AHS-Bundesseminar: Die VWA im Diskurs | Thema, Fragestellung, Leitfragen - Teil 2

Im Mittelpunkt des zweiten Teils des Bundesseminars, der am 15.1.2012 als Online-Format abgehalten wurde, standen zwei parallele Workshops, in denen die Teilnehmer*innen (mehr als 50 an der Zahl) Einblick in Spezifika der jeweiligen Wissenschaftsdomäne (Humanwissenschaften bzw. Naturwissenschaften) erhielten und zu einer intensiven, vorwiegend anwendungsorientierten Auseinandersetzung mit den Schwerpunktthemen Themenfindung und -präzisierung, Entwicklung von Fragestellungen und Leitfragen und einer daraus abgeleiteten zielführenden Methodenwahl eingeladen wurden.

Mag. Michael Koscher, Leiter der AG VWA, eröffnete den Seminarnachmittag, der von Frau Dr.in Aurelia Weikert von der Universität Wien moderiert wurde. In einer kurzen Eingangssequenz fasste Mag.a Adelheid Schreilechner (AG VWA) zentrale Inhalte des ersten Seminarnachmittags zusammen, was auch jenen Teilnehmer*innen einen guten Anschluss ermöglichte, die beim ersten Seminarteil im November 2020 noch nicht dabei waren.

Workshop 1 zu geistes- und sozialwissenschaftlichen Themen und Fragestellungen

Mag.a Dr.in Maria Dabringer (Universität Wien) bot eingangs in einem kurzen Exkurs einen interessanten Einblick in die Bedeutung der Sozial- und Geisteswissenschaften für die gegenwärtige Gesellschaft: Verstehen und Deuten sind grundlegend für unser Zusammenleben und die Gestaltung unserer Umwelt.

Davon abgeleitet richtete sie in ihren Ausführungen ihren und auch den Blick der Teilnehmer*innen auf ein gedeihliches Miteinander im VWA-Betreuungsprozess, der im schulischen Zusammenhang einzigartig ist und eine „soziale Besonderheit“ darstellt. Kompetent zu begleiten bedeutet, eine reflektierte Haltung einzunehmen, als Gegenüber für einen intensiven intersubjektiven Austausch zur Verfügung zu stehen, die eigene Rolle aktiv zu gestalten und Präsenz zu zeigen.

Anhand konkreter VWA-Erwartungshorizont-Beispiele mit sozial- und geisteswissenschaftlichem Hintergrund wurde mit den Teilnehmer*innen erarbeitet, wie eine kompetente und zielführende Begleitung der Schüler*innen bis zur Fertigstellung des Erwartungshorizonts gestaltet werden kann. Wie wichtig dabei Offenheit und Flexibilität sind, zeigte die Workshopleiterin, indem sie spontan auf Fragen der Teilnehmer*innen einging, deren Anliegen ernsthaft aufgriff und somit prototypisch sichtbar werden ließ, was es bedeutet, in Analogie zu den Humanwissenschaften Menschen und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses zu stellen.

Workshop 2 zu naturwissenschaftlichen Themen und Fragestellungen

Mag. Dr. Peter Pany (Universität Wien) ging auf die Frage ein, was eine ausgeklügelte Themeneinreichung zu leisten vermag.

Anhand der Fragestellungen anonymisierter vorwissenschaftlicher Arbeiten konnten sich die Teilnehmer*innen ein Bild verschaffen, welche empirischen Methoden im schulischen Kontext möglich sind. In seinem Impulsvortrag stellte Dr. Pany fest, dass Schüler*innen vor allem das zu leisten imstande sind, was sie bereits im Schulunterricht gehört und ausprobiert haben. Er verwies auf die Notwendigkeit, Methoden in den naturwissenschaftlichen Gegenständen vorzustellen, und erläuterte dies mit praktischen Beispielen. Seiner Meinung nach kann eine naturwissenschaftliche Fragestellung ohne eine empirische Methode nicht aufgearbeitet werden. Schon bei der Themeneinreichung ist darauf zu achten, dass Fragestellung und Methode im Zusammenhang stehen. Eine adäquate Arbeitsweise, die in der Schule realisierbar ist, ein geeignetes Thema sowie eine konkrete Fragestellung sind letztlich ausschlaggebend für eine gelungene Themeneinreichung.

Nach dem theoretischen Input hatten die Teilnehmer*innen in Kleingruppen die Möglichkeit, sich In Breakout Rooms auszutauschen. Dabei ging es um mögliche Anknüpfungspunkte im Unterricht zur Entwicklung von empirischen Fragestellungen.

Abschließend bekräftigte Dr. Pany noch einmal, dass der persönliche Erkenntnisgewinn und das Arbeiten mit adäquaten empirischen Methoden die Motivation und den Arbeitseinsatz der Schüler*innen heben. Lehrkräfte sollen im Unterricht zum empirischen Arbeiten anregen.

Die Herstellung einer „gemeinsamen Vision über das Projekt/Thema mit der Schülerin*dem Schüler“, die Relevanz der „Betreuung in der Themenfindungsphase“ und den „Mut zum Selbstforschen“ nahmen die Teilnehmer*innen des AHS-Bundesseminars als motivierende Gelingensbedingungen für die Ausformulierung von Themen, Fragestellungen und Leitfragen mit.