier der Erwartungshorizont des Lesers bzw. der Leserin. Damit sind Einstellungen, Grundhaltungen, aber auch literarisches Vorwissen des Lesenden gemeint. Literarische Texte enthalten Leerstellen, die in einem produktiv-konstruktiven Lesevorgang vom Leser/von der Leserin verknüpft und mit Bedeutung gefüllt werden. Wer ist dieser Leser oder diese Leserin? Die Vertreter/innen der Rezeptionsästhetik sprechen von einem impliziten Leser, der ein idealer, ein theoretischer und empirisch nicht messbarer Leser, also nicht real ist und alle Leseprozessmöglichkeiten in sich vereint.

Beispiel:

Die literarische Figur des Vampirs verändert sich von Bram Stokers „Dracula“ (1897) über Angela Sommer-Bodenburgs „Der kleine Vampir“ (1979) oder Renate Welshs „Vamperl“ (1979) bis zu Stephenie Meyers Edward Cullen aus der Twilight-Reihe (2005). Welche Leserinteressen werden im Zuge dieses Rezeptionsprozesses berücksichtigt? Welche neuen Zielgruppen werden durch die Adaptionen der literarischen Figur erschlossen? Der Vergleich lässt sich natürlich erweitern, indem man das Medium Film miteinbezieht, in dem Animationsfilm „Hotel Transsilvanien“ (2005) wird Graf Dracula als liebevoller, alleinerziehender Vater dargestellt.

Methoden und deren theoretische Grundlagen, auf die in diesem Dokument nicht eingegangen wird, da sie für eine VWA zu komplex erscheinen:

  • Positivismus
  • Poststrukturalismus, Dekonstruktion
  • Sozialgeschichte und Sozialtheorie der Literatur
  • Systemtheorie, Literatursoziologie
  • Literatur- und Kultursemiotik
  • Intermedialität
  • medienwissenschaftliche Zugänge
  • Diskursanalyse
  • Weitere Kulturwissenschaftliche Ansätze: Cultural Studies, New Historicism, Anthropologie, kultursoziologische und mentalitätsgeschichtliche Ansätze
  • psychoanalytische Methode

 

Literatur

Becker, Sabine/Hummel, Christine/Sander, Gabriele: Literaturwissenschaft. Eine Einführung. 2. erweiterte und aktualisierte Auflage. Stuttgart: Reclam, 2018.

Best, Otto F.: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele. 8. Auflage. Frankfurt am Main: Fischer, 2008.

Jeßing, Benedikt/Köhnen, Ralph: Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft. 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Stuttgart: J.B. Metzler, 2017.

Schulbücher

Aichner, Herlinde/Schörkhuber, Wolfgang: Kompetenz: Deutsch. Basisteil 6. Klasse. Sprachbuch für Allgemein Bildende Höhere Schulen. Wien: Hölder-Pichler-Tempsky, 2015. [Umfassende Informationen und Anleitungen zum Thema Literarische Übersetzungen bietet das Kapitel Sprachen übersetzen – Kulturen verstehen, S. 171-180.]

Aichner, Herlinde/Schörkhuber, Wolfgang: Kompetenz: Deutsch. Basisteil 7./8. Klasse. Sprachbuch für Allgemein Bildende Höhere Schulen. Wien: Hölder-Pichler-Tempsky, 2016. [Umfassende Informationen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen bietet das Kapitel Literarische Texte analysieren und interpretieren, S. 36-53.]

Blieberger, Gernot/Kopinitsch, Klaus/Mayer-Steflic, Karin/Toschner, Verena: TEXTwärts. Literatur und Kultur in 13 Bausteinen. 10 bis 13. Linz: Veritas, 2014. [Einen kurzen Überblick über literarische Theorien und Methoden bietet der Text Lesen, S. 82-84.]

Duden Schulgrammatik extra. 5. bis 10. Klasse. Grammatik und Rechtschreibung. Aufsatz und Textanalyse. Umgang mit Medien. 3., aktualisierte Auflage. Berlin, Mannheim, Zürich: Duden, 2009. [Sehr kompakt und übersichtlich ist das Kapitel Textanalyse, S. 85-115, der Schwerpunkt liegt auf der Analyse nach der werkimmanenten Methode.]

Mayer-Steflic, Karin et.al.: Wortwechsel. Deutsch für die Oberstufe 3. Linz: Veritas, 2018. [Eine kurze Einführung über gängige Deutungsansätze enthält das Kapitel Textinterpretation, S. 166-176.]

 

1 Aichner, Herlinde/Schörkhuber, Wolfgang: Kompetenz: Deutsch. Basisteil 7./8. Klasse. Sprachbuch für Allgemein Bildende Höhere Schulen. Wien: Hölder-Pichler-Tempsky, 2016, S. 37f.

2 vgl. Best, Otto F.: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele. 8. Auflage. Frankfurt am Main: Fischer, 2008, S. 339.

3 vgl. Becker, Sabine/Hummel, Christine/Sander, Gabriele: Literaturwissenschaft. Eine Einführung. 2. erweiterte und aktualisierte Auflage. Stuttgart: Reclam, 2018, S. 191f.

4 Rechtsinformationssystem des Bundes: Lehrpläne – allgemeinbildende höhere Schulen, Fassung vom 14.09.2019. Online unter: www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe [Zugriff: 14.09.2019]

5 ebd.

6 Jeßing, Benedikt/Köhnen, Ralph: Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft. 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Stuttgart: J.B. Metzler, 2017, S. 234.

7 ebd., S. 235.

8 Jeßing/Köhnen, 2017, S. 240.

9 vgl. Becker/Hummel/Sander, 2018, S. 225-229; Jeßing/Köhnen, 2017, S. 264f.

10 vgl. Aichner, Herlinde/Schörkhuber, Wolfgang: Kompetenz: Deutsch. Basisteil 6. Klasse. Sprachbuch für Allgemein Bildende Höhere Schulen. Wien: Hölder-Pichler-Tempsky, 2015, S. 172-175.

