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Paraphrasieren

Paraphrasieren bedeutet, einen Text sinngemäß, also nicht wortwörtlich wiederzugeben. Schlüsselbegriffe aus dem Originaltext bleiben dabei erhalten.

Schreibhandlungen

Zusammenfassen: Bei der Übernahme von Gedanken und Inhalten wird der Ausgangstext gekürzt und somit zusammengefasst.

Wiedergeben einer ausgewählten Stellungnahme oder Position: Aus einem längeren Text werden einzelne Absätze bzw. Seiten ausgewählt und inhaltlich wiedergegeben.

Hervorheben und Erklären von einzelnen Aspekten: Aus den ausgewählten Textstellen werden einzelne Gedanken hervorgehoben und weitergeführt.

Zusammenführen und/oder Vergleichen von verschiedenen Aussagen: Aussagen verschiedener Autorinnen und Autoren zu bestimmten Aspekten werden zusammengeführt, Übereinstimmungen oder Widersprüche identifiziert.

Sinngemäße Wiedergabe

Wenngleich jedes Paraphrasieren durch die Auswahl von Einzelaspekten und durch die eigene Wortwahl einen Eingriff in den Ursprungstext bedeutet, muss dennoch die ursprüngliche Aussage beibehalten werden. Der Sinn darf keinesfalls verändert werden. 

Sinnveränderungen können geschehen,

  • indem man aufgrund von Einzelpassagen Rückschlüsse auf ein ganzes Werk zieht. Z. B.: Ein wichtiger Aspekt wird als fehlend beschrieben, obwohl er möglicherweise an anderer Stelle behandelt wird.
  • indem im Text formulierte Einwände oder Kritikpunkte an bestimmten Positionen nicht als solche kenntlich gemacht und als Aussage der Autorin/des Autors wiedergegeben werden. Z. B.: In einem Werk über Klimaveränderung werden Argumente der Leugner/innen der Klimaerwärmung angeführt und später widerlegt. Bei der Wiedergabe der Textpassage werden diese „Argumente“ aber der Autorin/dem Autor in den Mund gelegt. Auf die spätere Widerlegung wird nicht eingegangen.
  • wenn Generalisierungen bzw. Reduzierungen vorgenommen werden. Z. B.: In einem Werk über Lernschwierigkeiten wird darauf hingewiesen, dass – neben zahlreichen anderen ausgeführten Aspekten – das Schulklima zu Lernschwierigkeiten beitragen kann. Sinnentfremdet wiedergegeben wäre der Text, wenn das Schulklima generell für alle Lernschwierigkeiten verantwortlich gemacht würde. 

Quellenangabe

Wie bei wörtlichen Zitaten muss auch beim Paraphrasieren klar sein, auf welche/n Urheber/in die einzelnen Aussagen zurückgehen. Beginn und Ende der Bezugnahme müssen dabei deutlich werden. Die Quellenangabe wird meistens mit einem vgl. (= vergleiche) eingeleitet.

Sprachliche Kennzeichnung

Für die Einleitung und sprachliche Kennzeichnung von Paraphrasierungen gibt es zahlreiche sprachliche Möglichkeiten:

Präpositionen und Nominalphrasen

  • Laut X …
  • X zufolge …
  • In Anlehnung an X …
  • Nach X …
  • In Berufung auf X …

Verben

  • Bei X wird deutlich, dass …
  • X macht deutlich, betont, hält fest, dass …
  • X fordert ein/e… , fordert, dass …
  • X erklärt, räumt ein, stellt dar, stellt klar, stellt fest, dass …
  • X meint, kritisiert, nimmt an, gibt zu bedenken, verweist auf …
  • X charakterisiert, beschreibt das als …
  • X behauptet, dass … (Distanzierung)

Zusammenführungen und Vergleiche

Gemeinsamkeiten/Parallelen

  • X deckt sich mit Y hinsichtlich der Aussage, dass …
  • X steht im Einklang mit Y …
  • X kommt zur ähnlichen/selben Schlussfolgerung wie Y
  • Zur selben Einschätzung kommt …
  • X stimmt mit Y darin überein, dass …

Unterschiede

  • Anders als X meint Y, dass …
  • Im Gegensatz zu X stellt Y fest, dass …
  • Während X feststellt, dass…, betont Y …
  • Zu einer völlig anderen Schlussfolgerung kommt Y, wenn er schreibt …
  • X und Y unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Position zu …
  • X und Y widersprechen sich in ihrer Einschätzung von …

Wiedergabe von Äußerungen anderer

Der Konjunktiv I dient in der deutschen Sprache grundsätzlich der Kennzeichnung der indirekten Rede, also der neutralen Wiedergabe von Äußerungen anderer. Das ist beim Paraphrasieren grundsätzlich der Fall.

Beispiele

Im Folgenden wird beispielhaft gezeigt, wie mittels der angeführten Möglichkeiten Paraphrasierungen gestaltet werden können.

