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Themenfindung

Die Themenfindung und anschließende Formulierung der Fragestellungen gehören zu den entscheidendsten Arbeitsschritten überhaupt. Nur ein gut eingegrenztes Thema und eindeutige, beantwortbare Fragestellungen ermöglichen zielgerichtetes Arbeiten entlang klar umrissener Aufgabenstellungen. Die Aufmerksamkeit, die Schüler/innen dieser Arbeitsphase widmen, und die Unterstützung, die Betreuungspersonen bei der Ausformulierung der leitenden Fragestellung leisten, tragen in hohem Maße zum Gelingen der VWA bei.

1. Von Interessen ausgehen
Niemand beschäftigt sich gerne über längere Zeit mit Themen, an denen wenig Interesse besteht. Darum sollten Schüler/innen klären, womit sie sich aus eigener Motivation beschäftigen. Welche Themen in den Medien, in Freizeit und Schule sind für sie bedeutsam? Gibt es eventuell bereits schulische oder außerschulische Arbeiten, auf denen aufgebaut werden könnte?

In dieser Reflexionsphase können Methoden zur Themenfindung wie Brainstorming/Brainwriting oder Freewriting, Clustermethoden (Concept-Mapping, Mind-Mapping) eingesetzt werden.

2. Auf Ressourcen achten
Vor der endgültigen Festlegung des Themas sollten unbedingt Überlegungen zu zur Verfügung stehenden Ressourcen angestellt werden: Über welches inhaltliche und methodische Wissen und Können verfügt die Schülerin/der Schüler? Welche Bibliotheken können mit wenig Aufwand besucht werden? Gibt es Personen mit großer Expertise oder Institutionen, auf die sie/er Zugriff hat? Benötigt man zur Beantwortung der Fragestellung(en) den Kontakt zu speziellen Personen(gruppen), Organisationen etc.? Welcher Zeitbedarf entsteht aus den jeweiligen Anforderungen? Entstehen eventuell finanzielle Aufwendungen?

3. Thema eingrenzen
Meist sind in der Themenfindungsphase die von den Schülerinnen und Schülern genannten Themen viel zu groß und müssen klug eingegrenzt werden.

Prinzipien der Begrenzung und Konkretisierung sind unter anderen die folgenden:¹

  • Zeitliche Begrenzung (z. B.: Thema ist Österreich, Begrenzung: Zwischenkriegszeit)
  • Geographische Begrenzung (z. B.: Thema ist Wasserqualität in Flüssen, Begrenzung: ein definierter Abschnitt eines heimatlichen Flusses)
  • Beschränkung auf einzelne Einrichtungen oder Institutionen. (z. B.: Thema ist repräsentative Demokratie, Begrenzung: ein ausgewählter österreichischer Landtag)
  • Beschränkung auf Personengruppen (z. B.: Thema sind Mathematikerpersönlichkeiten, Einschränkung: Mathematikerinnen; weitere Begrenzungsmöglichkeit bei Personen/-gruppen sind etwa Alter, soziale und/oder regionale Zugehörigkeit etc. und Kombinationen dieser Begrenzungen)
  • Beschränkung auf eingegrenzte Quellen, bestimmtes Datenmaterial, klar definierte Bereiche (z. B.: Thema ist Naturschutz, Begrenzung: eine bestimmte Naturschutzbestimmung)

4. Eine oder mehrere mögliche Fragestellungen entwickeln
Die Begrenzung eines Themenfeldes unter den oben beschriebenen möglichen Gesichtspunkten steht in Verbindung mit der Frage, was den/die Schüler/in am ausgewählten Themenbereich interessiert. Was soll herausgefunden werden? Auf welche Frage soll eine Antwort gefunden werden? Möglicherweise wollen die Schüler/innen sich in dieser Phase noch nicht ganz festlegen, dann können zum definierten Themenbereich auch mehrere mögliche Fragestellungen formuliert werden.

Mögliche Fragestellungen, die bereits Eingrenzungen vornehmen, sind beispielsweise die folgenden: Welche hinderlichen und/oder förderlichen Bedingungen fanden Frauen an der Universität Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor?
Welche ökonomischen und politischen Faktoren führten im Jahr 1938 zur Gründung der Winzergenossenschaft Wachau?
Wie gut/schlecht ist die Wasserqualität in einem bestimmten Flussabschnitt im Vergleich zu einem anderen?

5. Passende Methode/n eruieren – Methodenkompetenz reflektieren
Neben inhaltlichen Überlegungen müssen auch Überlegungen zur methodischen Vorgangsweise angestellt werden. Gewisse Fragenstellungen erfordern den Einsatz bestimmter Arbeitstechniken und Methoden. Der/die Schüler/in muss entscheiden, ob er/sie die notwendige Methodenkompetenz hat. Viele Schüler/innen interessieren sich für bestimmte Methoden (etwa eine Umfrage durchführen und auswerten, eine Reihe von Interviews führen, auswerten und vergleichen), ohne über das dafür notwendige Wissen zu verfügen. Hier beratend und nachfragend einzugreifen ist eine der wesentlichen Aufgaben der Betreuungsperson.

Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von wissenschaftlichem Arbeiten unterscheiden:² Literaturanalytisches Arbeiten (Reproduktion von Wissen) und empirisches Arbeiten (Produktion von Wissen). Eine vorwissenschaftliche Arbeit kann eine rein literaturanalytische Arbeit sein. Eventuell kann ein empirischer Teil integriert werden. Fachliteratur stellt allerdings immer die Ausgangsbasis dar.

Die folgende Tabelle³ kann zur Klärung der methodischen Arbeit beitragen.

Diese Arbeitsschwerpunkte sollen in meiner Arbeit viel/wenig Raum (Balken) einnehmen:

Arbeitsschwerpunkt------>  wenig Raum  ------>  viel Raum  ------>
Suche in Bibliotheken, Archiven 
Zusammentragen von Wissen 
Informationsentnahme aus Büchern 
Suchen von Fakten in Büchern, Zeitschriften, Internet 
Einordnen von Informationen in andere Zusammenhänge 
Umformulieren bekannter Ergebnisse 
Vergleichen von Theorien, Darstellungen, Texten 
Interpretieren von Sachverhalten und Ergebnissen 
Strukturieren von vorhandenen Informationen 
Untersuchen von gegebenen Zusammenhängen 
Genaues Untersuchen von Texten 
Überprüfen von Behauptungen 
Lösen noch nicht geklärter Problemstellungen 
Erklären eines Phänomens durch eigene Untersuchungen 
Durchführen eigener Interviews 
Ermittlung neuer Daten durch eigene Erhebungen 
Interpretieren von Daten oder historischen Quellen 
Testen methodisch-experimenteller Verfahren 
Eigenständige Formulierung eigener Ergebnisse 


6. Formulierung des Erwartungshorizonts
Mit der Begrenzung des Themas und der Ausformulierung der Fragestellungen sowie der Festlegung der Methoden kann nun die Formulierung des Erwartungshorizonts erfolgen.

¹ Schmitz, Martina/Zöllner Nicole: Der rote Faden. 25 Schritte zur Maturaarbeit. Zürich: Orell Verlag, 2007, S. 38.
² Henz, Katharina: Vorwissenschaftliches Arbeiten. Ein Praxisbuch für die Schule. Wien: E. Dorner, 2010, S. 8f.
³ Sacher, Nicole: Methodenkurs Sek. II: Die Facharbeit planen – strukturieren – schreiben. Stuttgart: Klett, 2010, S. 12.