11 Becker/Hummel/Sander, 2018, S. 216f.

12 Jeßing/Köhnen, 2017, S. 288.

Geschichte existiert nicht an sich, vielmehr unterliegt sie einem Entstehungsprozess durch die/den Untersuchende/n. Erst durch die Rückprojektion auf Vergangenes aus der eigenen Gegenwart heraus, wird Geschichte geschaffen, kann Vergangenem Sinn gegeben werden.

Geschichte kann nur auf Basis von Quellen, den oftmals nur zufällig überlieferten Resten von Vergangenheit, geschrieben werden, die mittels Untersuchung, Auslegung und Erklärung einen Zugang zur Vergangenheit eröffnen können. Quellen sind aber auch selbst reflektierende Stellungnahmen einer erlebten Vergangenheit, wurden in einem bestimmten Kontext, unter bestimmten Bedingungen, von bestimmten Personen, mit einem bestimmten Ziel verfasst. Dementsprechend sind sie zu dekonstruieren, also kritisch zu analysieren und interpretieren sowie zu kontextualisieren. Die drei wichtigsten Kontexte sind dabei „der Mensch […] als biologisches, geschlechtliches, emotionales, rationales, kulturelles, soziales und individuelles Wesen, die geographischen und kulturräumlichen Gegebenheiten, unter den Menschen leben (,Raum‘), sowie die objektive und subjektive Zeit“ (Steffens/Dickerson/Schmale 2006, 18).

Durch neue Quellenfunde ebenso wie neue Fragestellungen, aus denen sich wiederum neue methodische Zugänge entwickeln, ist Geschichte ein nie abgeschlossener Prozess der Darstellung von Vergangenheit. Geschichtswissenschaft ist geprägt durch „eine ‚historische Betrachtungsweise‘ ihres Gegenstandes […], aber keine zusammenhängende, geschlossene Methode. Vielmehr nutzt sie in der bunten Vielfalt ihrer Forschungsperspektiven und theoretischen Ansätze ein ebenso breites Spektrum von Forschungsmethoden und -verfahren“ (Welskopp 2008, 132) und ist somit methodenpluralistisch. Geschuldet ist dies der Vielfältigkeit des Untersuchungsmaterials ebenso wie der ständigen Reflexion der oft unsicheren Ergebnisse sowie deren Zustandekommen, die nicht wie in einem naturwissenschaftlichen Experiment exakt wiederhol- und überprüfbar sind. Die wichtigsten und auch heute noch gebräuchlichen geschichtswissenschaftlichen Ansätze werden im Folgenden kurz dargestellt:

1. Historismus und Historik

Mit der historiografischen Schule des Historismus entwickelte sich im 19. Jahrhundert die Geschichtsschreibung zur wissenschaftlichen Disziplin, basierend auf der historischen Hermeneutik, oft auch einfach als „historische Methode“ bezeichnet, die für lange Zeit zur dominanten Untersuchungsmethode in der Geschichtswissenschaft wurde. Im Unterschied zum „erklärenden“ Ansatz der Naturwissenschaften ist bei der historischen Hermeneutik das „forschende Verstehen“ zentral. Nach Johann Gustav Droysen (1808–1884), einem der bedeutendsten Historiker und Geschichtstheoretiker seiner Zeit, basiert der historische Erkenntnisprozess aus der Abfolge dreier Arbeitsschritte:

1.1 Heuristik

Der erste Arbeitsschritt besteht in der Formulierung einer Fragestellung und der Überlegung, welche Aspekte und Quellen hierfür besonders relevant sein könnten. Darauf folgt die Quellensuche zur weiteren Präzisierung der Fragestellung.

Welche Quellen könnten für die Untersuchung der Fragestellung relevant sein?

1.2 Kritik

Anschließend werden die aufgefundenen Quellen einer „äußeren“ und „inneren“ kritischen Überprüfung unterzogen.

„äußere Kritik“

Untersuchung der formalen Aspekte:

  • Ist die Quelle echt?
  • Wann ist sie entstanden?
  • Wo ist sie entstanden?
  • Wer war die Verfasserin/der Verfasser?
  • War sie an Adressatinnen/Adressaten gerichtet oder diente sie rein privaten Zwecken?
  • Wer waren die möglichen Adressatinnen/Adressaten?
  • Handelt es sich dabei um eine primäre oder sekundäre Quelle?
  • Wie wurde die Quelle überliefert?
  • Wurde die Quelle (un-)vollständig überliefert?
  • Wie ist die Quelle aufgebaut?

„innere Kritik“

Kritische Auseinandersetzung mit der Informationsqualität der Quelle, der Zeitnähe, der Wahrnehmungsperspektive, der Wertungstendenz, der Vollständigkeit und Widerspruchsfreiheit:

  • Wie berichtete die Verfasserin/der Verfasser (Wortwahl, Sprache, Stil, Begrifflichkeit)?
  • Was berichtete die Verfasserin/der Verfasser?
  • Worüber wollte die Verfasserin/der Verfasser berichten? Worüber wird nicht berichtet?

Zur Klärung der Frage der Richtigkeit der Aussagen müssen diese mit anderen Angaben, also weiteren Quellen, verglichen werden.

Desgleichen ist aber auch die Überlieferungsform zu untersuchen:

  • Liegt die Quelle in Originalsprache oder Übersetzung vor?
  • Liegt die zu untersuchende Quelle ungekürzt oder gekürzt vor?

Im Anschluss daran erfolgt die Bewertung der Quelle hinsichtlich des Erkenntnisgewinns und ihrer Aussagekraft.

1.3. Die Interpretation oder die Lehre vom Verstehen bildet das Kernstück der geschichtswissenschaftlichen Erkenntnisbildung, mittels der „die aus den Quellen gewonnenen Befunde geordnet und systematisiert und mit der Fragestellung quellenkritisch und sinnbildend verknüpft werden“ (Budde/Freist 2008, 161).