Ausgangszitate:

„Wissenschaftliche Arbeiten unterscheiden sich von anderen Texten vor allem dadurch, dass sie auf andere wissenschaftliche Texte Bezug nehmen. Das ist wichtig, denn niemand forscht in einem luftleeren Raum. Vielmehr knüpfen auch Sie in Ihrer Arbeit an einen bestehenden Diskurs an, den Sie aufgreifen und in den Sie Ihre eigene Forschung einbetten. Alle von Ihnen verwendeten Quellen müssen Sie daher sowohl im Text belegen als auch im Literaturverzeichnis aufführen.“

Prexl, Lydia: Mit digitalen Quellen arbeiten. Richtig zitieren aus Datenbanken, E-Books, Youtube und Co. 2. Auflage. Paderborn: Schöningh Verlag, 2015, S. 86.

„Wissenschaftliches Arbeiten ist ein theoretischer und/oder praktischer Erkenntnisprozess mit dem Ziel, die Ergebnisse in Form einer wissenschaftlichen Arbeit zu dokumentieren. Diese muss in jeder Hinsicht regelkonform sein und das selbstständige Denken des Verfassers belegen.“

May, Yomb: Wissenschaftliches Arbeiten. Eine Anleitung zu Technik und Schriftform. Stuttgart: Reclam, 2010, S. 13.

Neutrale Wiedergabe

  • Wiedergeben durch Kürzen (= Zusammenfassen)
    Prexl charakterisiert hier wissenschaftliches Arbeiten vor allem durch ihre Bezugnahme auf andere wissenschaftliche Texte, auf die die eigene Arbeit aufbaut und die eindeutig zu belegen sind (vgl. Prexl, 2015, S. 86).
  • Wiedergeben einer Erkenntnis oder Position
    Für Prexl ist ein wesentliches Merkmal wissenschaftlicher Texte die Bezugnahme auf andere wissenschaftliche Arbeiten zum Thema. Jede Forschung stehe im Kontext bereits bestehender Arbeiten und jede Arbeit müsse in diesen Kontext gestellt werden. Die Arbeiten, auf die Bezug genommen wird, seien eindeutig zu belegen – im Text und im Literaturverzeichnis (vgl. Prexl, 2015, S. 86).
  • Ausführen und Erklären
    Prexl zufolge nimmt jede wissenschaftliche Arbeit auf andere wissenschaftliche Texte Bezug. Das ist es, was ihrer Meinung nach Wissenschaft zentral ausmacht: das Aufgreifen und Sich-Einordnen in einen bestehenden Diskurs (vgl. Prexl, 2015, S. 86). [Anm.: Hier endet die sinngemäße Wiedergabe des Ausgangstextes, daher wird die Quelle, in diesem Fall als Kurzbeleg, angeführt. Es folgt die darauf aufbauende Weiterführung des Gedankens:] Wissenschaftliches Arbeiten heißt folglich nicht, als Individuum eine geniale Einzelleistung zu entwerfen, sondern es bedeutet vielmehr, bereits getätigte Gedanken, Erfindungen und Entdeckungen zu recherchieren, sie zu beschreiben, miteinander zu vergleichen und die eigenen Untersuchungsergebnisse damit in Verbindung zu bringen.
  • Vergleichen von verschiedenen Aussagen
    Während May wissenschaftliches Arbeiten als zielgerichteten Erkenntnisprozess mit entsprechender Dokumentation charakterisiert und dabei die individuelle gedankliche Leistung der Urheberin/des Urhebers einfordert (vgl. May, 2010, S. 13), hebt Prexl die Einbettung der Arbeit in einen bereits bestehenden Diskurs hervor, der unerlässlich für wissenschaftliches Arbeiten ist (vgl. Prexl, 2015, S. 86). [Hier wird der Indikativ gewählt und damit unbedingte Zustimmung ausgedrückt, s. u.]
  • Neutral durch Verb und Konjunktiv I (indirekte Rede):
    Prexl hält fest, dass die Einbettung in einen bereits bestehenden wissenschaftlichen Diskurs wesentlich für wissenschaftliches Arbeiten sei (vgl. Prexl, 2015, S. 86).

Wertende Wiedergabe von Aussagen

Durch sprachliche Mittel (siehe Schreibhilfen) kommen neutrale Wiedergabe, Zustimmung oder Kritik zum Ausdruck. Dies geschieht zum einen durch die bewusste Auswahl von Verben: Es macht zum Beispiel einen Unterschied, ob eine Aussage mit dem Verb „stellt fest“ oder „behauptet“ eingeleitet wird. Auch durch die bewusste Wahl des Modus positioniert man sich: Indikativ drückt Zustimmung aus, Konjunktiv I ist die Standardform der indirekten Rede, Konjunktiv II vermittelt den Eindruck von Distanzierung und Skepsis.

