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Eine Fragestellung entwickeln

„Zunächst muss man sich klarmachen, dass jede wissenschaftliche Arbeit die Antwort auf eine offene Frage ist.“¹

Was hier für den Wissenschaftsbereich formuliert ist, gilt auch für die VWA: Die Fragestellung ist das Herzstück jeder (vor)wissenschaftlichen Arbeit. Sie bestimmt Aufbau und Inhalt der Arbeit. Erst mit der Fragestellung formulieren Sie, was das Ziel Ihrer VWA ist.

Solange Sie nicht genau wissen, was Sie eigentlich untersuchen und herausfinden möchten, wissen Sie nicht, welche Aspekte Ihres Themas relevant sind. Daraus folgt, dass Sie keine Orientierung bei der Literaturrecherche haben und Wichtiges nicht von Unwichtigem unterscheiden können.

Solange Sie nicht wissen, welcher Frage Sie nachgehen, können Sie auch keine (kluge) Entscheidung darüber treffen, wie Sie das Thema behandeln, mit welchen Arbeitstechniken und Methoden Sie arbeiten werden.

Sie können das Thema nicht strukturieren und die gewonnenen Daten aus Literaturrecherche und empirischen Methoden nicht gliedern und in einen sinnvollen Zusammenhang bringen.

Es kann schwierig sein, die Fragestellung zu formulieren. Folgende Aufstellung² kann hilfreich sein:

Die Fragestellung ist als „W-Frage“ (Was? Wie? Warum?...) formuliert und nennt klar und verständlich ein Erkenntnisinteresse.Die Fragestellung
  • sollte möglichst in einem Satz formuliert werden,
  • ist eine offene Frage (sie kann also nicht bloß mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden),
  • enthält keine Vorannahmen oder Wertungen,
  • sollte in passende Unterfragen unterteilt werden,
  • macht Lust aufs Arbeiten.
 
Die Fragestellung grenzt das Thema ein und trennt so Wichtiges von Unwichtigem.

Die Fragestellung

  • ist möglichst eingeschränkt und klar definiert,
  • macht sichtbar, welche Aspekte des Themas behandelt werden,
  • klärt, was nicht behandelt wird,
  • ist im vorgegebenen Zeitrahmen und mit vorhandenen Ressourcen beantwortbar.
 

Die Fragestellung gibt den roten Faden für Autorinn/Autoren und Leser/innen vor.
Die Arbeit soll konsequent auf die Beantwortung der Fragestellung ausgerichtet sein.

Die Fragestellung dient als Orientierung für Aufbau und Inhalt der Arbeit:
  • Sie wird in der Einleitung der Arbeit (dar)gestellt
  • und durch die Arbeit beantwortet.
 
Die Fragestellung weist die Richtung für alle folgenden Arbeitsschritte.Die Fragestellung dient bereits als Orientierungspunkt für die unmittelbar daraus folgenden Methoden.

 

Entwicklung einer Fragestellung³

Im Wesentlichen sind es sechs Phasen, anhand deren Sie ausgehend von der Sammlung eigener Ideen eine konkrete und bewältigbare Fragestellung für die VWA entwickeln können. Diese sechs Phasen differenzieren die drei großen Schritte zur Themenfindung aus (Abbildung 1):

Beispiel

Phase 1: Ideen sammeln
Nehmen Sie Post-its zur Hand und notieren Sie auf jedem einzelnen Zettelchen Begriffe, die Ihnen einfallen und die Sie interessieren.  Schreiben Sie so lange, bis Sie keine spontanen Ideen mehr haben.

Phase 2: Ideen clustern
Bilden Sie anschließend inhaltliche Cluster, indem Sie alle Post-its, die inhaltlich zusammenpassen, in Begriffswolken kleben.

Phase 3: Themen benennen
Geben Sie den Begriffswolken anschließend Titel, z. B.:

Sowohl die Zuordnung der Begriffe zu bestimmten Wolken als auch die Titel hängen von Ihrem subjektiven Verständnis der Begriffe ab.

Phase 4: Themen fokussieren
Wählen Sie eine Begriffswolke aus und notieren Sie nun Aspekte, die Ihnen dazu einfallen.
Z. B. die Begriffswolke Gemeinschaft

Social NetworksKommunikationAblenkungAusgehen
FreundschaftenIsolationDazugehörenSpielen

Phase 5: Fragen stellen
Sie wählen denjenigen Aspekt aus, der Ihnen am interessantesten erscheint, und formulieren  dazu Fragen, die Sie für relevant und spannend halten.

z. B.: Social Networks
Aus welchen Motiven nutzen Jugendliche Social Networks?
Was tun sie auf diesen Plattformen?
Wie viel Zeit verbringen sie damit?
Was bedeutet der Begriff „Freund/in“ in diesem Zusammenhang?

Überlegen Sie, welche Frage Ihnen für eine VWA geeignet erscheint. Die Frage nach den Motiven für die Nutzung erscheint beispielsweise ergiebig. Die anderen Fragen müssen möglicherweise nicht verworfen werden, sondern können Unterfragen darstellen, die in den einzelnen Kapiteln Beachtung finden können.

Phase 6: Forschungsfrage konkretisieren
Die Forschungsfrage für Ihre Arbeit könnte nun lauten:
Welche Funktion und Bedeutung haben Social Networks für Jugendliche?

 

Umsetzung

Phase 1: Ideen sammeln
Notieren Sie auf Post-Its Ihre Ideen. Lassen Sie Ihren eigenen Gedanken freien Lauf: 

Phase 2: Ideen clustern
Bilden Sie Begriffswolken!

Phase 3: Themen benennen
Geben Sie jeder Begriffswolke einen thematischen Titel!

Phase 4: Themen fokussieren
Wählen Sie diejenige Begriffswolke aus, die Sie am meisten interessiert, und bilden Sie dazu Assoziationen:

                                                                            
     

Phase 5: Fragen stellen
Wählen Sie einen Begriff aus und stellen Sie dazu möglichst viele Fragen:

                                                                                   
 
 
 

Phase 6: Forschungsfrage konkretisieren
Welche Frage eignet sich nun für die Bearbeitung in einer VWA?

                                                                                   

 

¹ Esselborn-Krumbiegel, Helga: Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. 5. Auflage. Paderborn u. a.: Schöningh, 2017. S. 63.
² Vgl. die Ausführungen in Henz-Hölzl, Katharina: Vorwissenschaftliches Arbeiten. Aktualisierung. Wien: E. Dorner, 2016.
³ Diese Beschreibung folgt der Darstellung in Maresch, Günter/Schreilechner, Adelheid: klar_Matura. Vorwissenschaftliche Arbeit. Jugend & Volk, 2017, und wurde von der Autorin zur Verfügung gestellt.