Den Abschluss bildet die narrative Niederschrift, wobei vier Interpretationsschritte vorzunehmen sind, die allerdings nicht als zeitliche Abfolge, sondern als gesamtinterpretatorische Leistung der Historikerin/des Historikers zu verstehen sind, nämlich:

1.3.1 „Pragmatische Interpretation“, also der kritischen Untersuchung der Quellen durch die Herstellung von Kausalzusammenhängen, mittels der eine Rekonstruktion vergangener Handlungen und Ereignisse vorgenommen werden kann. Auf Basis der Quellenkritik werden Schlüsse gezogen, welche historischen Ereignisse oder Prozesse sich auf andere Ereignisse und Prozesse auswirkten bzw. diese bedingten.

1.3.2 „Interpretation der Bedingungen“, also den örtlichen und zeitlichen Gegebenheiten sowie den damals zur Verfügung gestandenen Mitteln. So sind etwa bei der Untersuchung einer Kriegsschlacht die geographischen Bedingungen, die technischen Möglichkeiten, die Wetterverhältnisse oder die Dauer der Schlacht zu berücksichtigen.

1.3.3 „Psychologischen Interpretation“, mittels der das Verhalten, die Handlungsweisen und die Charaktereigenschaften anderer Menschen untersucht wird,

1.3.4 „Interpretation der Ideen“, durch die ein Ereignis oder eine Handlungsweise Rückschlüsse auf die Ideenkonstellationen zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort unter bestimmten historischen Bedingungen zulässt. Die Historikerin/der Historiker deutet ein „einzelnes Ereignis oder eine bestimmte Handlung, die er beschreibt, nicht mehr nur als einzelne Geschehen oder einzelnen Akt“, sondern „versucht […] vielmehr, das Ereignis oder die Handlung als Ausdruck höherer Zusammenhänge“ (Jordan 2016, 49), auch Ideen genannt, zu interpretieren.

Der Fokus der damaligen Forschungen lag auf der politischen Geschichte, der Welt- bzw. Universalgeschichte, und jener von „großen Männern“ gemachten Geschichte, u. a. auch weil hauptsächlich Quellen über und von Personen herrschender Schichten vorlagen.

Im Mittelpunkt stand dabei die Untersuchung des Verhältnisses der Staaten untereinander, weshalb für die Forschungsarbeiten aus diesem Zeitraum auch vom „Primat der Außenpolitik“ gesprochen wird, da „die Staaten“, wie Stefan Jordan meint, „zu den eigentlichen Akteuren der Geschichte [gerieten]“ (Jordan 2016, 60).

Beispiele:

Droysen, Johann Gustav: Geschichte Alexanders des Großen. Hamburg 1833.

Mommsen, Theodor: Römische Geschichte, Bde. 1–3. Leipzig 1854–1856.

Dieser auf den Einzelfall bzw. das Individuelle gerichtete Blick geriet Mitte des 20. Jahrhunderts, beeinflusst durch die Sozialwissenschaften, zunehmend in Kritik, deren Vertreter/innen „gegen ein gewissermaßen freihändiges hermeneutisches Verstehen […] theoriegeleitetes Erklären ins Feld [führten]“ (Nathaus 2012). Mit der Frage nach dem „Vetorecht der Quellen“ beeinflusste etwa der deutsche Historiker Reinhart Kosellek (1923–2006) in den 1970er-Jahren die Diskussion über „Objektivität und Parteilichkeit in der Geschichtswissenschaft“ (Jordan 2010). Zwar werden die Möglichkeiten einer parteilichen Auslegung von Geschichte durch dieses Vetorecht auf Quellen beschränkt, die sich mittels Quellenkritik nicht eindeutig als wahr oder falsch nachweisen lassen, andererseits widerspricht Koselleck „einem naiven Objektivismus, nach dem historische Tatsachen überzeitlich – also ohne die Perspektivität des jeweiligen Historikers in seiner Zeit zu berücksichtigen – verstanden und dargestellt werden können“ (ebd.). Zwar lässt sich der Wahrheits- und Objektivitätsgehalt von Aussagen über die Geschichte verifizieren oder falsifizieren, jedoch kann die Untersuchung eines noch so umfassenden Quellenkorpus nicht zu einer „Wahrheit der Geschichte“ (ebd.) führen, da die Quellen per se nichts aussagen und erst durch die Fragestellung und Zuwendung der Historikerin/des Historikers Aussagekraft für eine bestimmte Geschichte erhalten.

2. Historische Sozialwissenschaft

Im Unterschied zur historischen Hermeneutik mit ihrer starken Fokussierung auf die politische Geschichte, auf Ereignisse, Personen, Intentionen und Handlungen, steht in der historischen Sozialwissenschaft die Untersuchung von Strukturen und Prozessen im Vordergrund. Dies ist der Erkenntnis geschuldet, „daß die Umstände mindestens so sehr die Menschen wie die Menschen die Umstände machen und daß sich Geschichte nicht zureichend als Zusammenhang von Ereignissen, Entscheidungen, Erfahrungen und Handlungen begreifen lässt“ (Kocka 1985, 170). Beeinflusst durch die Sozialwissenschaften fanden dadurch verstärkt analytische und systematisierende Verfahren Eingang in die Geschichtswissenschaft.

2.1 Strukturgeschichte

So fokussiert die Strukturgeschichte auf kontinuierliche Phänomene des Sozialen, der Ökonomie und Politik, auf die Erfassung der Menschen in ihren sozialen Interaktionen, auch unter internationaler Perspektiven. An die Stelle der streng hermeneutischen Methode trat das Postulat des Methodenpluralismus, neben das „forschende Verstehen“ jene des „Erklärens“ und der Einsatz von qualitativen als auch statistisch-quantitativen Methoden.

Beispiele:

Conze, Werner: Polnische Nation und deutsche Politik im Ersten Weltkrieg. Köln 1958.

Geißler, Raine:, Die Sozialstruktur Deutschlands. Ein Studienbuch zur Entwicklung im geteilten und vereinten Deutschland. Opladen 1992.

Duby, George: Krieger und Bauern. Die Entwicklung der mittelalterlichen Wirtschaft und Gesellschaft bis um 1200. Frankfurt am Main 1984.