  • Zustimmung durch Verb und Indikativ:
    Prexl macht deutlich, dass die Einbettung in einen bereits bestehenden wissenschaftlichen Diskurs wesentlich für wissenschaftliches Arbeiten ist (vgl. Prexl, 2015, S. 86).
  • Kritisch durch Verb und Konjunktiv II:
    Prexl behauptet/meint, dass die Einbettung in einen bereits bestehenden wissenschaftlichen Diskurs wesentlich für wissenschaftliches Arbeiten wäre (vgl. Prexl, 2015, S. 86).
  • Positionierung der Verfasserin/des Verfassers durch Verwendung von Adverbien:
    Zustimmung: richtigerweise, richtig, treffend, nachvollziehbar
    Ablehnung: fälschlicherweise, missverständlich, widersprüchlich, irrtümlicherweise
    Wie Prexl sehr treffend schreibt, geht es bei wissenschaftlichem Arbeiten um einen eigenen Beitrag zu einem bereits bestehenden Diskurs. 

Selbsttest

Überprüfen Sie bei den folgenden Beispielen, ob es sich um seriöse Paraphrasierungen handelt und begründen Sie Ihre Einschätzung. Vergleichen Sie anschließend Ihre Einschätzung mit den Lösungen:

Beispiele für Paraphrasierungen
Paraphrase+/–Begründung
May nennt vier zentrale Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens: systematisches Erkenntnisstreben, Dokumentation der Ergebnisse, die Einhaltung von Regeln und die eigene gedankliche Leistung (2010, S. 13). [Da einleitend der Autor namentlich genannt wird, reichen im Kurzbeleg Jahr und Seitenangabe.]  
Prexl behauptet, es sei bei wissenschaftlichem Arbeiten keine eigene gedankliche Leistung nötig (2015, S. 86).  
Prexl betont die Bedeutung der Einbettung der eigenen Arbeit in einen wissenschaftlichen Diskurs (2015, S. 86).  
Sowohl die Einbettung in den bereits bestehenden wissenschaftlichen Diskurs (Prexl, 2015, S. 86) als auch die eigene gedankliche Leistung (May, 2010, S. 13) sind für wissenschaftliches Arbeiten unerlässlich.   
Für May ist praktisches Forschen bei wissenschaftlichem Arbeiten unerlässlich (2010, S. 13). 

 


Lösungen

 +/–Begründung
May nennt vier zentrale Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens: Systematisches Erkenntnisstreben, Dokumentation der Ergebnisse, die Einhaltung von Regeln und die eigene gedankliche Leistung (2010, S. 13).+Inhaltlich korrekte Wiedergabe der Aspekte, die May nennt; eigene Formulierung, Übernahme von Schlüsselbegriffen; Kenntlichmachung der Quelle durch Kurzbeleg.
Prexl behauptet, es sei bei wissenschaftlichem Arbeiten keine eigene gedankliche Leistung nötig (2015, S. 86). [Da hier die Autorin namentlich genannt wird, reicht im Kurzbeleg Jahr und Seitenangabe].Wenngleich in diesem einen vorliegenden Absatz der Aspekt „eigene gedankliche Leistung“ nicht vorkommt, handelt es sich um eine Unterstellung, Prexl würde diese Behauptung anstellen. Sie sagt das nicht und es ist unbekannt, was die Autorin an anderer Stelle schreibt.
Prexl betont die Bedeutung der Einbettung der eigenen Arbeit in einen wissenschaftlichen Diskurs (2015, S. 86).+Sinngemäße Wiedergabe eines zentralen Aspekts aus dem Ausgangszitat. 
Sowohl die Einbettung in den bereits bestehenden wissenschaftlichen Diskurs (Prexl, 2015, S. 86) als auch die eigene gedankliche Leistung (May, 2010, S. 13) sind für wissenschaftliches Arbeiten unerlässlich. +Inhaltliche Zusammenführung von zwei verschiedenen Quellen mit eindeutigen Belegen.
Für May ist praktisches Forschen bei wissenschaftlichem Arbeiten unerlässlich (2010, S. 13).Die Aussage wird verfälscht: May spricht von einem theoretischen und/oder praktischen Erkenntnisprozess. D. h., auch ein ausschließlich theoretischer Erkenntnisprozess ist zulässig.


Verwendete Quellen
May, Yomb: Wissenschaftliches Arbeiten. Eine Anleitung zu Technik und Schriftform. Stuttgart: Reclam, 2010.
Prexl, Lydia: Mit digitalen Quellen arbeiten. Richtig zitieren aus Datenbanken, E-Books, Youtube und Co. 2. Auflage, Paderborn: Schöningh Verlag, 2015.

Literatur
Kühtz, Stefan: Wissenschaftlich formulieren. Tipps und Textbausteine für Studium und Schule. Paderborn: Schöning Verlag, 2011.
Schreilechner, Adelheid/Maresch, Günther: klar. Matura. Vorwissenschaftliche Arbeit. Wien: Jugend & Volk, 2017.