2.2 Gesellschaftsgeschichte

Die Gesellschaftsgeschichte untersucht die Wechselverhältnisse dreier „voneinander weitgehend unabhängige[r] Dimensionen von Gesellschaft als Gesamtsystem – Wirtschaft, (politische Herrschaft) und Kultur“, wodurch das „Bild einer Gesamtgesellschaft zu einer bestimmten historischen Zeit“ (Jordan 2013, 111) vermittelt werden soll. Untersuchungsgegenstand sind nicht die „großen“ historischen Persönlichkeiten, sondern die kollektiven Handlungsträger, vor allem die sozialen Klassen. Theoretisch angelehnt an die Theorien von Karl Marx und Max Weber entwickelte die Gesellschaftsgeschichte die Annahme, dass die sozialen (materiellen) und nicht die ideologischen Verhältnisse die Lebenswelt der Menschen bestimmen. Das Interesse der Vertreter/innen der Gesellschaftsgeschichte galt insbesondere der Untersuchung des Verhältnisses von „Mensch und Arbeit“, den klassenspezifischen Lebens-, Kultur- und Besitzverhältnissen sowie der diesbezüglichen regulatorischen Politik. Die starke Fokussierung der Gesellschaftsgeschichte auf Strukturen führte zu der Kritik, dass dadurch das Individuum aus der Geschichte verschwinde.

Beispiele:

Wehler, Hans-Ulrich: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. 5 Bände. München, 1987–2008,

Band 1: Vom Feudalismus des Alten Reiches bis zur Defensiven Modernisierung der Reformära 1700–1815. München 1987,

Band 2: Von der Reformära bis zur industriellen und politischen „Deutschen Doppelrevolution“ 1815–1845/49. München 1987,

Band 3: Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849–1914. München 1995,

Band 4: Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914–1949. München 2003,

Band 5: Bundesrepublik Deutschland und DDR 1949–1990. München 2008.

2.3 Frauen- und Geschlechtergeschichte

Aus der ab den 1960er-Jahren im Zuge der emanzipatorischen Frauenbewegung an Bedeutung gewinnenden Frauengeschichte entwickelten sich die anfänglichen „Women’s Studies“ zur „Geschlechtergeschichte“. Die Frauengeschichte wollte einerseits aufzeigen, dass Frauen, wenngleich lange Zeit als Entscheidungsträgerinnen aus dem politischen Leben ausgeschlossen, ebenfalls eine bedeutende Rolle in der Geschichte innehatten, andererseits sollten die Mechanismen ihrer Unterdrückung und ihres Ausschlusses aus der Geschichte dargestellt werden. Daraus ging die Geschlechtergeschichte hervor, der zufolge zwischen einem biologischen „Geschlecht“ („sex“) und einem sozialen („gender“), also den gesellschaftlich und kulturell erworbenen Rollenvorstellungen, zu unterscheiden ist.

Beispiele:

Hauch, Gabriella: Frau Biedermeier auf den Barrikaden. Frauenleben in der Wiener Revolution 1848. Wien 1990.

Schmale, Wolfgang: Geschichte der Männlichkeit in Europa (1450–2000). Wien 2003.

Wunder, Heide: „Er ist die Sonn', sie ist der Mond“. Frauen in der Frühen Neuzeit. München 1992.

3. Geschichtswissenschaft in der „Postmoderne“

Ende der 1970er-Jahre begann sich die Geschichtswissenschaft wieder zunehmend dem Individuum zuzuwenden, woraus sich neue Forschungsansätze entwickelten.

Eng miteinander verbunden und nicht immer klar voneinander abgrenzbar sind dabei die historische Anthropologie, die Alltagsgeschichte und die Mikrohistorie. Gemein ist diesen methodischen Ansätzen, dass sie eine „Geschichte von unten“ postulieren.

3.1 Historische Anthropologie

So richtete die historische Anthropologie ihren Blick auf die historischen Akteurinnen und Akteure, auf den konkreten Menschen und seine Praktiken, also sein Handeln, Denken und Fühlen. Mittels dieses subjektivistischen und interdisziplinären Ansatzes sollen sowohl anthropologische Konstanten, wie Essen, Kleidung etc., als auch die Vorstellungen und Deutungen, die von diesen Konstanten entwickelt wurden, untersucht werden.

Beispiele:

Bruns, Claudia (Hrsg.): „Rasse“ und Raum. Topologien zwischen Kolonial-, Geo- und Biopolitik: Geschichte, Kunst, Erinnerung. Wiesbaden 2017.

Lüdtke, Alf (Hrsg.): Herrschaft als soziale Praxis: historische und sozial-anthropologische Studien (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 91). Göttingen 1991.

3.2 Mikrogeschichte

Im Unterschied zur Makrogeschichte, der Untersuchung großer geschichtlicher Zusammenhänge, konzentriert sich die Mikrogeschichte auf einen eng begrenzten Forschungsgegenstand mit dem Ziel, Aufschlüsse über größere Zusammenhänge zu gewinnen, indem die Erkenntnisse in einen größeren Bedeutungszusammenhang gestellt werden. Darin unterscheidet sie sich von der Lokal- und Regionalgeschichte.

Beispiele:

Ginzburg, Carlo: Der Käse und die Würmer. Die Welt eines Müllers um 1600. Frankfurt am Main 1979.

Davis, Natalie Zemon: Die wahrhaftige Geschichte von der Wiederkehr des Martin Guerre. München et al. 1989.

3.3 Alltagsgeschichte

Die Alltagsgeschichte untersucht die konkreten Lebenssituationen der Menschen, indem sie die Erkenntnisse der Gesellschaftsgeschichte über soziale Kollektive aufgreift, die Untersuchung aber mit der konkreten Lebenssituation von Menschen, die als gesellschaftliche Randgruppen oft nicht wahrgenommen werden, verknüpft. Ihr Fokus richtet sich dabei nicht auf statistische Auswertungen, sondern auf die Darstellung der individuellen Wahrnehmung der Menschen.

Beispiele:

Bauer, Ingrid: „Tschikweiber haum’s uns g’nennt …“: Frauenleben und Frauenarbeit an der „Peripherie“. Die Halleiner Zigarrenfabriksarbeiterinnen 1869 bis 1940 (= Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung, Materialien, 50). Wien 1988.

Kaschuba, Wolfgang: Lebenswelt und Kultur der unterbürgerlichen Schichten im 19. und 20. Jahrhundert (=Enzyklopädie Deutscher Geschichte V). München 1990.

Wichtig für die Realisierung der zuvor beschriebenen Forschungsansätze wurde die Untersuchungspraxis der Oral History, wodurch die Möglichkeit geschaffen wurde, nicht-schriftliche Einblicke in individuelle Erfahrungen, Eindrücke, Deutungen und Handlungen zu erlangen sowie nicht festgehaltenes Wissen dokumentierbar zu machen.

3.4 Erinnerung und Gedächtnis

In Abkehr von der strukturalistisch geprägten Sozialwissenschaft trat ab Ende der 1980er-Jahre die Debatte um die individuelle Erinnerung und das kollektive Gedächtnis in den Blickpunkt. Untersucht wird dabei der Prozess des Erinnerns, aber auch des Vergessens. Der Begriff „kollektives Gedächtnis“ (Maurice Halbwachs) bezeichnet das gemeinsame Erinnern einer sozialen Gruppe, woraus die Theorien vom „kommunikativen“ und „kulturellen Gedächtnis“ (Jan Assmann/Aleida Assmann) entstanden. Während das kommunikative Gedächtnis zeitlich begrenzt ist, etwa durch das Aussterben einer Generation, kann das kulturelle Gedächtnis aufgrund des kollektiven Erinnerns weiterbestehen. Wichtig sind hierfür Erinnerungsorte, die jedoch nicht nur geographisch verstanden werden, sondern auch Traditionen, Mythen, Institutionen oder Personen, mittels derer eine Nation erinnert.

Beispiele:

Assmann, Aleid: Der lange Schatten der Vergangenheit. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik. München 2006.

Assmann, Jan / Mulsow, Martin (Hrsg.): Sintflut und Gedächtnis. Erinnern und Vergessen des Ursprungs. München 2006.

5. Neue Kulturgeschichte

Ab den 1980er-Jahren entwickelte sich dieser interdisziplinär, international bzw. global ausgerichtete Ansatz der Kulturwissenschaft, durch die Ansicht, dass sich Vergangenheit aus den traditionellen Themen der Sozialgeschichte allein nicht erklären lasse, sondern dass kulturelle Phänomene ebenso wie politische, soziale oder wirtschaftliche zu berücksichtigen seien. Dies führte innerhalb der Strukturgeschichte zum sogenannten cultural turn. Das Kennzeichen der „Neuen Kulturgeschichte“ ist nicht „die Eingrenzung auf einen bestimmten Themenbereich, sondern […] eine Perspektivierung […], die auf Sinngebungsformen und Bedeutungsnetze zielt, mit denen Gesellschaften der Vergangenheit ihre Wirklichkeiten ausgestattet haben“ (Landwehr 2013).

Mit dem „linguistic turn“ (sprachliche Wende) trat ein „erkenntnistheoretische[r] Perspektivenwechsel“ in den Wissenschaften ein, indem „Formen unserer Anschauungen und unseres Verstandes, mit denen wir die Welt wahrnehmend deuten und die wir in Sprache ausdrücken“ (Jordan 2016, 189), Gegenstand der Untersuchung wurden. Besonders die von Hayden White sowie von Michel Foucault entwickelten Ansätze waren für die Diskussion um die Darstellungsformen von Vergangenheit von Bedeutung. Während Whites Narrativitätstheorie darauf fokussiert, in historiographischen Texten mittels literaturwissenschaftlicher Techniken die Strategien und Erzählmuster zu analysieren, mit denen Wirklichkeit produziert wird, zielt die Diskursanalyse nach Michel Foucaults Ansatz auf die Untersuchung von Diskursen, die Machtverhältnisse konstituieren, ab. Damit soll analysiert werden, wie Kommunikation unter bestimmten zeitlichen und örtlichen Gegebenheiten sowie einem bestimmten System das Denken und Handeln von Individuen sowie Gruppen determiniert und dadurch Machtverhältnissen, Gesetzmäßigkeiten und Abhängigkeiten konstituiert. Foucault geht somit davon aus, dass Sprache nicht Realitäten abbildet, sondern diese schafft, indem etwa gesellschaftliche Diskurse festlegen, wer als „normal“ und wer als „deviant“ zu gelten habe.

Beispiele:

Foucault, Michel: Wahnsinn und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft. Frankfurt am Main 1969.

Foucault, Michel: Die Ordnung der Dinge: Eine Archäologie der Humanwissenschaften. Frankfurt am Main 1971.

Meuter, Norbert: Geschichten erzählen, Geschichten analysieren. Das narrativistische Paradigma in den Kulturwissenschaften. In: Friedrich Jaeger / Jürgen Straub (Hrsg.): Handbuch der Kulturwissenschaften, Band 2: Paradigmen und Disziplinen. Stuttgart / Weimar 2004, 140–155.

Wodak, Ruth et al. (Hrsg.): Zur diskursiven Konstruktion nationaler Identität. Frankfurt am Main 1998.

6. Exkurs: Quellen und Literatur in der Geschichtswissenschaft

Historische Texte können bei entsprechender Fragestellung eine geeignete Quellengrundlage für das Verfassen einer VWA darstellen, da sie klar eingrenzbar sind und anhand ihrer Untersuchung substanzielles inhaltliches Wissen ebenso wie methodische Kompetenz gezeigt werden kann.

Ob ein historischer Text als Quelle behandelt oder als Fachliteratur herangezogen wird, hängt allerdings wesentlich von der Fragestellung ab, wie am Beispiel der Schriften Sigmund Freuds gezeigt werden soll:

Lautet die Themenstellung etwa „Symptome und Behandlung neurotischer Störungen“ fallen Freuds Schriften zur Neurosenlehre und -behandlung unter die Fachliteratur.

Lautet die Themenstellung hingegen „Sigmund Freuds therapeutisches Konzept der Behandlung von Neurosen“, so dienen seine diesbezüglichen Schriften als Quellengrundlage der Untersuchung.

Um Quellen und Literatur voneinander abgrenzen zu können, muss zunächst deren Begrifflichkeit geklärt werden:

Quellen sind Produkte jeglicher menschlichen Handlung, die über die Vergangenheit befragt werden können. Quellen können in textlicher (Schrifttum), bildlicher (Fotografien), dinglicher (Münzen, Kleidungsstücke, Bauwerke etc.) oder audiovisueller (Tonträger, Filme, Videos etc.) Form vorliegen.

Sie werden folgendermaßen kategorisiert und dementsprechend auch im Quellenverzeichnis angeführt:

6.1 Quellen

ungedruckte Quellen/Archivalien (z. B.: Schriftstücke, Dokumente, Urkunden, Akten in oder aus einem Archiv)

gedruckte Quellen (z. B. Gesetzestexte, Briefsammlungen, gedruckte Tagebücher, lateinische Textsammlungen)

Interviews

Filmografie (Verzeichnis von Filmen)

audiovisuelle Quellen (Ton- und Filmdokumente)

6.2 Literatur

6.2.1 Primärliteratur

Darunter fallen all jene Werke, die Gegenstand der wissenschaftlichen Analyse sind.

Beispiel 1: Lautet die Themenstellung also „Sigmund Freuds therapeutisches Konzept der Behandlung von Neurosen“, so sind Freuds diesbezüglich herangezogene Werke zur Primärliteratur zu zählen. Sie stellen für die Fragestellung methodisch zwar die Quellengrundlage dar, sind aus Freuds Forschungsprozess heraus entstanden und fallen daher nicht unter die Quellen.

Beispiel 2: Widmet sich das Thema der VWA etwa der Geschichte des Kochens, würden die dafür herangezogenen Kochbücher unter der Primärliteratur subsumiert werden.

Beispiel 3: Unter die Primärliteratur fallen u. a. auch alle fiktionalen Werke. Lautet die Fragestellung z. B. „Die Darstellung des Elisabethanischen Zeitalters im Werk William Shakespeares“´, würden dessen Werke unter der Primärliteratur angeführt werden.

6.2.2 Sekundärliteratur

Darunter versteht man die Forschungsliteratur, also Darstellungen, mittels derer historische Prozesse und/oder Ereignisse behandelt werden.

Beispiel 1: Lautet die Themenstellung „Symptome und Behandlung neurotischer Störungen“ fallen Freuds Schriften zur Neurosenlehre und -behandlung unter die Sekundärliteratur.

Beispiel 2: Widmet sich das Thema der Geschichte des Kochens, würden die wissenschaftlichen Arbeiten über Entwicklungen von Ernährungsgewohnheiten, Lebensmittelkunde, Veränderungen der landwirtschaftlichen Produktionsweise etc. zur Sekundärliteratur gezählt werden.

Beispiel 3: Bei der Themenstellung „Die Darstellung des Elisabethanischen Zeitalters im Werk William Shakespeares“ ist die Fachliteratur zum Elisabethanischen Zeitalter ebenso wie die Shakespeare-Biografik der Sekundärliteratur zuzuordnen.

6.2.3 Internetressourcen

Unter Internetressourcen fallen alle Veröffentlichungen auf Homepageseiten.

Davon sind jedoch Digitalisate (digitalisierte Versionen analoger Werke) ebenso wie Beiträge in wissenschaftlichen Online-Zeitschriften zu unterscheiden.

Digitalisierte Archivalien sind den ungedruckten Quellen zuzurechnen:

Beispiel: Telegramm von Kaiser Wilhelm II. an Kaiser Karl I., Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, Neue Feldakten, Armeeoberkommando Ktn. 476, Op. Geh. Nr. 2091 fol. 454, URL: https://www.oesta.gv.at/veroeffentlichungen/archivale-des-monats/spaetes-sympathietelegramm-kaiser-wilhelm-ii-an-kaiser-karl-i-.html/ (abgerufen am 12.04.2021).

Gesetzestexte sind den gedruckten Quellen zuzurechnen:

Beispiel: Bundesverfassungsgesetz vom 6. Februar 1947 über die Behandlung der Nationalsozialisten (Nationalsozialistengesetz), BGBl. Nr. 25/1947, URL: https://www.ris.bka.gv.at/eli/bgbl/1947/25/P0/NOR11000216/ (abgerufen am 12.04.2021).

Digitalisierte Fachliteratur ist der Sekundärliteratur zuzurechnen:

Bramann, Jorn B., Karl Wittgenstein – Ein Amerikaner in Wien. In: zeitgeschichte 45/1 (1974), S. 29–40, URL: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?apm=0&aid=ztg&datum=19740004&seite=00000029/ (abgerufen am: 22.02.2021).

Beiträge in wissenschaftlichen Internetzeitschriften sind der Sekundärliteratur zuzurechnen:

Kersting, Wolfgang (2001), Plädoyer für einen nüchternen Universalismus. In: Information Philosophie im Internet 1, URL: https://www.humanrights.ch/cms/upload/pdf/070108_kersting_universalitaet.pdf/ (abgerufen am: 10.01.2021).

 

______________________________

Literatur:

Baberowski, Jörg: Der Sinn der Geschichte. Geschichtstheorien von Hegel bis Foucault. München 2005.

Budde, Gunilla / Freist, Dagmar: Verfahren, Methoden, Praktiken. In: Gunilla Budde / Dagmar Freist / Hilke Günther-Arndt (Hrsg.): Geschichte. Studium – Wissenschaft – Beruf. Berlin 2008, S. 158–177.

Freytag, Nils / Piereth, Wolfgang: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten, 5., aktual. Aufl., Paderborn 2011.

Jordan, Stefan: Vetorecht der Quellen. In: Docupedia-Zeitgeschichte, 11.02.2010, URL: https://docupedia.de/zg/Vetorecht_der_Quellen (abgerufen am: 18.04.2021).

Jordan, Stefan: Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaft, 3., aktual. Aufl., Paderborn 2016.

Kocka, Jürgen: Historische Sozialwissenschaft. In: Klaus Bergmann / Annette Kuhn / Jörn Rüsen / Gerhard Schneider (Hrsg.): Handbuch der Geschichtsdidaktik, 3., völlig überarb. u. bedeutend. erw. Aufl., Düsseldorf 1985, S. 170–172.

Landwehr, Achim, Kulturgeschichte. In: Docupedia-Zeitgeschichte, 14.5.2013, URL: http://docupedia.de/zg/Kulturgeschichte/ (abgerufen am: 17.4.2021).

Nathaus, Klaus, Sozialgeschichte und Historische Sozialwissenschaft. In: Docupedia-Zeitgeschichte, 24.09.2012, URL: docupedia.de/zg/Sozialgeschichte_und_Historische_Sozialwissenschaft (abgerufen am: 18.04.2021).

Neumann, Friederike, Schreiben im Geschichtsstudium. Wien u.a. 2018.

Steffens, Henry J. / Dickerson, Mary Jane / Schmale, Wolfgang, Schreiben, um Geschichte zu lernen: Überblick und Einführung. In: Wolfgang Schmale (Hrsg.), Schreib-Guide Geschichte. Schritt für Schritt wissenschaftliches Schreiben lernen, Wien/Köln/Weimar 2006, S. 17–36.

Welskopp, Thomas, Theorien in der Geschichtswissenschaft. In: Gunilla Budde / Dagmar Freist / Hilke Günther-Arndt (Hrsg.), Geschichte. Studium – Wissenschaft – Beruf. Berlin 2008, S. 138–157.

Protokoll-Nr.:Name:Klasse:
Fach/VWA:Betreuer/in:Datum:

Die Aufzeichnungen müssen sauber, einheitlich, übersichtlich, vollständig und genau geführt werden. Die Dokumentation muss ermöglichen, dass andere Personen das Experiment ohne weitere Informationen wiederholen können.

Titel/Überschrift des Experiments
Hier wird die nähere Bezeichnung der Untersuchung angegeben.

Aufgaben- bzw. Fragestellung, Einleitung
Worum geht es im vorliegenden Experiment? Welche Aufgabe/welche Frage soll mit dem Experiment beantwortet werden? Welches Ziel wird angestrebt?

Chemikalien/Laborgeräte
Alle benötigten Chemikalien inklusive Mengenangaben bzw. Konzentration sowie alle erforderlichen Laborgeräte inklusive eventueller Größenangaben werden aufgelistet. Bei Chemikalien werden gemäß GHS (=Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals) die Gefahrenklassen, Gefahrenkategorien, Gefahrenhinweisen sowie Sicherheitshinweisen angeführt, um Unfälle zu verhindern. Auch die sachgemäße Entsorgung wird beschrieben.

Durchführung
Kurze und sachliche Beschreibung der Vorgangsweise. Alle Mengenangaben werden notiert. Angefertigte Skizzen oder Fotos veranschaulichen die Durchführung.

Ergebnisse
Aufzeichnung aller Beobachtungen. Was konnte sinnlich erfasst– gesehen, gehört, gerochen, geschmeckt, ertastet  – bzw. mit Instrumenten gemessen werden? Alle Messwerte werden in Form von Tabellen, Diagrammen und/oder Grafiken protokolliert, alle wichtigen Reaktionsgleichungen und Berechnungen angegeben.

Diskussion der Ergebnisse
Ergebnisse und Beobachtungen werden erklärt. Konnten die eingangs formulierten Aufgaben- bzw. Fragestellungen nachvollziehbar beantwortet werden? Können nun Hypothesen mit Fakten belegt werden?
Eventuelle Herausforderungen/Probleme werden genannt, weitere Vorgangsweisen reflektiert.

Literatur
Verwendete Literatur wird genannt.

Wer fremdes geistiges Eigentum in seiner Arbeit verwendet, ohne dies im unmittelbaren Zusammenhang zu belegen, plagiiert, d.h. er/sie begeht geistigen Diebstahl. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Text wortwörtlich übernommen oder paraphrasiert, übersetzt oder zusammengefasst wurde. Es reicht auch nicht, die verwendete Quelle an späterer Stelle oder gar nur im Literaturverzeichnis anzugeben.

Dem Recht, fremdes geistiges Eigentum in seiner Arbeit zu verwenden, steht die Pflicht gegenüber, dies auch genau und präzise zu dokumentieren.

Wörtliche Übernahmen (Zitate) sind als solche kenntlich zu machen. Zu diesem Zweck kann man sie

  • als Textblock einrücken
  • sie kursiv setzen oder eine kleinere Schriftgröße verwenden (Formale Gestaltung).

Wo – wörtlich oder inhaltlich in Form von Paraphrasierung – fremde Texte übernommen wurden, ist dies in unmittelbarem Zusammenhang mit genauer Angabe zu belegen. Eine solche Quellenangabe kann im entweder im laufenden Text in eine Klammer gesetzt werden oder in Fußnoten oder Endnoten erfolgen. Was genau in einer solchen Quellenangabe stehen muss, legen (häufig nach Disziplinen verschiedene) Regeln fest. (Literaturverzeichnis, Richtig zitieren)

Um plagiierte Arbeiten zu entlarven, werden heute unterschiedliche Programme (Plagiatssoftware) eingesetzt, weshalb die Arbeiten auch in digitaler Form abgegeben werden müssen. Das gilt auch für die vorwissenschaftliche Arbeit. Solche Programme vergleichen den Text der abgegebenen Arbeit mit allen dem jeweiligen Programm zur Verfügung stehenden Unterlagen (Internet, Datenbanken, eBooks ...) und listen Übereinstimmungen auf.
Hinweise auf mögliche Plagiate können sich schon vor einem möglichen Softwareeinsatz aus stilistischen Brüchen, mangelhafter Kohärenz oder ungewöhnlichen Ausdrucksweisen ergeben.

Plagiate können mit voller Täuschungsabsicht in einer Arbeit verwendet werden und damit den Tatbestand des Betruges erfüllen. Einzelne Worte in einem solchen Text zu ändern verstärkt eher noch den Eindruck einer Betrugsabsicht.
Plagiate können auch aus schlampiger Arbeit resultieren, wenn beim Recherchieren und Sammeln von Material nicht von Anfang an auf sorgfältiges Arbeiten geachtet wurde (schlampige Quellenangabe, sorgloses Zusammenkopieren ...).

Plagiieren beim Verfassen der VWA
Nach der Abgabe der vorwissenschaftlichen Arbeit in digitaler Form wird diese durch eine Plagiatssoftware überprüft. Der Prüfbericht steht der Betreuungsperson für die Beschreibung der Arbeit zur Verfügung. Der Nachweis eines Plagiats kann zur Folge haben, dass die VWA als vorgetäuschte Leistung nicht beurteilt wird, was eine Wiederholung des gesamten Prüfungsgebietes bedeutet.

Weiterführende Links
Fremde Federn finden. Kurs über Plagiat
http://plagiat.htw-berlin.de/ff/startseite/fremde_federn_finden [Zugriff: 23.09.2019]
Unter diesem Link findet sich eine Lerneinheit zum Thema Plagiat, für die als Zeitaufwand zwei bis drei Stunden veranschlagt werden. Autorin ist Prof. Dr. Debora Weber-Wulff von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin.

An der gleichen Universität bietet das Portal Plagiat der HTW Berlin http://plagiat.htw-berlin.de/ [Zugriff: 23.09.2019] eine umfangreiche Zusammenstellung zum Thema Plagiat.
Eine knappe Zusammenfassung aus österreichischer Sicht findet sich auf der Homepage der Universität Wien

Steiner, Markus: Abgeschrieben und ewischt: So funktioniert die Plagiatsprüfung. 18.05.2016. https://medienportal.univie.ac.at/uniview/uni-intern/detailansicht/artikel/abgeschrieben-und-erwischt-so-funktioniert-die-plagiatspruefung/ [Zugriff: 23.09.2019].

Führender Österreicher im Bereich der Plagiatforschung ist der Medien- und Kommunikationswissenschafter Stefan Weber, der auf seiner Homepage http://plagiatsgutachten.de [Zugriff: 23.09.2019] auch einen Blog zu diesem Thema betreibt.

Prinzipielles zum Urheberrecht

Die Bildersuche in Google oder in anderen Suchmaschinen liefert eine unübersehbare Fülle von Abbildungen zu nahezu jedem denkbaren Thema. Dabei ist jedoch die Mehrzahl dieser Bilder an Urheberrechte geknüpft.

Diese Urheberrechte müssen bei einer Veröffentlichung in Dokumenten - vom Flugblatt bis zur Dissertation – berücksichtigt werden. Dabei genügt es in vielen Fällen nicht, die Quelle anzugeben: Bilder, Fotos, Cartoons und Diagramme sind häufig an eine kostenpflichtige Lizenz gebunden.

Urheberrecht ist bei der VWA nicht anzuwenden

Eine vorwissenschaftliche Arbeit ist eine Prüfungsarbeit und wird als solche nicht veröffentlicht. Sie wird auf die passwortgeschützte VWA-Datenbank des Bundesministeriums für Bildung geladen und zweifach ausgedruckt in der Schule abgegeben. Zugang zu dieser Arbeit haben somit nur die dafür berechtigten Personen der Schule bzw. der Schulaufsicht und -verwaltung. Die Nichteinhaltung urheberrechtlicher Bestimmungen (z.B. die fehlende, mangelhafte oder falsche Angabe der Urheberin/des Urhebers eines Bildes) kann zwar bei der Beurteilung der VWA berücksichtigt werden, rechtliche Konsequenzen gibt es jedoch nicht. Es können also an sich Bilder jeder Art verwendet werden, da für eine nicht veröffentlichte schulische Prüfungsarbeit keinerlei Lizenzgebühren zu bezahlen sind.

Urheberrecht im Falle der Veröffentlichung der VWA

Dies ändert sich, sobald die Prüfungsarbeit bei Wettbewerben etc. einreicht und ins Internet gestellt wird. Es handelt sich dann um eine Publikation. In diesem Fall muss für die Verwendung von fremden Abbildungen die Genehmigung zur Verwendung eingeholt werden.

Nutzungsrechte

Urheber/innen können die Nutzung (Veröffentlichung, Vervielfältigung, Verbreitung, Zurverfügungstellung im Internet, …) ihrer Werke gestatten, diese Bewilligung aber auch einschränken. So kann es passieren, dass ein Foto nur in Österreich während eines festgelegten Zeitraums für eine bestimmte Mediengattung verwendet werden darf. Die Rechte zur Verwendung von Fotos können von der Fotografin/vom Fotografen selbst bzw. von einer sie/ihn vertretenden Fotoagentur wahrgenommen werden. Die Verwendung von Fotos (auch wenn sie im Internet zu finden sind) muss meist entsprechend finanziell abgegolten werden. Ohne Zustimmung der Fotograf/inn/en darf kein Bild verwendet werden.

Bearbeitungsrecht

Ist das Bearbeitungsrecht nicht vereinbart, so gilt bereits eine Farb- oder Tonwertkorrektur des Original-fotos als Eingriff in das Urheberrecht der Fotografin/des Fotografen. Bei einem Streitfall vor Gericht wird in der Regel zugunsten der Urheber/innen entschieden. Daher ist es wichtig, vor jeder Veröffentlichung einer VWA die explizite Zustimmung der Berechtigten einzuholen.

Wer ist bei der Verletzung des Urheberrechts verantwortlich?

Verantwortlich für Verstöße gegen das Urheberrecht ist in diesem Fall die Person, die die Arbeit veröffentlicht bzw. der Öffentlichkeit zugänglich macht:

  • die/der Schüler/in
  • die Schule

Die Betreuungsperson einer Arbeit kann für Urheberrechtsverletzungen, die sich aus der Veröffentlichung ergeben, nicht verantwortlich gemacht werden, sofern sie nicht für die Veröffentlichung mitverantwortlich zeichnet.

Die Verletzung von Urheberrechten kann dazu führen, dass Lizenzen auf dem Gerichtsweg eingeklagt werden.